Seltenheit: Kreuze im Gericht

Von: gep
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Jülich. In den beiden Verhandlungssälen des Amtsgerichtes Jülich hängt jeweils ein Kreuz. Doch kein einziger Verfahrensbeteiligter, so erinnern sich die dort derzeit tätigen Richter, hat jemals daran Anstoß genommen. Das sagt der neue Direktor des Amtsgerichtes, Rainer Harnacke, auf Anfrage.

Minderheit

Damit befindet das hiesige Gericht im landesweiten Vergleich in einer Minderheit. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Justizministeriums hängt lediglich in 50 bis 60 von insgesamt rund 1300 Gerichtssälen im gesamten Land ein Kruzifix. Sollte aber jemand in Jülich das Kreuz als störend empfinden, „wird es abgehängt”, erläuterte Harnacke die Praxis an der Wilhelmstraße.

Die beiden vorhandenen Kreuze sind von bescheidener Größe; sie sind 40 beziehungsweise 30 Zentimeter hoch und lediglich Bleistift-dick.

Kruzifixe, so Harnacke, fänden sich vor allem in Verhandlungssälen älterer Gerichtsgebäude. Denn früher sei es üblich gewesen, eine Aussage unter Eid im Angesicht dieses christlichen Symbols zu leisten.

Nach Paragraph 64 der Strafprozessordnung (StPO) wird der Eid mit religiöser Beteuerung in der Weise geleistet, dass der Richter an den Zeugen die Worte richtet: „Sie schwören bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, dass Sie nach bestem Wissen die reine Wahrheit gesagt und nichts verschwiegen haben.” Und der Zeuge hierauf spricht: „Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe.” Der Verweis auf Gott kann bei Eidesformel natürlich auch weggelassen werden.

Kein Kreuz in Monschau

An Rainer Harnackes bisheriger Wirkungsstätte, dem Amtsgericht des Eifelstädtchens Monschau, hing im Übrigen kein Kreuz im Verhandlungssaal.

Die neuerliche öffentliche Diskussion hatte sich daran entzündet, dass im neuen Düsseldorfer Justizzentrum in den Sälen des Amtsgerichts und des Landgerichts keine Kreuze mehr angebracht werden sollen.
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