Schwieriges Jahr für die Kartoffelanbauer

Von: Antonius Wolters
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Am laufenden Band sortiert Bernd Dohmen im hellen Lampenlicht Speisekartoffeln aus, die er teilweise auf Neuland in der Peripherie des Tagebaus Inden angebaut hat. Foto: Wolters

Aldenhoven. Wenn Bernd Dohmen seine eigenen Produkte genießen möchte, lässt er sich am liebsten gebratene „Panneschiefen“ oder Gratin auftischen. Der 43-Jährige ist Ortslandwirt für die Gemeinde Aldenhoven und übernahm 2004 als Kartoffelanbauer vom Vater den Betrieb im Weiler Langweiler.

Bedingt durch die Witterung verzeichneten die Kartoffelbauern zwar 2014 eine mengenmäßig große Ernte, doch durch „eines der nassesten Jahre“, so Dohmen, handelten sich die Erzeuger auch gravierende Qualitätsprobleme ein. 1000 bis 1100 Millimeter Niederschlag – normal sind 700 bis 800 mm – und moderate Temperaturen ergaben ideale Wachstumsbedingungen, die neben Kartoffeln auch das Ausbreiten von Krankheitserregern bakterieller und pilzlicher Art begünstigten.

Das erforderte hohen Aufwand bei der vorbeugenden Schädlingsbekämpfung, führte aber am Ende dazu, dass „viele Qualitätsprobleme ins Lager geholt wurden“, wie es Bernd Dohmen ausdrückt. So hätten bei Kollegen mit großem Aufwand Teile oder ganze Kartoffellager aussortiert und umgelagert oder die Feldfrüchte sogar zum Verrotten zurück aufs Feld gebracht werden müssen. „Wir hoffen auf Frost“, sagt Dohmen, der darauf setzt, dass niedrige Temperaturen die Krankheitserreger abtöten.

Kühl, aber nicht zu kühl, sollten die Kartoffeln gelagert werden. „Die richtige Lagerung ist eine Wissenschaft für sich“, sagt Dohmen, der in seiner Halle beispielsweise einen vollautomatischen Belüftungscomputer einsetzt. Fast bis zur Decke sind dort die stärkehaltigen Gewächse gestapelt.

Durch das Lager ziehen sich am Boden drei Belüftungskanäle, die dazu beitragen, die Temperaturen bei 5 bis 8 Grad und die Fäulnis im Griff zu behalten, denn mit der Belüftung ist ein Trocknungseffekt verbunden. Deshalb muss mit zunehmender Lagerdauer die Feuchte der eingeblasenen Luft erhöht werden, um die Kartoffeln frisch zu halten. Die enormen Erntemengen haben zudem die Preise unter Druck gesetzt. Wohl dem Anbauer, der den Absatz eines Teils seiner Ernte durch Verträge zu festen Preisen gesichert hat.

Das unplanmäßige Zusammenbrechen etlicher Lager drückte ebenfalls auf den Preis, als große Mengen kurzfristig auf den Markt geworfen wurden. Andere Kartoffeln landeten in Biogasanlagen oder wurden als Viehfutter verwertet. „Kartoffeln haben auch einen Düngewert“, kann Dohmen Kollegen verstehen, die Teile ihrer Ernte zurück aufs Feld fuhren, wo im Oktober und November als Folgefrucht der Winterweizen ausgesät wurde.

Mit knapp 40 Hektar, auf denen er Kartoffeln angebaut hat, liege er inzwischen im unteren Mittelfeld, sagt Dohmen, der im vergangenen Jahr rund 2000 Tonnen produziert hat. Von rund 5000 Kartoffelsorten weltweit seien nur etwa 50 für die Erzeuger relevant. Knapp die Hälfte seien so genannte Industriekartoffeln für die Produktion von Chips und Pommes Frites, der Rest Speisekartoffeln, die teilweise über Direktvermarkter zu den Kunden gelangen.

So verfügt auch der Betrieb Dohmen über einen großen Sortierer, der kleine Kartoffeln automatisch separiert. Die übrigen Erdäpfel laufen über ein Band und werden von Hand ausgelesen, bevor sie in einen Sack fallen.

Hier ist die überwiegend festkochende Sorte Cilena inzwischen durch Annabelle abgelöst worden, zumal diese weniger Probleme und höhere Erträge kombiniert. Die Züchtung und Vermehrung von Pflanzkartoffeln erfolgt durch spezialisierte Betriebe in Küstennähe, die meist in Norddeutschland oder den Niederlanden beheimatet sind. Wer den hohen Aufwand nicht scheut, könne sein Saatgut für das Folgejahr auch selbst erzeugen, sagt Dohmen.

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