Sitzungskarneval: Raucherpausen stören den Ablauf

Von: hfs.
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Rauchverbot in Festzelten oder Bürgerhallen: Dann bleiben drinnen Plätze leer. Foto: imago/Ralph Peters
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Raucher der vor Gemeindehalle Gevenich. Foto: Kròl

Jülich. Seit genau acht Monaten gilt ein absolutes Rauchverbot – in Kneipen, Restaurants, in Schützenfestzelten und auf Karnevalssitzungen. Raucher, die auf ihren Glimmstängel nicht verzichten wollen, legen daher „Qualmpausen“ vor den Festzelten und Bürgerhallen ein.

Das aber stört vielerorts den Ablauf der Veranstaltungen. Wenn beim Festkommers oder bei Büttenreden das Wort ergriffen wird, ergreifen die Raucher die Flucht und gehen in die mittlerweile schon fast überall aufgestellten „Raucherzelte“.

„Damit kommen wir wirklich dem Wunsch derjenigen nach, die während der Veranstaltung zur Zigarette greifen“,sagt der Geschäftsführer eines Veranstalters, der nicht namentlich genannt werden will. Er zählt „aus reinem Interesse“ die Zahl derer, die in dem kleinen Zelt rauchen und klönen. „Man hat uns, wenn man so will, unter Druck gesetzt. Nach dem Motto „Zelt für uns Raucher, oder wir kommen nicht“, verrät er. Bei der Zahl 80 angekommen, geht er ins Zelt zurück. „Dies sind 80 Leute, die vor dem Rauchverbot im Zelt saßen, getrunken und für den Umsatz gesorgt haben.“

Leere Plätze

Dass deren Plätze während der Rauchpausen leer bleiben, ist ein weiteres Ärgernis, mit dem sich der Veranstalter auseinandersetzen muss. „Denn was ist dies für ein Bild?“ Ein Bild, an dem man sich in den letzten Monaten gewöhnen musste. Auf Karnevalssitzungen, sind es oft die Büttenredner, die der von der „Raucherflucht“ betroffen sind. „Und gerade die kosten viel Geld“, ärgern sich die Literaten. „Es ist die erste Session, bei der wir von dem absoluten Rauchverbot betroffen sind. Jetzt müssen wir einfach einmal abwarten, Er fahrung sammeln.“ Das sagt Jürgen Vent, Vorsitzender und Literat der KG Maiblömche aus Lich-Steinstraß. Dass man sich mit dem Nichtrauchergesetz eingehend befassen, dem auch Rechnung tragen muss, dies unterstreicht er.

„Wir werden auf jeden Fall draußen ein paar Stehtische aufstellen, dazu Schirme platzieren. Da können sich dann die Raucher aufhalten.“ Natürlich, so räumt Vent ein, habe man auch daran gedacht, kleine Partyzelte aufzustellen.

Sicherheitsgründe

„Aber aus Sicherheitsgründen geht dies bei uns nicht, man muss einen gewissen Abstand einhalten“, erläutert der Maiblömche-Vorsitzende. Auch gibt es die Auflage, „dass die Partyzelte als Unterstand für Raucher nach drei Seiten offen sein und zudem eine bestimmte Höhe haben müssen“ – im Prinzip also „nur ein Dach über den Kopf“ bilden.

Dass der Umsatz an der Theke zurückgeht, dies kann sich Jürgen Vent nicht vorstellen. „Wie gesagt, wir müssen noch Erfahrungen sammeln. Aber ich könnte mir vorstellen, dass sich Raucher bei angenehmeren Temperaturen draußen länger aufhalten als jetzt“, sagt er.

Von deutlichen Umsatzeinbußen, vor allen Dingen in Kneipen, spricht allerdings der Hotel- und Gaststättenverband NRW. „Der Schrecken über die Einführung des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie hat auch nach acht Monaten, vor allen Dingen in Kneipen und Bars, noch kein Ende gefunden“, verweist Klaus Hübenthal, Hauptgeschäftsführer des Dehoga NRW, auf eine interne Umfrage hin. Danach haben 81 Prozent von insgesamt 1100 befragten Gastronomen über Umsatzeinbußen geklagt, über die Hälfte sprach von über 30 Prozent. „Das Hauptproblem in Betrieben mit einem hohen Raucheranteil ist, dass mehr draußen gestanden als drinnen getrunken wird“, betont Hübenthal.

Der Verband hofft, dass nach der Überprüfung des rigorosen Rauchverbots in NRW – das zuständige Gesundheitsministerium in Düsseldorf hat bei der Gesetzesnovellierung zugesagt, dass nach zwölf Monaten eine Evaluierung des Nichtraucherschutzgesetzes durchgeführt wird – dann auch die wirtschaftlichen Aspekte der Betriebe und die Interessen der rauchenden Gäste eine Rolle spielen. Seit dem 1. Mai 2013 gilt in NRW ein totales Rauchverbot, auch bei Brauchtumsveranstaltungen. Rauchergaststätten, Raucherclubs und Raucherräume sind auch nicht mehr möglich. Nicht so in den Ländern Baden-Württemberg, Berlin und Sachsen, wo es Ausnahmeregelungen gibt.

Ob solche aber in der nächsten Session in NRW und damit im Jülicher Land „greifen“, dies muss bezweifelt werden. „Man muss sich als Veranstalter mit den Rauchern arrangieren“, meint denn auch Jürgen Vent. Getreu dem kölschen Motto „levve un levve loße.“

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