Jülich - Sekundarschule Jülich: Kein Frontalunterricht in den ersten Wochen

Sekundarschule Jülich: Kein Frontalunterricht in den ersten Wochen

Von: Volker Uerlings
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Die Fünftklässler arbeiten in der Sekundarschule individuell. In jedem Klassenraum gibt es Gruppentische. Foto: Uerlings

Jülich. Eine komplett neue Schule mit allem Drum und Dran bekommt man nicht alle Tage. Die Sekundarschule Jülich ist ein solcher Fall - pädagogisches Konzept inklusive. Der Reiz des Neuanfangs mit Gestaltungsspielraum beinhaltet auch Überraschungen.

„Wir hatten nicht, gar nichts, kein Formular - nichts!”, berichtete Angelika Lafos in einem engagierten Vortrag vor dem Schulausschuss über die ersten Wochen der neuen „Penne”. Und so widmete sich das neue Kollegium in den Ferien sogar der Klassenraumeinrichtung. Das Zusammenschrauben von Regalen eines schwedischen Möbelhauses zählte dazu.

Die Schul-„Pioniere” im Kollegium sind nach Angaben von Lafos eine verschworene Gemeinschaft, die gleich eigene „Duftmarken” gesetzt hat. So stehen die Türen der Klassenräume offen. Den ganzen Tag und mit Absicht. Den Gong hat man abgeschafft. In den einzelnen Klassen ist ein „Frontalunterricht” erst gar nicht vorgesehen. Die überwiegend jungen Pädagogen haben ihr Pult an den Rand gerückt und sind überall. Das hat seinen Grund: Nach Unterrichtsbeginn im Stuhlkreis begeben sich die 124 Kinder in fünf Klassen in ihre Gruppenecken und arbeiten ganz individuell, jeweils für Doppelstunden à 45 Minuten.

Von diesem Konzept zeigten sich auch zwei Experten angetan, die der Sekundarschule einen Besuch abstatteten: Karl-Heinz Kreiner und Heike Schwarzbauer, die Leiter des Gymnasiums Zitadelle und des Berufskollegs Jülich. Beide öffentlichen Einrichtungen sind quasi Vertragspartner. Wenn sich Mädchen und Jungen in der zehnten Klasse für die gymnasiale Oberstufe qualifizieren, dann garantieren diese Partner einen Platz. Kreiner: „Ich habe einen guten Eindruck. Hier gibt es moderne Ideen, ein junges Kollegium und eben keine lehrerzentrierte Lernumgebung.” Heike Schwarzbauer ergänzte: „Mir gefällt gut, dass die Kinder gleich individuell nach ihrer Neigung gefördert werden.”

Neben den Klassenräumen verfügt die Sekundarschule, für die neben Leiterin Angelika Lafos auch Konrektor Volker Achenbach verantwortlich zeichnet, über einen Musik- und einen Naturwissenschaftsraum sowie ein Lehrerzimmer. Die Klassen befinden sich im linken Flügel des Realschulgebäudes Am Aachener Tor, die Verwaltung rechts vom Haupteingang. Auf diese Lösung haben sich Lafos und Paul Krahe als Leiter der Realschule verständigt. Der Parallelbetrieb funktioniere gut, erklärte Rektorin Lafos.

Die neue Schule arbeitet im Ganztagsbetrieb, so dass eine Verpflegung notwendig ist, die von über 90 Prozent der Kinder in Anspruch genommen wird. Inzwischen sind zahlreiche Arbeitsgemeinschaften gestartet, die vom Trommeln übers Backen und Singen bis zu Tanz und Theater reichen. Die Jungen und Mädchen müssen keine Hausaufgaben mehr machen, was in den Familien mehr Zeit einräume. Denn Ziel der Schule ist laut Lafos: „Es kommt eben nicht darauf an, wann wir aus der Schule rauskommen, sondern wie.” Von ihrem Bericht zeigte sich der Fachausschuss beeindruckt.
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