Silvester an der Rur ganz international

Von: Nicola Gottfroh
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Kulturübergreifend in Jülich zum Jahreswechsel: Böller und Feuerwerk. Foto: Imago/Imagebroker

Jülich. Überall knallen um Mitternacht die Sektkorken, und Feuerwerksraketen schießen in den Himmel. Mit viel Krach wird das neue Jahr begrüßt und das Jahr 2010 - mit all seinen schönen und traurigen Ereignissen - verabschiedet.

Und natürlich dürfen dabei Traditionen und Bräuche nicht fehlen. Von denen kommen allerdings Jahr für Jahr mehr hinzu. Immer häufiger schwappen Bräuche aus aller Welt in die Herzogstadt über - schließlich ist auch das kleine Jülich ganz international.

Von einer chinesischen bis zur russischen Gemeinschaft haben laut Demografiebericht 2982 Menschen aus 104 Ländern und anderen Kulturkreisen an der Rur eine neue Heimat gefunden und ihre Traditionen mitgebracht (Stand 2009). Das Silvesterfest in der Region wird auch deshalb nicht mehr so gefeiert wie vor 80 Jahren, als der Jahreswechsel mit großen Bällen oder einem Kirchgang begangen wurde.

Eine Jülicher Tradition ist sogar völlig in Vergessenheit geraten. „In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gingen die Kinder am Neujahrstag zu Großeltern und Paten und ergatterten so mit dem flotten Sprüchlein âJlöcksellisch Neujjohr! Dä Kopp voll Hoor, dä Mull voll Zäng - de Bretzel en dä Häng!Ô eine süße Bretzel”, hat Eberhard Graffmann, stellvertretender Vorsitzender des Jülicher Geschichtsvereins, herausgefunden.

Auch wenn am Neujahrstag 2011 die obligatorischen süßen Bretzeln noch immer dazugehören, kommen sie nun vom Bäcker und sind für die ganze Familie gedacht. Typisch für den Jahreswechsel in Jülich sind dagegen auch noch Jahrzehnte später große Partys oder Feiern daheim. Insbesondere bei letzteren spielen die Bräuche eine besondere Rolle. Das Verschenken von Glückspfennigen, Kleeblättern und Marzipanschweinchen darf selten fehlen. Auch das Bleigießen gehört noch bei vielen fest ins Silvesterrepertoire. Und Fernsehsendungen wie „Dinner for One” oder der „Silvesterpunsch” des „Ekels Alfred” haben Kultstatus erreicht.

Die Frauen und Männer aus China, die im Jülicher Land leben, studieren und arbeiten, begehen Silvester eher ruhig mit einem Abendessen im Kreise der Familie oder mit Freunden. Größer wird dafür das chinesische Neujahrsfest, das Frühlingsfest, das nach dem Mondkalender gefeiert, wird. „Das Neujahrsfest ist der größte Feiertag in China. In dieser Zeit steht in China für mindestens eine Woche alles still”, sagt Jinfang Xu, vom chinesischen Kulturverein Jülich. Beim Frühlingsfest werden unzählige Feuerwerksraketen gezündet. Das geschieht am 31. Dezember in China eher selten. Trotzdem sitzt man am Silvestertag mit Freunden zusammen und isst traditionell Karpfen und trinkt Reiswein. Später stehen Gesellschafts- und Kartenspiele auf dem Programm, oder man singt Karaoke. So werden es auch viele chinesische Bürger in der Region den Abend verbringen. Während es bei ihnen eher still zugeht, ist die russische Gemeinschaft daran gewöhnt, rauschende Feste zu feiern.

„Bei uns wird Silvester viel größer gefeiert als Weihnachten”, erklärt Elena Wyrwich vom deutsch-russischischen Verein Wurzeln. „Russisches Silvester ist ein richtiges Spektakel mit Musik und Tanz und Essen”, sagt sie. Und entgegen aller Vermutungen stoßen die Russen nicht mit Vodka, sondern mit Sekt an. Und sogar Geschenke gibt es - vor allem für Kinder und gute Freunde, verrät Wyrwich. „Das kommt vor allem daher, dass man in Russland das Weihnachtsfest nur sehr klein feiert”, sagt sie. Auf den Tisch kommt bei der russischen Gemeinschaft meist „Russischer Salat”, der mit einem deutschen Kartoffelsalat vergleichbar sei. Und anstelle des Bleigießens setzten die Russen auf das Brotorakel. Elena Wyrwich: „Wir backen kleine Figuren in die Mitte unserer Brötchen ein. Diese Symbole sagen die Zukunft voraus.” So steht demjenigen, der einen Ring findet, eine Heirat bevor.

Auch viele Mitbürger aus der Türkei und anderen muslimischen Ländern feiern den Jahreswechsel in Jülich - natürlich meist ohne oder mit nur wenig Sekt, wie Rahmi Demirta vom türkisch-islamischen Kulturverein Aldenhoven. „Dafür wird an diesem Tag gut gegessen.” Natürlich verzichten die türkischen Familien nicht auf das Feuerwerk - sondern lassen es wie die Deutschen ordentlich knallen. Da ist der Funke der Integration übergesprungen.
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