Senkrechtstarter bei der „Knochenarbeit”

Von: Antonius Wolters
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So fing die „W.I.R.” 2009 an. Foto: Wolters

Titz. Der Name der neuen Wählergemeinschaft, die vor gut zwei Jahren in Titz aus der Taufe gehoben wurde, schien zunächst hoch trabend: „Wählerinnen und Wähler im Rat Titz” - kurz W.I.R..

Auch das Ziel der neuen politischen Gruppierung, die absolute Mehrheit der CDU, im Gemeinderat zu brechen, mag vielen vermessen vorgekommen sein nach dem Motto: Die sollen zunächst selber sehen, dass sie den Einzug in den Rat schaffen.

Sieben Monate Vorlauf zur Kommunalwahl 2009 mit intensivem Rühren der Werbetrommel reichten für die Überraschung in Nordrhein-Westfalen: Aus dem Stand schaffte die W.I.R. knapp 26 Prozent der Stimmen, was sieben Mandaten im Gemeinderat entspricht, und war damit hinter der CDU zweitstärkste politische Kraft in der Landgemeinde. Zudem schafften die Ratsnovizen auch ihr Ziel, die absolute Mehrheit der Union zu brechen.

Inzwischen ist die W.I.R. zu einer ganz normalen Partei geworden, Streitigkeiten inklusive. So kehrte Dieter Riemenschneider, Gründer und erster Vorsitzender, der politischen Gruppierung im Juni nach einem internen Richtungsstreit den Rücken, behielt aber sein Ratsmandat.

Gregor von Contzen, sein Nachfolger an der Parteispitze, ist inzwischen aus privaten Gründen ebenfalls zurückgetreten. Als kommissarischer Parteichef fungiert inzwischen der 2. Vorsitzende Stephan Maaßen, der mit Fraktionsvorsitzendem Detlef Cremer und Ratsherr Klaus Hüls im Gespräch mit unserer Zeitung über die politische Arbeit und Ziele der W.I.R. aufklärte.

„Ratsarbeit ist Knochenarbeit”, hat Stephan Maaßen in den vergangenen Monaten festgestellt, schließlich sei die Fraktion „bei Null gestartet”. Zu den Rats- und Ausschusssitzungen kommen nämlich noch jeden Monat ein bis zwei Fraktionssitzungen.

Auch Klaus Hüls hatte sich die Tätigkeit als Kommunalpolitiker „nicht so vorgestellt”, doch inzwischen haben sich die sechs verbliebenen Ratsmitglieder und fünf sachkundigen Bürger der W.I.R.-Fraktion, die laut Satzung gleichberechtigt mit den Ratsmitgliedern sind, im Gemeinderat und seinen Gremien eingelebt. Starthilfe gab es dafür von den befreundeten Wählergemeinschaften PKL in Linnich und UWG Jül in Jülich.

„Wir bemühen uns, Dinge zu lernen und Fragen zu stellen”, sieht Fraktionschef Cremer die Lehrjahre lange nicht erledigt. Stolz ist er auf das „öffentliche Lob von allen Fraktionen” für die Arbeit der W.I.R. im Rat.

Nach außen hat die Wählergemeinschaft das Image einer Gruppierung, die vor allem aus Zugezogenen besteht und vor allem Auswärtige in der Gemeinde anspricht. Ob das wirklich so ist, hat bislang noch niemand untersucht.

Tatsache ist aber, dass die beiden Direktmandate bei der Kommunalwahl vom zugezogenen Gregor von Contzen in einem Neubaugebiet und dem Titzer Urgestein Toni Schulz in Rödingen erobert wurden. Dass der Prinz in Opherten von der W.I.R. gestellt wird unterstreicht, dass die Wählergemeinschaft auch fest im Vereinsleben der Gemeinde integriert ist.

Eine große Rolle spielt seit Gründung die Öffentlichkeitsarbeit der W.I.R., die sich auch sehr für Transparenz einsetzt. So wurden 2010 insgesamt sechs W.I.R.-Treffen veranstaltet. Zudem wurden neun „Klartext”-Ausgaben in einer Auflage von 5000 Exemplaren an alle Haushalte verteilt.

Eine Erfolgsgeschichte ist und zur Kernkompetenz gehört die vereinseigene Geschwindigkeitsmessstation der W.I.R, die im gesamten Gemeindegebiet eingesetzt wird. „Es besteht die Tendenz, dass dort, wo die Tafel hängt, disziplinierter gefahren wird”, hat Detlef Cremer festgestellt. Das erklärt auch die Wartezeit bis zum Einsatz der Anlage von sechs bis sieben Monaten.

Bei politischen Themen möchten die Senkrechtstarter „Stachel im Fleisch sein”. Beim auch intern kontrovers diskutierten Thema Windkraftanlagen wurde eine Verdopplung des Mindestabstands zu Wohnhäusern von 600 auf 1200 Meter erreicht und eine Bürgerbefragung.

Aktuell brennt den W.I.R.-Politikern die fehlende Gewerbeansiedlung in der Gemeinde auf den Nägeln, deren Verkehrsanbindung bestens ist. „Sind Firmen vergrault worden?”, fragen sie.
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