Soll Jülich zurück zum alten Städtepartner?

Von: Volker Uerlings
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Stimmt gar nicht: Die Städtepartnerschaft Jülich-Haubourdin wurde „für beendet“ erklärt, die Schilder stehen immer noch. Foto: Jansen

Jülich. Die deutsch-französische Städtepartnerschaft zwischen Jülich und Haubourdin wurde nie formell beendet, aber vor gut vier Jahren im Rathaus der Herzogstadt praktisch zu den Akten gelegt. Begründung: Es fehlten die Menschen und Institutionen, die diese Freundschaft mit Leben füllen.

Allerdings wurden auch die geringen Geldmittel von 1000 bis 2000 Euro pro Jahr aus dem Haushalt gestrichen, die es bis dato gegeben hatte. Im Stadtrat flammte nun die Diskussion über die Beziehung zu der nordfranzösischen Gemeinde in der Nähe von Lille wieder auf.

Die SPD hatte die „Wiederaufnahme“ beantragt. Die Verwaltung solle in Haubourdin das Interesse daran prüfen. Fraktionschef Harald Garding bezeichnete „das Auslaufen der Partnerschaft in der Rückschau als Fehler“. Einige Verbindungen zwischen Personen und Vereinen seien nie abgerissen. Die Sozialdemokraten erhofften sich „ein klares politisches Signal“ für ihren Vorstoß von allen Rats­parteien. Nach einer zähen Diskussion gab es genau das nicht. Einig war sich der Rat nur in der Tatsache, dass er sich einen (oder mehrere) Städtepartner wünscht. Nur: mit wem?

Während Grüne, FDP und der Bürgermeister den SPD-Antrag unterstützten, wurde er von CDU- und Jül-Fraktion kritischer betrachtet. Unions-Fraktionschef Peter Capellmann: „Vielleicht ist Haubourdin aus strukturellen Gründen nicht der ideale Partner. Wir sollten uns umsehen, ob es nicht andere gibt.“ Schließlich gebe es Gründe dafür, dass die Partnerschaft nicht mehr lebe.

Jül-Fraktionsvorsitzender Heinz Frey räumte ein, dass sich Rat und Stadt mit dem Beschluss 2013 „nicht mit Ruhm bekleckert haben“. Eine neue Verbindung – auch zu einer anderen internationalen Kommune – ist für ihn allerdings heute nur sinnvoll, wenn „wir in Jülich Geld und Leute finden“, die auch hinter dem Projekt stehen.

Bürgermeister Axel Fuchs erklärte seine Bereitschaft, sich persönlich einzubringen und sieht die Sache grundsätzlich so: „Man bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn man forscht, ob diese Partnerschaft Sinn macht.“ Allein die Nachfrage in der nordfranzösischen Gemeinde aber war für einige Stadtverordnete schon eine peinliche Vorstellung.

Nach einem ausgiebigen Meinungsaustausch lagen mehrere Vorschläge und Anträge auf dem Tisch: Wiederaufnahme; Prüfung, ob die Franzosen noch wollen; Prüfung, ob es in Jülich Interesse gibt; Prüfung, zu wem alternativ Beziehungen aufgenommen werden könnten; Auswertung, welche Partnerschaften Jülicher Schulen und Vereine pflegen. Damit war absehbar, dass es an diesem Abend keine Lösung geben würde, mit der alle Fraktionen leben konnten. Marco Emunds (SPD): „Eine knappe Mehrheit wäre peinlich.“ Und mit Blick auf Haubourdin befand der Bürgermeister: „Wir müssen ein eindeutiges Votum haben, sonst brauchen wir den Weg gar nicht erst einschlagen.“

Axel Fuchs zog die Reißleine und lud die Ratsparteispitzen zu einem Gespräch ein, um über das Thema noch einmal zu reden und in der Stadtratssitzung am 22. Februar eine Entscheidung zu treffen. Das war mehrheitsfähig.

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