Seelsorgerin in schweren Zeiten: Pfarrerin Karin Latour sagt Lebewohl

Von: ars
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Ein letztes Mal im Talar zwischen den Kollegen der Region: Pfarrerin Karin Latour (vorne Mitte). Foto: Schenk

Jülich. „Dies hier ist meine Heimat”, bekräftigte Karin Latour, die scheidende Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Jülich, ganz zum Schluss ihrer Verabschiedung im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, als der Tag sich bereits dem Ende neigte.

Gott halte für sie eine neue Aufgabe bereit und wenn er uns rufe, dann hier und jetzt, hatte sie bereits im Abschiedsgottesdienst bekundet. Diese Aufgabe ruft sie nun zu einer neuen Pfarrstelle nach Holten-Sterkrade in Oberhausen.

Sicherlich wird aber auch die aufreibende Arbeit der vergangenen Jahre ihr Übriges geleistet haben, auch angesichts der Vakanz, während der Latour vornehmlich alleine den seelsorgerischen Pflichten nachkam. In den zweistündigen Worten, Reden, Liedern und Sketchen, mit denen sich evangelische wie katholische Pfarrer, Presbyter, Mitarbeiter, Ehrenamtler und Gemeindemitglieder sowie Menschen aus dem öffentlichen Leben Karin Latour Lebewohl sagten, schwang bereits mit, wie intensiv sie sich ihren Aufgaben widmete.

Dabei schien sie selten zwischen Arbeits- und Freizeit zu unterscheiden. Stets pflegte sie ein offenes Ohr, war Begleiterin in Lebensfragen wie Seelsorgerin in schweren Zeiten, unterstrich auch Superintendent Jens Sannig. Beim Um- und Ausbau der Kindertagesstätte habe sie viel Zeit und Energie investiert wie auch als Synodalbeauftragte für Menschen mit Behinderung. So habe sie einen Kongress in Aachen zum Thema „Inklusion” vorbereitet, als sich sonst noch niemand etwas darunter vorstellen haben können und es so frühzeitig in die Kirche hineingetragen.

„Sie haben wesentlich neue Impulse in die Gemeinde gebracht, nämlich die Gespräche von Frau zu Frau”, betonte Dr. Dieter Schnabel, Stellvertretender Vorsitzender des Presbyteriums. Dies habe eine völlig andere Dimension und Qualität. Zudem habe sie die mütterliche Seite im Umgang mit den Jugendlichen einbracht.

Eine ergreifende Wertschätzung erfuhr Latour von den Mitarbeitern, die sich während des Gottesdienstes als Chor zu Leonard Cohens „Hallelujah” an die Seite von Sängerin und Gitarristin Virginia Lisken gesellten, und so der Pfarrerin ein paar Tränen der Rührung entlockten.

Als eine Kollegin mit tiefem Gottvertrauen und hoher Empathie in Sachen Schirmerschule und Seniorenstift St. Hildegard, deren Gewandtheit der Worte und scharfsinnige wie geschliffene Predigten ihn für immer beeindruckt hätten, lobte sie der katholische Pfarrer Konny Keutmann. Jedoch stünde das „Loslassen” über diesen Tag, einerseits müsse die Gemeinde von ihr loslassen, andererseits müsse Karin Latour aber auch die Gemeinde loslassen.

Zwölf nicht immer leichte Jahre

Bei so großer Huldigung müsse sie sich doch schon fast heilig vorkommen, erklärte Dr. Thomas Kreßner. Davon nahm die Geehrte jedoch Abstand: „Ich bin keine Heilige, ich werde auch keine Heilige.” Ihre Hoffnung nach zwölf wichtigen, wenn auch nicht immer leichten Jahren, in denen sie auch unbequeme Entscheidungen mit zu verantworten hatte, äußerte sie bereits im Abschiedsgottesdienst: „Nicht immer geht der Samen auf. Ich tröste mich damit, dass hier so manche Pflanze wächst, wo wir es nicht sehen.” Daraufhin entgegnete Superintendent Pfarrer Jens Sannig: „Sei sicher, es ist etwas von der Frucht aufgegangen. Davon bin ich gewiss!”
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