Siersdorf - Siersdorfer Kommende: Schnelle Trennung nach 440 Jahren

Siersdorfer Kommende: Schnelle Trennung nach 440 Jahren

Von: Guido Jansen
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Der Turm, der nicht wackelt, aber sinkt: Der Westturm sieht jetzt zwar immer noch so aus, als sei er fest mit dem Zentralbau verbunden. Der Schein trügt aber. Seit der vergangenen Woche ist der Turm abgetrennt. Foto: Guido Jansen
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Das Seil bei der Arbeit: Auf einer Schnittfläche von fast 25 Metern hat das mit Diamanten besetzte Seil den Turm vom Haupthaus getrennt. Foto: Guido Jansen
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Da verläuft der Schnitt, den das diamantbesetzte Seil in das Gemäuer gefressen hat. Foto: Guido Jansen

Siersdorf. Die Trennung ist vollzogen. 440 Jahren haben das Herrenhaus der Siersdorfer Kommende und der Westturm gemeinsam, quasi Stein an Stein, den Herausforderungen der Zeit standgehalten. Jetzt sind sie getrennt. Es war besser für beide.

Denn der Westturm des Herrenhauses war ins Rutschen geraten. Ganz langsam sinkt er in die Tiefe, erst über die Jahre wird das sichtbar. Trotzdem hat der sinkende Turm schon Schäden am Gemäuer der Ruine des Herrenhauses hinterlassen.

Deswegen hat sich der Förderverein Kommende Siersdorf entschlossen, die beiden zu trennen. 30.000 Euro hat der Sägeakt gekostet, die Vorbereitungen waren nochmal so teuer. „Wir hatten zu Beginn noch Schlimmeres erwartet“, sagt Guido von Büren, der Vorsitzende des Fördervereins, der den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Gebäudes ­vorantreibt.

Tektonische Störzone

„Das Gemäuer der Kommende hätte sonst noch mehr Schaden nehmen können“, sagt von Büren weiter über die Notwendigkeit. Warum der Turm sinkt, ist unklar. Ob das ehemalige Steinkohlebergwerk der Zeche Emil Mayrisch, das sich in Sichtweite des Herrenhauses befindet, damit zu tun hat, dazu kann von Büren nach eigener Aussage nichts sagen. „Das wären alles wilde Spekulation.“ Als gesichert gilt, dass unter dem Herrenhaus eine tektonische Störzone verläuft.

Der Akt der Trennung passierte mit einem ungewöhnlichen Sägevorgang, der selbst für ein Spezialunternehmen nicht alltäglich war. „Wir durchtrennen Stahlbeton und Schiffe, sogar Berge“, sagt Geschäftsführer Frank Zibler. Aber so ein altes Gemäuer kommt ihnen selten unter die Säge. Funktioniert hat es trotzdem. Die Mitarbeiter haben – sehr vereinfacht gesprochen – ein Lasso um die abzutrennende Etage des Turms geworfen.

Das Lasso besteht aus einem mit Diamanten besetzten Seil, das dann rotiert und sich immer tiefer in das Gemäuer hineinfrisst. Vor gut einer Woche war es dann so weit, die Trennung war vollzogen. Und sie war notwendig. Die Mitarbeiter berichteten von Knack-Geräuschen, die deutlich gemacht hätten, dass das unmerklich ablaufende Absinken dafür gesorgt hätte, dass die Spannung hörbar wurde.

Wichtigster Teil der Vorarbeiten war das Einlassen eines Ringankers in das Kellergewölbe des Herrenhauses. Bisher hatte der Turm als integraler Bestandteil des Gebäudes für Stabilität gesorgt. Das geschieht jetzt mit Hilfe des Ringankers.

Jetzt, nach der erfolgreich vollzogenen Trennung, kann der Westturm in Ruhe weiter absinken. Eine Gefahr, dass er jetzt nicht mehr standfest ist, besteht nicht. Das Fundament sichere den Turm alleine mit seinem Gewicht.

Fernziel 2019

Wie tief der Turm nach der Trennung abrutscht, weiß niemand. Und es dauert Jahre, bis der Schaden sichtbar wird. „In den vergangenen 50 Jahren ist der Turm etwa zehn bis zwölf Zentimeter tief gesunken. Wie das weitergeht, wissen wir nicht“, schildert von Büren. Die weiteren Pläne des Fördervereins kennt er dafür um so besser. Jetzt soll das Sichern der Fassade weitergehen, das wegen der Sägeaktion unterbrochen werden musste.

Am Fernziel hält der Förderverein fest: 2019, wenn sich die Schenkung der Kommende – der Jülicher Graf Wilhelm III. hatte die Kommende 1219 an den Deutschen Orden gegeben – zum 800. Mal jährt, soll die Ruine quasi trittsicher und damit für Besucher begehbar sein.

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