So wird Jülichs neues Kreishaus aussehen

Von: Volker Uerlings
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Die Rathaus-Passage mit Parkdeck auf dem früheren Stüssgen-Grundstück wird im Herbst abgerissen. An diese Stelle kommt der Anbau an das Alte Rathaus. Alt- und Neubau bilden das Kreishaus Jülich. Foto: Uerlings
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Die Ansicht von der Düsseldorfer Straße: Das unter Denkmalschutz stehende Alte Rathaus bekommt einen Anbau, der die Dachform und -höhe sowie die Fensteranordnung des historischen Vorbilds aufgreift und optisch einen Gebäudeblock entstehen lässt. Genau das ist eines der Kennzeichen der Bebauung in Jülich seit der Renaissance. Zeichnung: Assmann GmbH

Jülicher Land. Bei einem Supermarkt wäre das ein „Vollsortimenter“: Der Kreis Düren wird in seiner Geschäftsstelle Jülich spätestens ab 2019 all seine Dienstleistungen anbieten. Das hat der Kreistag beschlossen, der die vom Landrat vorgelegte Verteilung der Ämter und Fachbereiche sowie ein Gesamtflächenkonzept abgesegnet hat.

„Kein Jülicher muss theoretisch mehr nach Düren fahren“, bringt Wolfgang Spelthahn auf eine kurze Formel, was für den gesamten Nordkreis gilt. Nach 46 Jahren werden die Wege zum Straßenverkehrsamt, zum Jugendamt, zur Ausländerbehörde oder zur Schulaufsicht wieder kurz. Und Jülich darf sich wieder ein bisschen wie eine Kreisstadt fühlen.

Grundlegend hierfür ist, dass die konkrete Planung des Anbaus an das Alte Rathaus, das der Kreis bekanntlich gekauft hat, ohne Einsprüche Dritter und ohne Beanstandungen durch die Stadt selbst durchgegangen ist. Das war beim ersten Entwurf, der allerdings eher eine „Machbarkeitsstudie“ darstellte, anders. Bestimmte Denkmalschutzauflagen wurden nicht 100-prozentig erfüllt, die für den geschützten Renaissance-Grundriss Jülichs gelten.

Jetzt ist der Anbau so konzipiert, dass die Traufhöhen der benachbarten Dächer – Altes Rathaus und neuer Anbau – identisch sind, die Fenster auf einer Flucht liegen und in Gänze von einem geschlossenen städtebaulichen Block an der Ecke Düsseldorfer Straße / Kapuzinerstraße gesprochen werden kann. Die prägnante Farbe des Rathauses greift der Neubau in einem Streifen über dem Erdgeschoss auf (siehe Zeichnung).

In das Parterre des viergeschossigen Anbaus ziehen einige Shops ein, die das Straßenverkehrsamt flankieren, also vom Versicherungsbüro bis zum Kennzeichen-Präger. Der Neubau enthält ein lichtdurchflutetes Atrium mit einer Gastronomie. Im heutigen Straßenverkehrsamt in Düren ist das ein Imbiss. „Wir müssen noch schauen, was möglich ist, aber es ist denkbar, dass es in Jülich eine abgespeckte Version einer Fastfood-Kette wird“, erklärte Landrat Wolfgang Spelthahn beim Redaktionsgespräch in Jülich. Abgespeckt deshalb, weil an diesem Standort natürlich kein Drive-in-Schalter realisierbar ist.

„Wir haben jetzt einen zu 100 Prozent mit der Stadt Jülich abgestimmten Plan“, sagt Spelthahn weiter. Ende Mai habe es auf der Basis der veränderten Bauplanung ein ausführliches Gespräch beim Bürgermeister gegeben. Von Seiten der Stadt gebe es keine Einwände, im Bebauungsplanverfahren gab es auch keine. Die Mietwohnung oben im Alten Rathaus sei geräumt. Von daher wird es wohl im Herbst losgehen. „Ich rechne damit, dass im Oktober oder November mit den Abrissarbeiten begonnen wird“, informiert der Landrat, denn dem Neubau muss die Rathaus-Passage mit ihrer Rampe und dem Parkdeck weichen.

Eingebunden in diese Abrissarbeiten ist laut Wolfgang Spelthahn ein Fachbüro für Archäologie- und Bodendenkmalpflege, denn der Jülicher Boden ist bekanntlich geschichtsträchtig. „Die Fachleute begleiten den Abriss. Und wenn von deren Seite keine Bedenken geäußert werden, soll unmittelbar anschließend der Neubau starten. Unser Ziel ist es, dass bis Ende 2018 alles fertig wird.“

Hunderte Besucher täglich

Schon jetzt befindet sich die Jobcom für den Nordkreis im Alten Rathaus. In Summe rechnet die Kreisverwaltung, dass ihre künftige Geschäftsstelle Jülich täglich von mehreren hundert Menschen aufgesucht wird. Das ist dann zweifelsfrei ein Impuls für eine Jülicher „Problemzone“, denn die Kundenfrequenzen in der Düsseldorfer Straße und auch am Markt schwächeln seit Jahren.

Erfahrungen mit einer Dependance in Jülich hat nun schon viele Monate das Kreisjugendamt, das Räume in der Galeria Juliacum gemietet hat und nach Fertigstellung des Neubaus dorthin ziehen wird.

Schon jetzt sei klar, dass der Standort Jülich „für das Jugendamt ein Riesengewinn ist, weil sich die Fahrten zu den Hilfebedürftigen verkürzen und auch der Aufwand insgesamt geringer ist“, fasst Spelthahn die Rückmeldungen aus dem Amt zusammen.

Knapp 120 Frauen und Männer werden ab 2019 in der Kreishaus-Geschäftsstelle Jülich arbeiten. „Das Interesse war groß, wir haben bevorzugt Mitarbeiter aus dem Nordkreis angesprochen. Es gab genug Freiwillige, die hier arbeiten wollen“, sagt der Kreishaus-Chef. Der Plan ist in Gänze einer, der die Wege verkürzt – für Beschäftigte, aber vor allem für die Bürger aus Titz, Linnich, Aldenhoven, Teilen von Niederzier und Inden sowie natürlich Jülich selbst. Wolfgang Spelthahn nennt das „ein Gewinnermodell“.

Natürlich wird diese letzte große Baulücke im historischen Grundriss der Stadt über rund 15 Monate auch Verkehrsbeeinträchtigungen zur Folge haben. Derzeit arbeiten Kreis und Stadt laut Landrat an einer Verkehrssimulation. Ihre Ergebnisse sind maßgeblich dafür, wie die Großbaustelle geplant wird, ob und welche Sperrungen sie in welchen Zeiträumen zur Folge hat. „Oberstes Ziel hierbei ist, die Erreichbarkeit der Innenstadt zu gewährleisten“, nennt Spelthahn die Prämisse.

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