Koslar - Sicherheitstraining auf dem Verkehrsübungsplatz in Koslar

Sicherheitstraining auf dem Verkehrsübungsplatz in Koslar

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
5354971.jpg
Überprüfung der inneren Sicherheit: Polizeioberkommissar Ralf Broichgans klärt die interessierten Teilnehmer gewissenhaft über die Einstellung von Kopfstützen, Rückenlehne und Sicherheitsgurten auf. Foto: Jagodzinska
5301752.jpg
Beim Pkw-Sicherheitstraining auf dem Verkehrsübungsplatz in Koslar testen zwölf Teilnehmer eigene Grenzen aus.

Koslar. „Diese Option solltet ihr mal kennengelernt haben. Man ruft später nur Handlungsalternativen ab, die man ausprobiert hat.“ Dies betonte Polizeioberkommissar Ralf Broichgans, der gemeinsam mit Ehefrau Sonja, Fahrsicherheitstrainerin bei der Jülicher Verkehrswacht, einen Grundkurs im Pkw-Sicherheitstraining auf dem Verkehrsübungsplatz in Koslar leitete.

Zwölf Teilnehmer, darunter elf von der Berufsgenossenschaft bezuschusst, fanden sich bei winterlichen vier Grad Celsius im Nieselregen mit ihren eigenen Pkw auf dem Platz ein, einige waren „Wiederholungstäter“.

Im „Kontrollraum“ unter fachlicher Anleitung galt es, vor allem eigene Grenzen auszutesten. Denn fast 90 Prozent der Unfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen, sei es durch Selbstüberschätzung, falsches Beurteilen einer Situation oder verspätete Reaktionen.

Alle Teilnehmerfahrzeuge verfügten über ABS, einige waren allerdings schon mit Sommerreifen ausgestattet, getreu dem Motto „Winterreifen von Oktober bis Ostern“. Weil Sommerreifen aber „unter acht Grad ihre Funktion verlieren“, sollte man bei Umrüstungserwägungen die Wetterbedingungen nicht außer Acht lassen.

Morgendliche Vorstellrunde

Wichtig für einen solchen Trainingstag ist die morgendliche Vorstellungsrunde mit Erwartungsabfrage. Welche Erfahrungen haben die Teilnehmer gemacht? Gab es Unfälle? Denn: „Nur in Begleitung sollten traumatische Situationen aufgearbeitet werden.“ Vor dem Gasgeben im eigenen Pkw galt es, die „innere Sicherheit im Fahrzeug zu überprüfen, nicht jeder ist ein Norm-Europäer“. Wie sind Kopfstützen und Rückenlehnen eingestellt? Verläuft der Sicherheitsgurt möglichst stramm über Becken und Schultermitte nach hinten, gibt es lose Gegenstände im Fahrzeug? Schnell ist etwa der Nackenwirbel überdehnt, deshalb sollte die „Kopfstütze mit dem Kopf oben abschließen, die Rückenlehne leicht nach hinten geneigt sein“.

Mit einer Grenzbereichserfahrung im wiederholten Slalomparcours wurde es im Anschluss „schön lustig“, wie ein junger Teilnehmer es ausdrückte. Frei von Geschwindigkeitsbeschränkungen durften die Fahrer etwa Lastwechselreaktionen ihres Fahrzeugs beim Gasgeben oder -wegnehmen austesten. Deutlich war das Radieren der Reifen auf dem Boden zu hören. Wird etwa beim Gaswegnehmen die Hinterachse entlastet, kann das Heck zur Kurven-äußeren Seite ausbrechen. Fazit: „Je weniger Lastwechsel, desto einfacher ist das Einlenken. Mit Bremsen werden einige Dinge schlimmer.“

Eine andere Erfahrung war auch: „Es ist kein Übergreifen mehr nötig, wenn ich näher an die Pylonen heranfahre, weil weniger seitliche Fliehkräfte auf das Fahrzeug übertragen werden“.

Die meiste Fahrarbeit beim Slalom hatte naturgemäß der Fahrer eines Jeeps mit langem Radabstand. Weitere Stichpunkte waren vorausschauendes Fahren und die Blickführung: „Da, wo ich hinschaue, fahre ich auch hin, also den Blick lösen vom Hindernis“. Interessant war auch das Thema Notbremsung, begonnen mit 30 km/h, gesteigert auf 50 und 70 km/h und schließlich ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.

„Bremsen, bis sich unter Ihnen nichts mehr bewegt“ und „Richtet euren Blick weit nach vorne“, lauteten Broichgans‘ Aufgabenstellungen. Ließ er ein Markierungshütchen fallen, diente das dem Fahrer als Zeichen, voll auf die Bremse und die Kupplung zu treten. Wie viele Kilos werden überhaupt bei der Notbremsung bewegt? Ohne Bremsassistent sind es laut Broichgans 50 bis 60. Beim Notbremsen nach 70 Stundenkilometern Geschwindigkeit sah man je nach Fahrzeugmarke pulsierendes Bremslicht und die automatisch eingeschaltete Warnblinkanlage.

„Ein Vorteil ist, dass wir hier nicht in Sektionen arbeiten, wir haben den ganzen Tag Zeit“, betonte Sonja Broichgans Aspekte des Teilnehmer- und Praxis-orientierten Trainingsangebots. So war die mündliche Nachbearbeitung fahrphysikalischer Grenzen ein wichtiger Punkt. Thema waren auch technische Fahrassistenzsysteme wie ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm) und ASR (Anti-Schlupf-Regelung). In Ersterem vergleicht ein Computer permanent das tatsächliche Verhalten des Wagens mit vorgegebenen Soll-Werten. Letzteres verhindert das Durchdrehen der Räder auf unterschiedlich griffigen Belägen, was später auf verschiedenen Fahrbahnbelägen getestet werden konnte. Diese waren griffig, ganz glatt oder im „mu-split“ halb griffig und halb glatt.

Genässte Epoxidharzböden

Als spannend erwies sich auch die Simulation einer fest gefahrenen Schneedecke mit Eisanteil auf genässten Epoxidharzböden. Dass doppelte Geschwindigkeit vierfache Fliehkraft bedeutet, erlebten die Teilnehmer am Nachmittag eindrucksvoll in einer Kreisbahn, deren Außenradius exakt einer Autobahnteilstrecke im Aachener Zentrum entspricht. Resümee des Tages: „Perfekt“, da waren sich Teilnehmer und Trainer einig. „Immer wieder neue Teilnehmer mit neuen Fragen machen die Kurse immer wieder interessant“, formulierte Sonja Broichgans den Anreiz aus Trainersicht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert