Schwimmzentrum ist auf Tauchstation

Von: Volker Uerlings
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Untergetaucht: Seit neun Monat
Untergetaucht: Seit neun Monaten gibt es keine Informationen mehr zum geplanten Schwimmleistungszentrum in Jülich, obwohl praktikable Vorschläge da sind. Foto: Imago/Insadco

Jülich. Um das Schwimmleistungszentrum ist es ruhig geworden - könnte man meinen. Die ewige Jülicher Projektidee, die bald „Zehnjähriges” feiert, ohne realisiert worden zu sein, beschäftigt hinter den Kulissen dennoch zahlreiche Menschen.

Seit es eine Europaweite Ausschreibung für die große Hallenbad-Idee gleich neben dem Freibad gibt, sind alle Beteiligten zum Schweigen verdonnert, damit sie den Anbietern keine juristische Angriffsfläche bieten. Das wird unter Umständen schnell sehr teuer.

Ungeachtet dessen sind freilich belastbare Informationen nach außen gedrungen, die Zweifel aufkommen lassen, ob sich das ehrgeizige Projekt wie geplant umsetzen lässt. Derzeit befindet sich das Schwimmzentrum - bildlich gesprochen - auf Tauchstation.

Theoretisch ist alles gut: Nach der Ausschreibung haben dem Vernehmen nach fast ein Dutzend Interessenten die Unterlagen abgeholt, am Ende zwei Interessenten auf der Basis der Forderungen konkrete Modelle vorgestellt. Das war bereits im Frühsommer 2010. Bis zum Herbst letzten Jahres sollte eine Entscheidung reif sein, hieß es zum Start der Ausschreibung verheißungsvoll. Seitdem aber ruht der See totenstill, denn eines der wesentlichen Finanzierungsbestandteile ist höchst unsicher: der Zuschuss des Landes.

1,5 Millionen Euro „auf Eis”

Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung in Düsseldorf hatte 1,5 Millionen Euro Förderung für das Leistungszentrum in Aussicht gestellt. Diese Zusage wurde nach dem Regierungswechsel zu Rot-Grün vom zuständigen Ministerium auf Eis gelegt. Mit dieser Summe steht und fällt fast alles, was geplant war: 50-Meter-Becken, Tribüne etc.

Derzeit weiß offenbar niemand im Jülicher Rathaus, wie es um die Zuschüsse bestellt ist. „Die Förderung ist gefährdet”, heißt es von gut unterrichteter Seite lapidar, aber was das bedeutet und ob die Landesseite das näher erläutert hat, bleibt unklar. Offenbar hat auch lange niemand mehr nachgefragt.

Das Verfahren selbst liegt nicht direkt in der Verantwortung der Stadt. Über die kommunale Stadtwerke GmbH wurde die Gesellschaft für Infrastrukturvermögen (GIS) des Kreises Düren mit der Abwicklung beauftragt. Wie zu hören war, soll es zwischen der Stadt und der GIS unterschiedliche Auffassungen darüber geben, wie weit der Auftrag geht. Ist also mit der Abgabe von zwei konkreten Angeboten der Job des Dienstleisters inzwischen schon erledigt - oder sind auch noch die dann üblichen „Nachverhandlungen” über den bestehenden Vertrag abgedeckt?

Man ahnt es: Auch hier geht es um Kosten, vor allem um die weitere Finanzierung von juristischen Beratern. In Rede steht ein zusätzlicher Betrag von 80.000 Euro, wie unsere Zeitung in Erfahrung gebracht hat. Die wäre dann zusätzlich zu den bereits vertraglich festgelegten 200 000 Euro vorzufinanzieren, wogegen sich der Facharbeitskreis der Stadt sträuben soll.

Bestehen große Zweifel?

Auf diesen Kosten bliebe Jülich übrigens nur dann sitzen, wenn das Schwimmzentrum nicht realisiert wird. Passiert das doch, muss der Partner, der den Zuschlag erhält, auch die Kosten der Ausschreibung übernehmen. Schlussfolgerung: Wenn sich also Stadt und GIS seit Wochen nicht einig sind, müssen also größere Zweifel an der Realisierung des Projektes bestehen?!

Wie könnte es weitergehen? Wenn das Land die Förderung ausschüttet, sollen beide vorhandenen Modelle die von der Stadt festgelegten Bedingungen erfüllen können. Zur Erinnerung: Jülich will nicht mehr Geld zur Investition beisteuern, als auch zur Sanierung des alten Hallenbades nötig wäre (5 Millionen Euro) sowie 1,4 Millionen Euro für Betriebskosten pro Jahr.

Bleibt der Zuschuss aus, ist es denkbar, die Ausschreibung aufzuheben, weil sich wesentliche Grundlagen verändert haben. Damit müsste aber ein Hallenbad-Neubau nicht vom Tisch sein. Die Stadt könnte mit den beiden bekannten Bietern sprechen, ob sie sich auch für eine kleinere Lösung interessieren. Oder aber die Stadt(-werke) bauen selbst. Eine solche Lösung hätte man allerdings Jahre früher haben können...
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