Schwangere abgewiesen: Wenn der Zahnarzt-Notdienst Nein sagt

Von: Marvin Bergs
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Erklärt die Pflichten und Rechte des Zahnärzte-Notdienstes: der Jülicher Zahnarzt Dr. Thomas Heil. Foto: Marvin Bergs
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So sollte es sein: Wenn die Schmerzen groß sind, sind Zahnärzte im Notdienst verpflichtet, sich die Patienten zumindest anzuschauen. Foto: dpa

Jülich. An einem Abend Mitte Juli: Belma Engels aus Stetternich plagen Zahnschmerzen. Wenige Tage vorher war ihr ein Stück Zahn abgebrochen. Bisher hatte sie keine Probleme, ein Termin bei ihrem Zahnarzt zur Behebung des bislang eher kosmetischen Problems ist bereits vereinbart. Jetzt aber lassen sie die immer stärker werdenden Schmerzen nicht zur Ruhe kommen, es geht nicht mehr.

Ihr Lebensgefährte Bodo Woischnik wendet sich gegen 19 Uhr an die zentrale Notdienst-Rufnummer der Zahnärztekammer Nordrhein und wird an eine Jülicher Praxis verwiesen. Auf dem Anrufbeantworter der Praxis sei er informiert worden, dass der Notdienst um 20 beginne. In der Notfalldienstordnung der Zahnärztekammer ist der Beginn des Notdienstes auf 18 Uhr festgelegt. Nach einem weiteren Anruf, diesmal auf der hinterlegten Privatnummer des Arztes, habe ihn dieser gegen 20.15 Uhr zurückgerufen.

Nach Schilderung der Situation sei seiner Lebensgefährtin geraten worden, Schmerztabletten zu nehmen und am Folgetag ihren Haus-Zahnarzt aufzusuchen. Der Einwand änderte nichts, dass die Lebensgefährin schwanger sei und an einer Lebererkrankung leide und deswegen keine Schmerzmittel nehmen könne. Schließlich seien sie beim Notdienst leistenden Zahnarzt in Düren gelandet, der Belma Engels behandelte. Woischnik glaubt, dass der von ihm beschriebene Vorgang kein Einzelfall ist: „Der Zahnarzt in Düren sagte uns, dass er im Notdienst schon des Öfteren Notdienst-Patienten aus Jülich behandelt habe.“

Probleme melden

„Das kommt durchaus häufiger vor, es muss aber nicht bedeuten, dass deswegen in Jülich Patienten abgewiesen wurden“, sagt Dr. Thomas Heil. Der Zahnarzt mit Praxis in der Jülicher Innenstadt ist stellvertretender Vorsitzender der Aachener Bezirksstelle der Zahnärztekammer Nordrhein. „In den Grenzgebieten zwischen den Notdienstkreisen werden Patienten vom System manchmal an den geografisch näheren, aber eigentlich nicht zum Notdienstkreis gehörenden Kollegen weitergeleitet. Da kann es dann schon mal Missverständnisse geben“, sagt Heil, der bis 2014 selbst für die Organisation des zahnärztlichen Notdienstes in Jülich zuständig war.

Relativieren möchte er den von Bodo Woischnik geschilderten Vorfall jedoch nicht: „Wenn der Vorgang tatsächlich so abgelaufen sein sollte, geht das natürlich überhaupt nicht.“ Es sei sehr wichtig, dass sich Patienten, die sich nicht korrekt behandelt fühlten, direkt an die Kammer wenden. „Das passiert aber sehr selten, weil die betroffenen Patienten die Sache auf sich beruhen lassen, sobald ihnen geholfen wurde“, berichtet Heil. Dadurch bekomme die Zahnärztekammer kaum die Möglichkeit, etwaigen Problemen auf den Grund zu gehen.

Natürlich erkundige man sich im Notdienst zunächst einmal, ob der Schmerz wirklich akut sei und die Behandlung nicht auch am nächsten Tag erfolgen könne. „Wenn der Patient aber sagt, dass es nicht geht, muss man sich das auch anschauen, ganz klar“, sagt Heil. Generell ist die Beteiligung am Notdienst für jeden niedergelassenen Zahnarzt per Berufsverordnung verpflichtend. „Hier in Jülich gehen wir mit 31 Kollegen in alphabetischer Reihenfolge vor. So hat man pro Monat ungefähr jeweils einen Dienst in der Woche und einen am Wochenende“, erläutert Thomas Heil das Prozedere.

An Wochentagen dauere der Dienst von 18 bis 8 Uhr, wobei keine Pflicht zur Anwesenheit in der Praxis bestehe, so dass man als Patient durchaus damit rechnen müsse, bis zur Behandlung einige Zeit zu warten. Der Wochenenddienst gehe stets von 8 bis 8 Uhr, hierbei bestehe aber für den Zahnarzt in der Zeit von 10 bis 12 und von 16 bis 18 Uhr eine Präsenzpflicht in der Praxis. Gleichwohl sei es relativ selten der Fall, dass das Telefon mitten in der Nacht klingele: „Das kommt natürlich vor, aber diese Patienten haben dann auch ein größeres Problem. Die meisten Patienten kommen bis spätestens 24 Uhr.“

Ob er auch schon mal einen schlimmen Notdienst erlebt habe? „Ich kann mich an einen Ostersonntag erinnern, da hatte ich 43 Patienten. Aber wenn man seinen Job gerne macht – und das nehme ich für mich in Anspruch – ist das auch nicht weiter tragisch“, sagt Heil.

Bodo Woischnik indes hat sich bislang noch nicht bei der Kammer beschwert: „Man steht da ja erst einmal vor einem bürokratischen Wust. Ich würde mir eine Art Beschwerde-Formular wünschen, damit man direkt weiß, wie man sich an die Kammer wenden kann.“ Er werde der Kammer jedoch die erhöhten Fahrtkosten in Rechnung stellen. „Dann schauen wir mal, was passiert“, sagt Woischnik.

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