Sekundarschule: Die Elternbefragung in Jülich läuft an

Von: Volker Uerlings
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Jülich. Die magische Zahl lautet 75. So viele Eltern müssen sich bei der Ende dieser Woche in Jülich anlaufenden Befragung für die Sekundarschule aussprechen, damit sie Ende Dezember beantragt und schon zum nächsten Schuljahr (2012/13) eingeführt werden kann.

Termin und „Mindestmenge” sind nicht willkürlich gewählt, sondern vom Land Nordrhein-Westfalen vorgegeben. Bei 75 Kindern nämlich könnte die neue Schule, die mittelfristig die Haupt- und Realschule ersetzen soll, mit drei Klassen à 25 Mädchen und Jungen starten.

Obwohl es zuletzt nach einer Informationsveranstaltung und auch im Fachausschuss kritische Stimmen gegeben hat, weil nicht nur alle Gremien, sondern auch die Erziehungsberechtigten ein Eilverfahren durchlaufen, rechnet sich die Jülicher Verwaltungsspitze gute Chancen aus, das „Klassenziel” zu erreichen.

Das sagen Bürgermeister Heinrich Stommel und die zuständige Dezernentin Katarina Esser aus voller Überzeugung. In der Herzogstadt sei man deutlich weiter als anderenorts. Schon im Juni wurde die Politik eingebunden, die bis heute über alle Parteigrenzen hinweg den Sekundarschul-Vorschlag mitträgt. Auch die dann von der Schließung betroffenen Einrichtungen - GHS Ruraue und Realschule - ziehen mit.

Die Schulleitungen und die -Pflegschaften haben sich nicht quer gestellt. Vor allem aber entspreche die Sekundarschule einem wichtigen Wunsch vieler Eltern, sagt Katarina Esser. Sie erlaubt es, dass die Kinder nach der Grundschule zwei weitere Jahre gemeinsam lernen, bevor ein bestimmter Bildungsweg eingeschlagen wird: Hauptschul- oder Realschulabschluss oder die Richtung Abitur.

Eine eigene Oberstufe wird die Sekundarschule nicht haben. Aber die drei Gymnasien in Jülich und auch das Berufskolleg seien eine geradezu ideale Ergänzung. Durch Kooperationsverträge werde sichergestellt, dass die für (Fach-)Hochschulreife geeignet scheinenden Mädchen und Jungen nach der zehnten Klasse die freie Auswahl haben. Der Bürgermeister: „Dann wird in Jülich ein wohnortnahes Schulangebot vorgehalten, wie es in Städten unserer Größenordnung selten existiert.”

Das städtische Gymnasium Zitadelle und die beiden Gymnasien in privater Trägerschaft, das MGJ und Haus Overbach, bieten den Kindern laut Katarina Esser ein breites Angebot an Kursen und Fächern. Das sei ein großer Unterschied zu Gesamtschulen, wo es in der Regel viel kleinere Oberstufen und damit auch weniger Kurs-Angebote gebe.

Die Dezernentin und der Verwaltungschef sehen schon, dass das jetzige Verfahren die Eltern fordert, allerdings auch keine Alternative dazu. Der Bürgermeister: „Die Hauptschule hat aufgrund der Zahlen keine Zukunft mehr.” Am heutigen Mittwoch dürften die ersten Jülicher Eltern die Fragebögen in der Post haben.

571 Mütter und Väter von Dritt- und Viertklässlern werden laut Dezernentin Esser angeschrieben. Für den ersten Jahrgang einer möglichen Sekundarschule kommen 327 Mädchen und Jungen in Frage. Ein Gutteil wird sich für eines der Gymnasien entscheiden, ein kleinerer Teil für die Gesamtschule.

Was aber, wenn die Zahl 75 nicht erreicht wird? Bei einem knappen Verfehlen liegt die Genehmigung im Ermessen der Bezirksregierung. Wird die Zahl deutlich unterschritten, bleibt es ein weiteres Jahr beim „alten Schulsystem”, von dem aber jeder weiß, dass es keinen Bestand haben wird. Der Einführungsversuch einer Sekundarschule würde 2012 wiederholt. „Dann verlieren wir ein Jahr. Und das wäre sehr schade”, sagt Katarina Esser, die freilich auf eine andere Entscheidung vertraut.
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