Schwierigste Werke Liszts brillant gespielt

Von: Hilde Viehöfer-Emde
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Vasco Dantas zelebrierte Werke von Franz Liszt in der Schlosskapelle. Seine pianistische Glanzleistung beeindruckte das Publikum zutiefst. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Seit 2013 gehört der portugiesische Pianist Vasco Dantas, der schon seine Bachelor Prüfung mit Bestnote abschloss, zu der Klavierklasse von Heribert Koch an der Musikschule Münster. Der in unserer Region bekannte Musikpädagoge gestaltet seit einiger Zeit eine Konzertreihe, bei der er in der Schlosskapelle junge Talente am Flügel vorstellt.

Vasco Dantas widmete sein Konzert der Literatur von Franz Liszt. Wer sich mit diesem Komponisten und ausgezeichneten Pianisten beschäftigt, der weiß, dass Liszt klaviertechnische Schwierigkeiten mit großer Energie und „elastischen Gliedern“ zu begegnen pflegte. Diese Lisztsche Fähigkeit besaß auch der Pianist Vasco Dantas. Er beeindruckte durch ausgefeilte Technik, kraftvollen Anschlag und Empfindsamkeit in der Interpretation.

Zu Beginn spielte er das „Orgelpräludium und Fuge a-Moll“, eine Bearbeitung der Version von Johann Sebastian Bach.

Es folgten Werke von Franz Liszt. Der Komponist war inspiriert von Paganini, dem berühmten Geiger. Als 19-Jähriger begegnete er dem Meister und bewunderte die Macht des Virtuosen, den keine technischen Schranken einengen. Ein völlig neuer Klavierstil entstand, aufgebaut auf nie gespielten, fast artistisch anmutenden gewagten technischen Eskapaden.

Auch der Pianist des Abends in der Schlosskapelle steht dem Instrument Geige und dem unsterblichen Virtuosen Paganini nahe. Die „6 Grandes Études de Paganini“ in einer Fassung von 1851 von Franz Liszt standen im Mittelpunkt des ersten Programmteils. Schwierige, weite Sprünge wie auf der Geige auf das Tasteninstrument zu übertragen, erscheint fast unmöglich. Nur hervorragende Spieler können die konzertante Aufführung wagen. Dem jungen Pianisten gelangen sie mit scheinbarer Leichtigkeit.

Improvisatorische Verwandlung

Eine Steigerung gelang Vasco Dantas noch mit der Sonate h-Moll im zweiten Programmteil. Sie ist das umfangreichste und bedeutendste Klavierwerk des Komponisten. Die klassische Sonatenform außer acht lassend, nutzte er das Stilmittel der improvisatorischen Verwandlung von Gegensätzen.

Das Werk erscheint wie ein Sonatensatz mit sinfonischen Ausmaßen, der von den ersten, verhalten stockend absteigenden Oktaven an bis zu den verklärenden Schlussakkorden die Stationen eines Menschenlebens, wenn nicht die schicksalhafte Entwicklung der Menschen eines ganzen Jahrhunderts zusammenfügt.

Vasco Dantas gelang es, die Schwerkraft der Physiognomie bei der Technik seines Spiels auszuschalten. Er spielte das Werk mit der von Liszt angestrebten Freiheit, sich ohne Einschränkungen der Musik zu widmen.

Voller Bewunderung honorierten die Zuhörer in der Schlosskapelle die pianistische Glanzleistung, die, wie von Liszt gewünscht, nicht durch Schranken der Technik gebremst, zu einem einmaligen musikalischen Erlebnis wurde.

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