Linnich - Seit 123 Jahren feiern Linnicher Schützen friedlich gemeinsam

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Seit 123 Jahren feiern Linnicher Schützen friedlich gemeinsam

Von: Antonius Wolters
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125 Jahre alt ist dieses Foto, das beim Schützenfest 1893 einen Blick in die Rurdorfer Straße wirft, wo der Aufzug in vollem Gange ist. Erst zwei Jahre später kam es zum Zusammenschluss der drei Schützengesellschaften. Foto/Repro: Wolters
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Heinrich Oidtmann, (l.), Präsident der St.-Sebastianus-Schützen Linnich, und Uli Chowanetz, Präsident der Vereinigten Schützengesellschaften. Foto: Wolters

Linnich. Die Vereinigten Schützengesellschaften Linnich bereiten sich auf eine herausfordernde Bronk vor, denn in diesem Jahr ist manches anders als gewohnt. Zwar steht der Place de Lesquin teilweise fürs Schützenfest zur Verfügung, doch das dort stehende Schützenhaus ist im vergangenen Jahr abgerissen worden.

Auf den Ersatzbau müssen die Schützen wohl noch eine Weile warten. Unbekannte haben überdies Schaustellern berichtet, dass die Bronk wegen der Baustelle in der Innenstadt abgesagt worden sei, was die Schützen sehr ärgert. „Das führt zu Fehleinnahmen“, klagt Uli Chowanetz, Präsident der Vereinigten, der noch Fahrgeschäfte fürs Fest sucht und gerne wüsste, wer die Fehlinformationen gestreut hat, um diesen in Regress nehmen zu können.

Außerdem kann die zentrale Rurstraße zwischen Löffelstraße und Bendenweg nicht für die diversen Umzüge genutzt werden. „Wir haben die Zugwege so wenig wie möglich verändert“, verrät Heinrich Oidtmann, Präsident der St.-Sebastianus-Schützen, dass die Schützenaufzüge den Weg über die untere Mäusgasse nehmen.

Stolze Schützenquote

Die Anno 1425 gegründeten Linnicher Sankt Sebastianer sind die Keimzelle der Schützentradition im Städtchen an der Rur, wo von den rund 4000 Einwohnern immerhin 400 einer Schützengesellschaft angehören. Eine stolze Quote, wenn man bedenkt, dass in Linnich laut Satzung nur Männer eine Schützengesellschaft angehören (dürfen).

In der altehrwürdigen Bruderschaft, an die in der Kirche St. Martinus der Schlussstein über der Orgel und ein St.-Sebastianus-Altar erinnert, hat es offenbar in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Reibereien gegeben, denn 1863 kam es zur Spaltung: Die Jungschützen gründeten eine eigene Bruderschaft, die sie nach der legendären Hubertus-Schlacht von 1444 St.-Hubertus-Schützenbruderschaft tauften. Als Gründungsdatum wurde gleich das Jahr der ominösen Schlacht gewählt.

Eine weitere Neugründung

17 Jahre später wirbelte eine weitere Neugründung das Linnicher Schützenwesen durcheinander. Die 1880 gebildete Schützengilde präsentierte sich konfessionsungebunden, womit sie auch Bürgern protestantischen oder jüdischen Glaubens offen stand, die sodann gern und zahlreich die neue Möglichkeit nutzten, im Schützenwesen aktiv zu werden.

Die Konstellation mit drei Schützenvereinen auf engstem Raum schürte auch die Rivalität der Bruderschaften, was nicht selten in Raufereien mündete, wie Heinrich Oidtmann erzählt. Das führte unter anderem dazu, dass einer seiner damaligen Vorfahren die rund 70 Beschäftigten seines Betriebes zwangsverpflichtete, sich den St.-Sebastianus-Schützen anzuschließen, die damit zum größten Schützenverein avancierten.

Weiter befeuert wurden die Rivalitäten dadurch, dass alle Vereine ihr Schützenfest vom Samstag nach Pfingsten bis Fronleichnam feierten, wie es bis heute Brauch ist. Dass es in Linnichs Straßen und Gassen nicht ständig zu Schlägereien gekommen ist, wo sich die verschiedenen Vereine ständig über den weg liefen, ist beinahe ein kleines Wunder.

Vereinigte seit 1895

Immerhin waren die Spitzen der Bruderschaften so klug, diesem unmöglichen Zustand ein Ende zu bereiten. So kam es schon 1895 zur Gründung der Vereinigten Schützengesellschaften, die fortan das gemeinsame Schützenfest organisierte – praktisch die Geburt der Bronk, wie sie bis heute bekannt ist. Über die Jahre und Jahrzehnte ist am Programm und den Abläufen gefeilt worden, doch im Grunde ist das Konzept geblieben, bei dem Schützen- und Volksfest allen Bevölkerungsgruppen etwas zu bieten.

So stehen etwa in der anstehenden Festwoche wieder eine Kinderbelustigung für die Kleinsten, ein Discoabend vor dem Feiertag und ein Seniorennachmittag für die betagteren Brauchtumsfreunde auf dem Programm. Der Glaubensaspekt des Schützenmottos „Für Glaube, Sitte, Heimat“ spielt auch in Linnich eine tragende Rolle.

So gibt es bereits seit 1970 einen ökumenischen Gottesdienst in den Tagen der Bronk, der zunächst im Hof des Krankenhauses unter freiem Himmel gefeiert wurde. Die Linnicher waren seinerzeit heutigen Überlegungen bereits weit voraus, denn Kommunion und Abendmahl wurden den Gläubigen gleichzeitig gereicht. Für die damaligen Geistlichen war das auch kein Problem, wie sich Oidtmann erinnert.

Erst als sich später das persönliche Verhältnis der verantwortlichen Geistlichen verschlechtert habe, sei auch diese vorher geübte Praxis des brüderlichen Miteinanders geändert worden, was nicht nur der Präsident der St.-Sebastianus-Schützengesellschaft Linnich bedauert.

 

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