Sehnsucht nach Internet erfüllt

Von: hfs.
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Sie bewiesen mehr als nur Enga
Sie bewiesen mehr als nur Engagement, die kräftigen Männer, die in Eigenleistung einen 1,5 Kilometer langen Versorgungsgraben erstellten, damit auch in Ralshoven und Hottorf das schnelle Internetzeitalter beginnen kann. Foto: hfs.

Ralshoven. Der Graben ist knapp 1,5 Kilometer lang, 1,20 Meter tief und knapp 60 Zentimeter breit. Mit Hilfe eines kleinen Baggers und der Muskelkraft zwölf starker Männer wurden über 1000 Kubikmeter Erde ausgehoben und wieder verfüllt.

Vorher wurde ein Leerrohr verlegt. Darin zieht demnächst die Dürener Firma Soco Network Solutions GmbH ein Glasfaserkabel ein.

„Damit haben wir hier in Ralshoven noch vor Weihnachten ein schnelles Internet”, frohlockt Ortsvorsteher Hermann Josef Göbbels. Der ist stolz darauf, dass er und seine Mannen ein solches Vorhaben in Eigenregie durchführen durften und somit der rund 120 Einwohner zählende Ort an die „Neuzeit” angeschlossen wird.

Spelthahns Versprechen...

„Landrat Spelthahn versprach seinerzeit mehrfach, dass die weißen Flecken, auf denen kein schnelles Internet zu empfangen ist, auf der Landkarte des Kreises Düren verschwinden werden. Ob er dabei auch an Orte wie in der Größe unseres Heimatortes Ralshoven gedacht hat, ist ungewiss. Denn bis heute hat sich diesbezüglich nichts verändert. Und die angebotenen Funklösungen erreichen den 16 Mbit-Standart hier nicht”, sagte vor einigen Wochen Ortsvorsteher Goebbels auf einer Dorfversammlung, zu der er eingeladen hatte. „Denn es war klar, dass wir hinsichtlich Internetsurfen wohl noch lange hinter dem Mond bleiben würden.”

Anschluss 1,5 km entfernt

Dabei schien zunächst alles aufs Beste geregelt zu sein. Mit dem Ausbau der K 5, in dessen Zuge, so die Planung, auch Leerrohre verlegt würden. So sahen es jedenfalls die Ralshovener Bürger, als die Planungen vorgestellt wurden. „Wir hatten die Trasse der Verlegung vor Augen, aber damit war sie noch nicht in Ralshoven angekommen”, mussten Goebbels und die Bewohner erstaunt feststellen, dass im Verlauf der Arbeiten ein „Graben parallel zu einem anders verlaufenden Wirtschaftsweg genommen wurde, damit Hompesch angeschlossen werden konnte.”

So endete der schnelle Internet-Anschluss 1,5 Kilometer vor Ralshoven. Der Fördertopf mit insgesamt 360.000 Euro, der durch das Konjunkturpaket II und vom Kreis Düren gefüllt worden war, war ausgeschöpft. Leer, wie der Name schon sagt, sind auch bisher noch zwei der insgesamt drei verlegten Rohre in der Gemeinde, denn es fand sich bislang nur ein privater Anbieter.

Hottorf wird mitversorgt

Aber damit gaben sich die Ralshovener nicht zufrieden. „Das Ergebnis der Dorfversammlung war klar. Wir gehen zum Bürgermeister”, gibt Göbbels den Diskussionsverlauf wider. Und Jürgen Frantzen versprach Hilfe und stellte die Verbindung mit Network Solutions her. Die Dürener Firma sagte auch zu, stellte aber zwei Bedingungen: Erstens musste das fehlende Stück Graben und die Verlegung des Leerrohres in Eigenregie erfolgen. Zweitens sollte dann auch der Nachbarort Hottorf, der ja zum Stadtgebiet Linnich gehört, über diese Trasse mitversorgt werden.

Für Hermann Josef Göbbels stellte die Zusammenstellung einer „Truppe starker Männer” kein Problem dar. Für seinen Kollegen aus Hottorf, Ortsvorsteher Konrad Philippen, gestaltete sich das gleiche Unterfangen indes als unmöglich. „Er hat zwar alle Dorfvereine angeschrieben, aber am Schluss meldete sich nur ein einziger Hottorfer”, war der Ralshovener Ortsvorsteher enttäuscht, aber nicht entmutigt.

Die Ralshovener Swen Böttinger, Heinz-Josef Göbbels, Frank Lieckfeld, Friedhelm Lieven, Karl Maus, Matthias Moll, Peter Schiffer, Josef Schumacher, Tobias Schumacher, Ullrich Stappen und der Hottorfer Franz Schiffer griffen schließlich zu Schaufel und Hacke, und mittels Kleinbagger war der Graben in knapp zwei Wochen ausgehoben und wieder zugemacht.

„Wir haben in zwei Schichten an manchen Tagen bis zu zehn Stunden gearbeitet”, bedankt sich Göbbels schon einmal auf diesem Weg bei seiner Mannschaft, in der er selbstverständlich auch tatkräftig mitarbeitete. Und durch dessen Beziehung auch manch drohender „Stillstand” behoben wurde. Zum Beispiel als es darum ging, auf einem Kartoffelacker schnellstmöglich die Ernte zu beginnen. „Zwei Reihen Kartoffel standen im Weg, da haben wir schnell einen Kartoffelroder besorgt, die Früchte an unsere Helfer verteilt, und schon konnte weiter gebudelt werden.”

Das Werk ist vollbracht, alle sind stolz auf die Mannschaft, der die Dankesbekundungen der Ralshovener Dorfgemeinschaft gewiss ist. Dazu kommt der Dank von Linnichs Bürgermeister Wolfgang Witkopp. Der versprach, so der Ortsvorsteher, eine großzügige Spende, „wenn wir dieses Projekt verwirklichen würden.”

Eigenleistung spart 120.000 Euro

Der Linnicher Bürgermeister und sein Titzer Amtskollege Jürgen Frantzen kennen die Zahlen, die bei einer offiziellen Vertragsvergabe für die Leerrohrversorgung hätten auf den Tisch geblättert werden müssen. „Für unseren Ort waren es rund 50.000 Euro, für die Versorgung von Hottorf waren nochmals rund 70.000 Euro bei der Planung im Gespräch”, weiß Göbbels, der einen gewissen Stolz auf das gemeinsam geleistete nicht verhehlen mag.

Glasfaserkabel eingezogen

Jetzt ist der Versorger, die Soco Network Solutions aus Düren, gefragt. „Wir werden in den nächsten Wochen im Bereich der Bushaltestelle in Ralshoven die erforderliche Technik installieren und das Glasfaserkabel durch das Leerrohr ziehen”, erläutert Stephan Fuß, der Geschäftsführer des Anbieters, das weitere Prozedere. „Wir stehen zu unserem Wort, soviel Engagement war einfach Klasse”, sagt der Geschäftsführer, der nicht nur den Bagger zur Verfügung stellte und bezahlte, sondern auch so manche Kiste Gerstensaft als zusätzlichen Motivationsschub lieferte. „Bis Weihnachten steht das schnelle Internet zur Verfügung”, verspricht Fuß.
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