Sicherheitsauflagen: Jülicher Sportvereine sauer

Von: Volker Uerlings
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Volle Hütte in der Nordhalle – wie hier bei TTC-Heimspielen gegen Düsseldorf, aber auch großen Hallenfußballturnieren: Das war früher für die Veranstalter die reine Freude. Heute sorgt das in der Stadt Jülich für einen höheren Verwaltungsaufwand, der viele Vereine und den Stadtsportverband stört. Foto: Kròl

Jülich. Die Irritationen sind groß. David Wirtz, Vorsitzender des Stadtsportverbandes Jülich (SSVJ), spricht von einem „leidigen Thema“, das „verschleppt“ werde. Nachdem sich unter anderem der Jazzclub Jülich über verschärfte Sicherheitsbedingungen und den „Amtsschimmel“ bei Veranstaltungen in Jülich öffentlich beschwert hat, äußert auch der Dachverband der Sportvereine sein Befremden über die neue Sicherheitslinie der Stadt.

Das bezieht sich vor allem auf größere Hallensportereignisse mit mehr als 200 Besuchern, die doch von einigen Klubs einmal im Jahr organisiert werden und inzwischen eine sogenannte „Aufsicht führende Person“ erfordern, deren Notwendigkeit der Stadtsportverband nicht sehen kann. Er fühlt sich durch ein Schreiben des Landesbauministeriums bestätigt, auf das die Stadtverwaltung aber bislang nicht reagiert habe.

Das Problem scheint in der unterschiedlichen Auslegung einer Vorschrift begründet: Die Sonderbauverordnung des Landes schreibt vor, dass „qualifiziertes Personal“ vorhanden sein muss, wenn „bühnen-, studio- und beleuchtungstechnische Einrichtungen aufgebaut wurden oder entsprechende Hallentechnik vorhanden ist“. Die Anfrage des SSVJ hat das Landesbauministerium eindeutig beantwortet: „In Versammlungsstätten, in denen die technischen Einrichtungen nicht aufgebaut oder verwendet werden, ist entsprechend qualifiziertes Personal (...) nicht vorgeschrieben“, heißt es in einem Brief vom 19. Juni.

Die Frage ist nun: Gibt es in den großen Jülicher Hallen entsprechende Aufbauten. Der Sportverband argumentiert: „Die Sonderbauverordnung würden wir im Interesse unserer Vereine so auslegen, dass die Aufsicht führende Person nur benötigt wird, wenn zusätzliche“ Technik oder Einrichtung betrieben werde. Der SSVJ argumentiert, dass es keine „zusätzliche Technik“ sein könne, wenn vorhandene Lautsprecheranlagen oder Steckdosen für eine Kaffeemaschine oder einen Würstchenwärmer benutzt würden.

Auch darüber wollten Stadtsportverband und Stadtverwaltung sprechen, aber aus dem gewünschten „schnellen Termin“ ist laut David Wirtz bislang nichts geworden. Die Auslegung betrifft die großen Sporthallen in Jülich und Veranstaltungen vom Heimspiel des TTC Indeland über die Hallenfußballkreismeisterschaften bis hin zum großen Judoturnier – kurz: alles, was mehr als 200 Besucher (und mitwirkende Sportler) zählt.

„Aufsicht führende Person“ ist übrigens nur, wer sich entsprechend hat ausbilden lassen. Ein Seminarangebot kostet etwa 360 Euro, wobei die Vereine gleich mehrere solcher „Personen“ benötigen, da die so zertifizierte Aufsicht während der gesamten Veranstaltung inklusive Auf- und Abbau anwesend sein muss. David Wirtz: „Das kann sich lange nicht jeder Verein leisten.“

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