Jülich - Seltene Fledermäuse verzögern Neubau des Kirchenkreises Jülich

Seltene Fledermäuse verzögern Neubau des Kirchenkreises Jülich

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
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Das Rokokoportal der Evangelischen Kirche Jülich (1745) soll vor dem Neubau platziert werden. Zeichnung: Hahn-Helten Architekten, Foto: Uerlings
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Christian Preutenborbeck zeigt den Plan des Verwaltungsneubaus (blau) auf dem ehemaligen evangelischen Friedhof.

Jülich. Der Flugverkehr ist geräuschlos und selten geworden. Die Herzogstadt beheimatet nicht nur über 34000 menschliche Einwohner, sondern auch einige hundert Fledermäuse, die schon zur Verlegung einer Opern-Aufführung geführt haben, die im Renaissance-Garten der Zitadelle geplant war.

Beim geplanten Verwaltungsneubau des Kirchenkreises Jülich sorgten sie für eine einjährige Warteschleife, wie erst jetzt bekannt wurde. Die Umweltbehörden beim Kreis Düren verlangten vom Bauherren eine Artenschutzprüfung, um sicherzustellen, dass auf dem Gelände des entwidmeten früheren evangelischen Friedhofs keine Fledermaus-Lebensräume durch die Bebauung Schaden nehmen. Beide beauftragte Gutachter kommen zum selben Ergebnis: Dem Projekt steht aus ihrer Sicht nichts im Wege.

Dr. Henrike Körber hat die großen alten Bäume auf einem Teil des alten Friedhofs als Jagdhabitat von fünf Fledermausarten identifiziert: vom Großen Abendsegler, von der Zwergfledermaus, der Rauhaut-, Breitflügel- und Wasserfledermaus. Beide Experten ziehen dieselben Schlüsse. Diplom-Biologe Hartmut Fehr als zweiter Gutachter schreibt: „Die Gehölze auf dem alten Friedhof sind aber als sehr wertige Habitatbäume anzusehen, deren Entnahme nicht zu ersetzen ist. Die Entnahme von Habitatbäumen sollte auf ein Minimum reduziert bleiben.“

Das spielt dem Bau(m)-Herren sogar in die Karten, denn der Kirchenkreis hatte ohnehin vor, den grünen Charakter des Areals zu bewahren. Verwaltungsleiter Christian Preutenborbeck erklärt das auch mit der festen Absicht, den Charakter des alten Friedhofs zu erhalten. Mit Blick auf die Fledermäuse sollen weitere Tipps der Experten in die Pläne eingearbeitet werden: Zum Beispiel Lüftungsanlagen so zu sichern, dass die ultraleichten Flug-Säugetiere nicht eingesaugt werden können, und unnötiges Licht zu vermeiden.

Unter dem Strich hat diese „überraschende Hürde“ ein Jahr gekostet. „Wir haben die Zeit aber genutzt, um die konkrete Bauplanung voranzutreiben“, sagt der Mann, der mit seinen rund 20 Beschäftigten in der Verwaltungszentrale (Schirmerstraße in Jülich) schon seit langer Zeit keinen Platz mehr hat. Hier werden die Geschäfte für die evangelischen Körperschaften in den Kreisen Düren, Heinsberg und der Stadt Eschweiler erledigt, dazu zählen allein 18 Gemeinden.

Die entscheidenden Stellen haben sich nun entschlossen, ein „BOB“ zu bauen – ein „Balanced Office Building“. Dahinter verbirgt sich ein Gebäude, in dem die wesentlichen Faktoren (Ökologie, Ökonomie, Komfort mit dem Menschen im Mittelpunkt) ein Gleichgewicht bilden.

Das sei mit einem Entwurf von der Stange nicht möglich, sondern erfordere eine individuelle Planung, die anfangs teurer werde, sich aber langfristig rechne, erklärt Preutenborbeck. Wesentliches Ziel der Bauweise sei es, Verbräuche auf ein Minimum zu reduzieren. „Wer vom Erhalt der Schöpfung redet, muss sorgsam mit Energie umgehen. Wir können uns nicht über andere beschweren, wenn wir selbst Energie verballern.“

Wenn die bau- und planungsrechtlichen Verfahren nun zügig laufen, könnte das 3,2-Millionen-Euro-Projekt vielleicht im Herbst 2018 gestartet werden.

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