Sieben Fälle von „Amok-Alarm” erhärten sich nicht

Von: Jörg Abels
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Fahne auf Halbmast: Wie hier am Jülicher Mädchengymnasium löste der Amoklauf von Winnigen neben tiefer Betroffenheit Trauerbeflaggung an allen öffentlichen Gebäuden aus. Foto: Wolters

Kreis Düren. Der verheerende Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten wirft viele Fragen auf. Die wohl eindringlichste: Kann man sich vor solchen Amokläufen schützen? „Wir können das Risiko minimieren, letztendlich verhindern können wir sie nicht”, lautet die nüchterne, aber wohl realistische Antwort von Dürens Polizeisprecher Willi Jörres.

Nach dem Amoklauf im westfälischen Emsdetten im November 2006 - damals überfiel ein 18-Jähriger mit Gewehren, Sprengfallen und Rauchbomben seine frühere Schule, verletzte 37 Menschen, ehe er sich selbst erschoss, - wurde landesweit die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Polizei intensiviert.

Neben den drei Jugendstraßenpolizisten, die im Kreis Düren schon früher in den Schulen regelmäßig das Gespräch suchten, versuchen auch die Bezirksbeamten Lehrer und Schüler für etwaige Gefahrenpotenziale zu sensibilisieren. „Schon beim kleinsten Verdacht werden wir tätig”, spricht Jörres von einer ganz niedrigen Einstiegsschwelle. „Beispielsweise wenn ein Schüler eine schlechte Note erhalten hat und dann sagt, das zahle ich denen heim.”

„Weiter wachsam bleiben”

Sieben solcher Prüffälle gab es 2008 im Kreis Düren, in denen die Polizei nach einem kleinmaschigen Raster umgehend nach weiteren Ansatzpunkten für eine mögliche Tat suchte. In keinem der sieben Fälle jedoch erhärtete sich der Verdacht. „Wir können trotzdem jeden nur auffordern, weiter wachsam zu bleiben”, appelliert Jörres, Auffälligkeiten zu melden, dem Klassen- oder Vertrauenslehrer oder direkt der Polizei.

Unter dem Eindruck von Emsdetten wurden aber noch weitere Maßnahmen getroffen. Seitdem verfügen auch im Kreis Düren alle Schulen über einen sogenannten „Amok-Plan”. „Er hängt bei uns in jedem Klassenzimmer”, berichtet Dr. Karl Wolff, Leiter des Berufskollegs Kaufmännische Schulen, „und enthält Telefonnummern aller wichtigen Ansprechpartner, von Polizei über Feuerwehr bis zum Notfallseelsorger, einen genauen Lageplan der Schule mit den Fluchtwegen und detaillierte Handlungsanweisungen für Lehrer und Schüler, die mit einem speziellen Klingelton über eine Gefahrensituation informiert werden.”

Wolff ist überzeugt, „unsere Lehrer wissen genau, wie sich sich im Notfall zu verhalten haben.” Im Gegenzug liegen auch der Polizei von jeder Schule detaillierte Objektpläne vor, damit sie im Einsatzfall weiß, wo sie gezielt ansetzen kann, erklärt Dürens Schulamtsleiter Dirk Keimes.
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