Seltene Einblicke in die Geschichte der Ordensburg Kommende Siersdorf

Von: ptj
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Fördervereinsvorsitzender Guido von Büren informiert die Lesergruppe detailliert über die bewegte Geschichte der Kommende. Foto: Jagodzinska
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Die Sonderführung ermöglichte seltene Einsichten und Ausblicke: Hier ist die Pfarrkirche, einst Kirche der Deutschritter, durch die wieder hergestellte Rosette im Westturm zu sehen. Foto: Jagodzinska
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Vom Brunnenrand gewannen die Leser wahrhaftig tiefe Einblicke in die Kommende-Geschichte. Foto: Jagodzinska

Siersdorf. „Hier sind Mengen von Originalsubstanz erhalten. Das ist für den Bauhistoriker spannend, weil sämtlich Baubefunde offenliegen.“ Diese war eine der vielen interessanten Informationen, mit denen Guido von Büren, Vorsitzender des Fördervereins Kommende Siersdorf, 19 Leser unserer Zeitung auf die Sonderführung um und durch das Herrenhaus des Deutschritterordens einstimmte.

Unterstützt wurde er bei der Erkundung „eines der bedeutendsten Baudenkmäler, die komplett in der Renaissance gebaut wurden“ von seinem Vorstandskollegen Franz-Horst Besse.

Das einflügelige Herrenhaus des Deutschordens ist mit seinen vier Ecktürmen und einem Eingangsgebäude typisch renaissancezeitlich. Das Objekt, das der Förderverein 2012 von der Erbengemeinschaft „für 0 Euro übernahm“, kann im Jahre 2019 auf eine 800-jährige Geschichte zurückblicken, darunter 600 Jahre im Besitz des Deutschordens.

Von Büren informierte ausführlich über die bewegte Historie um die Niederlassung in Siersdorf, der ältesten innerhalb der ehemaligen Ballei Biesen (Provinz eines Ritterordens, die meist mehrere Ordensniederlassungen umfasste), die im Jahre 1219 durch eine Schenkung von Graf Wilhelm III. von Jülich dem Orden in Siersdorf übertragen wurde. Bis 2019 ist der Förderverein bestrebt, „das Objekt in einem Zustand zu haben, dass man problemlos mit Besuchergruppen reingehen kann“. In diesem Zusammenhang sprach der Historiker auch von einer „teilweisen, aber smarten, handzahmen Nutzung“.

Seit 15 Jahren sorgt der Förderverein für die Bestandssicherung. Er kartierte Schäden, entschuttete den Keller in 15 Containern, kümmerte sich um Trockenlegungs- und Sicherungsmaßnahmen, stellte Fenstersituationen wieder her und stellte Förderanträge. Für die Teilnehmer der Sonderführung gab es außerdem noch selten mögliche Einblicke in das Herrenhaus, das einst mit Dachkonstruktion fast doppelt so hoch war wie das gemauerte Bauwerk. „Es drückte Macht und Potenz aus.“

Der Rundgang startete im komplett in Originalsubstanz erhaltenen Keller mit seiner Gewölbeanlage im „eher niederländischen Stil“. Die imposante Kellerfläche enthält unter vielem anderen eine originale Küchenanlage aus dem 16. und eine vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammende Räucherkammer. Der Brunnen führt vom Keller aus weitere 14 Meter in die Tiefe. Zu Ritterzeiten diente die gesamte Kellerfläche als „Remter“ (Speisesaal) für acht bis zwölf Ritter und ihre Bediensteten. Von der Außenseite aus betrachtet, machten sich die Leser ein Bild von der Schadenslage. So wurde etwa die Statik der Türme beim Aufbrechen der Wände für den nachträglichen Einbau barocker Fenster zerstört. Weil die „Kraftflüssigkeit fehlt“, bildeten sich Risse.

Der Westturm hingegen, der eine Toilettenanlage enthielt und deshalb nicht „barockisiert“ wurde, ist völlig stabil. Weil aber ein Riss durch das ganze Gebäude führt, senkte sich der Turm um 13 Zentimeter. Auf dem Weg in die oberen Geschosse warfen die Gäste etwa einen Blick in die barocke Kapelle mit Altarnische in Ringbalkenkonstruktion, deren Wände einst mit angenageltem Leder bespannt waren. Angezogen fühlte sich die Besuchergruppe auch von der originalen Toilettenanlage im ausgehöhlten Wandpfeiler des Westturmes, die laut von Büren „das Herz des Bauhistorikers höher schlagen lässt“.

Die Leser besichtigten den ehemaligen Wohnraum eines Ordensritters dort, wo „vor einem Jahr noch nichts war“, und stiegen bis auf das mit Teerpappe ausgelegte Dach mit seinen vier Turmspitzen hinauf. Hier bot sich ihnen sowohl ein wunderschöner Blick auf Baesweiler und Setterich als auch durch die wiederhergestellte hölzerne Rosette des Ostturms auf die Kirche, einst im Besitz der Deutschritter. Besonders reich ausgestattet, verdiene sie laut von Büren eine separate Führung. Nicht erklärbar seien bislang die Unterschiede in der Turmhöhe und -form. Anstelle der ursprünglichen Spitzdachkonstruktion werden die Türme ein Flachdach erhalten. Auf die Frage eines Besuchers nannte Besse folgende Zahlen: Für Ruinensicherungsmaßnahmen waren 360.000 Euro angesetzt, jetzt sei man schon bei etwa 600.000 Euro angelangt. Die Komplettsanierungskosten schätzte er auf 12 bis 15 Millionen Euro.

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