Seit 30 Jahren Hüter des Jülicher Erbes

Von: ptj
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Haben den Förderverein „Festung Zitadelle Jülich“ geprägt: (von links) der amtierende Vorsitzende Dr. Rüdiger Urban, sein Vorgänger Conrad Doose und Gründungsvorsitzender Adi Retz. Foto: Jagodzinska
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Referierte humorvoll über die „Selbstheilungskräfte einer Stadt“: Professor Peter Morsbach aus Regensburg. Foto: Jagodzinska

Jülich. Zwei „inspirierende Vorträge“ und instrumental begleitete Filmszenen aus drei Zeitepochen prägten den Festakt mit rund 120 Gästen zum 30-jährigen Bestehen des Fördervereins „Festung Zitadelle Jülich“ in der Schlosskapelle.

Die Feier fand allerdings wegen der 500. Geburtstagsfeier des Jülicher Herzogs Wilhelm V. 2016 erst im 31. Jahr des Vereinsbestehens statt. Roland Schäfer, Bürgermeister von Bergkamen, der zudem weitere „Hüte“ auf sich vereinigt, nannte in seinem eher „grundsätzlichen“ Referat die historischen Stadt- und Ortskerne „Visitenkarten unserer Gemeinde“, wo gerade die Nutzungsmischung die Attraktivität ausmache.

Die Sondersituation der kommunalen Selbstverwaltung des baukulturellen Erbes in Nordrhein-Westfalen entspreche „eigentlich unserem Verständnis“ und sollte trotz der „Unterschutzstellung privaten Eigentums“ als Chance gesehen werden. Als sinnvoll, „gerade bei historisch wertvollen Ortskernen“, hob er ein integriertes Stadtentwicklungskonzept hervor, von dem im Übrigen finanzielle Förderungen von Bund und Ländern abhängen.

Mit viel Fingerspitzengefühl sollten „Grundstrukturen möglichst erhalten, aber Veränderungen im Kernbereich möglich sein. Städte leben, sind kein Freilichtmuseum“, brachte der Referent die ständigen Herausforderungen auf den Punkt, die zukünftig weiter wachsen werden, zum Beispiel mit Blick auf die energetische Bausanierung. „Es wird letztendlich nur gelingen, wenn wir als Städte die Bürger mitnehmen“.

Hier schloss sich Schäfer seinem Vorredner und Bürgermeisterkollegen Axel Fuchs an, der mit Blick auf den „Wandel in Jülich“ vor allem auf den Dialog setzt. „Sie sind wichtig für Jülich. Seien Sie weiter wachsam“, betonte Fuchs mit Blick auf Dr. Rüdiger Urban, Vorsitzender des Fördervereins, und dessen Vorantreiben des Denkmalpflegeplans.

Die zweite Festrede hielt Professor Peter Morsbach, Vorsitzender der „Altstadtfreunde Regensburg“. Das ist eine seit 51 Jahren bestehende Bürgerinitiative, die sich vor dem Hintergrund „verheerender Planungen für die Altstadt“, verbunden mit dem Abbruch alter Häuser und der Planung einer autogerechten Stadt mit großen Straßendurchbrüchen formiert hatte.

Ohne die Altstadtfreunde wäre Regensburg nicht 2006 als Welterbe der Unesco eingetragen worden. Das Referat erwies sich als eine mit viel Humor gewürzte Zeitreise durch das Leben des Vortragenden und die „Selbstheilungskräfte“ einer Stadt. Gemeinsam mit dem Jubilar aus Jülich waren die „Altstadtfreunde“ 2015 Preisträger des Denkmalschutzpreises. Interessant ist unter vielem anderen die Tatsache, dass in Regensburg bereits seit 1963 über die Errichtung einer Stadthalle auf dem Keplerareal diskutiert wird.

Morsbach erwähnte die „großartige Charta von Venedig“ als Grundlage der modernen Denkmalpflege. Aufgrund der Anregung der „Altstadtfreunde“ hatte der Regensburger Stadtrat sie im Welterbe-Managementplan als Grundlage des Umgangs mit der Altstadt anerkannt.

Mit einem Blick auf den bayerischen Verfassungsauftrag, „die „Denkmäler der Kunst, der Geschichte und der Kultur“ zu schützen, den die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung unzureichend erfüllen, schloss Morsbach. Warum hat er so unendlich viel Kraft und Energie eingesetzt? „Weil es sich lohnt, für jede Stadt einzutreten, für ihre Menschen, für ihre Bauwerke und ihre Geschichte, für ihre Kultur in allen Facetten“.

Sehr gelungen waren Videoeinspielungen zwischen den Grußworten und Referaten, gefühlvoll unterlegt mit Cello-Vorträgen des neuen Vorsitzenden des Collegium Musicum, Dr. Jens-Uwe Grooß. Erste Filmszene war ein Rundgang „durch das schöne Jülich“, 1941 aufgenommen vom Jülicher Zahnarzt Dr. Beyss. Das Ausmaß der Zerstörung zeigten 1945 aufgenommene Flüge über Jülich, wo zu diesen Zeitpunkt trotzdem 1000 Menschen lebten. Das Mitte der 70er Jahre von Klaus Krafft gefilmte „neue Jülich“ beschloss den Dreiteiler.

„Zitadelle und Schloss sind denkmalpflegerische Selbstläufer. Wir sollten uns vielmehr der Pasqualinischen Altstadt widmen und gezielt an der Wohnqualität arbeiten, die wieder miet- und kaufkräftige Bürger nach Jülich zieht. Wir brauchen ein integriertes Stadtentwicklungskonzept“, resümierte Dr. Urban, der allerdings die kommunale Selbstverantwortlichkeit für problematisch hält. Neben Urban waren auch sein Vorgänger als Vorsitzender, Conrad Doose, und der Gründungsvorsitzende des Fördervereins, Adi Retz, unter den 120 Gästen in der Schlosskapelle.

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