Sommerausstellung: Kunst mit Kettensäge geschaffen

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
10610704.jpg
Vor den abstrahierten Skulpturen von Stephanie Hermes (r.) sind ihre Künstlerkolleginnen Ada Blochwitz und Angelika Freitag (hockend) zu sehen. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Künstlerisch eingefangene Impressionen und in Form und Farbe umgesetzte Inspirationen bot die Sommerausstellung der Galeristin Brigitte Habig in der „Alten Weberei“ in Rödingen den Besuchern. Gleich zwei der drei Künstlerinnen stellten zum ersten Mal in Rödingen aus.

Tiermotive bevorzugt die in Düsseldorf lebende Angelika Freitag in ihren Papierarbeiten und Plastiken. Das oft in kreatürlicher Ursprünglichkeit dargestellte Tier spiegelt dabei die unverfälschte Natur des Menschen, die nonverbale lebendige Verständigung wird als vitaler Impuls des Lebens verstanden. In neueren Arbeiten impliziert Freitag thematisch auch Zusammenhänge verschiedener Herkunft und Formen der Energiezufuhr. Ins Auge fällt ein bereits im Jahre 1995 geformter Panter, den die Künstlerin „Paulchen“ getauft hat. „Weil er zur Familie gehört“, ist die geschmeidig wirkende Großkatze aus Maschendraht unverkäuflich. Zu veräußern sind andere Tierplastiken wie ein durch seine Transparenz auf den ersten Blick verletzlich scheinendes Pferd, ebenfalls aus Maschendraht und umwickelt mit Gaze.

„Innere Explosion“

Das Spektrum ihres Schaffens präsentiert Stephanie Hermes, die in Korschenbroich und Limoux/Frankreich lebt und arbeitet. Ausgangspunkt ihrer freien bildhauerischen Arbeit mit dem Material Holz war das menschliche Gesicht, das sie konkret und mit speziellen Ausdrücken dargestellt hat. Jetzt sind diese Masken in den Keller der Galerie „verbannt“.

Seit drei Jahren „sprengt“ die Maskenbildnerin diese Form durch die Bearbeitung ihres geliebten Materials mit der Kettensäge, was sie als „innere Explosion“ beschreibt. Sie lässt sich „vom Material inspirieren“, drückt ihre Ideen und Emotionen aus und lässt „ganz viel Raum für den Betrachter“. So bleiben ihre Stelen abstrakt und animieren den Betrachter zur Formsuche. „Wesen“ betitelt sie etwa eine Eichenskulptur mit Eisensegmenten. Auf den ersten Blick erinnert das Werk an ein Weinfass mit Zapfhahn, doch bei näherem Hinschauen wirkt das zerklüftete Holz wie ein Fels, vielleicht sogar wie ein sitzender Löwe.

Ein bekanntes Gesicht in der Rödinger Galerie ist die Malerin Ada Blochwitz, die in Kaarst wohnt und arbeitet und bereits zum sechsten Mal ausstellt. Die in Mischtechnik gemalten Bilder auf Leinwand sind nicht vordergründig realistisch, nicht mit dem ersten Blick zu erfassen. Alles scheint verfremdet, täuschend, irritierend, hintergründig lauern Komik und Ironie. Ein Beispiel sind „Männer in Booten“. Bis auf die Gesichter und Hüte der steif in ihren Booten stehenden beiden Männer ist die Szenerie in Unschärfe dargestellt. Boote, Meer und Kleidung scheinen ineinander zu verschwimmen, man sucht nach einem Fixpunkt, findet keinen und bleibt überrascht von der einander abgewandten Blickrichtung zurück mit der Frage: Was ist denn mit diesen Typen los? Der Betrachter scheint aufgefordert, sich seine eigene Geschichte zu schaffen.

Die Ausstellung ist auch am 15. und 16. August, jeweils von 15 bis 19 Uhr, zu sehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert