Schwanenteich: Denkmal oder Dunstabzugshaube?

Von: Volker Uerlings
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Diese Illustration soll tatsächliche Größe, Position und Einbettung des geplanten Baus in die Schwanenteich-Umgebung zeigen. Skizze: Architekt Scholl

Jülich. Die Lage ist verwirrend. Vor über sieben Wochen hat der Jülicher Finanzökonom und Unternehmensberater Max Lenzenhuber Pläne zum Bau einer Gastronomie am Schwanenteichufer vorgestellt. Das geschah in einer öffentlichen Ausschusssitzung mit tendenziell wohlwollendem Echo der Jülicher Politik. Über den Bauvorschlag hat es eine Diskussion in Leserbriefen und sozialen Medien gegeben.

Hier war Pro und Kontra zu lesen, die Zahl der Befürworter schien zu überwiegen. Ungeachtet dessen steht faktisch eine Entscheidung bevor: allerdings jetzt im nichtöffentlichen Teil der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstag, 23. Juni. Tagesordnungspunkt 7: „Erteilung Erbbaurecht an einer Teilfläche des Grundstücks Schwanenteich an Herrn Max Lenzenhuber“.

Mit Stand von Freitag ist also davon auszugehen, dass ein Beschluss hinter verschlossenen Türen getroffen wird – wie auch immer der ausfällt. Mit Blick auf bestimmte Vertragsinhalte ist diese nichtöffentliche Einordnung sicher korrekt, mit Blick auf die grundsätzliche Frage einer Bebauung sind Zweifel erlaubt. Darüber hinaus steht ein weiteres Thema im Raum, das auch in Berichten und Leserbriefen unserer Zeitung behandelt worden ist: Kann und soll der Schwanenteich unter Denkmalschutz gestellt werden?

Darüber gab es in den Jülicher Gremien bislang noch gar keine Diskussion – im Umfeld schon. So hat der Verein Jülicher Bürgerbeirat nach eigener Mitteilung intensiv über „das Bauprojekt am Schwanenteich diskutiert“. Die Meinungen seien „weit auseinander gegangen“.

„Beinahe undemokratisch“

Mit Mehrheit wurde der Vorstand von den Mitgliedern beauftragt, einen Antrag zu stellen, den Teichbereich unter Denkmalschutz zu stellen. Das sei aber „bisher“ nicht geschehen, erklärte Wolfgang Gunia als Sprecher des Bürgerbeirats (15. Juni) und reagierte auf einen Leserbrief von Marco Maria Emunds (14. Juni). Der Sozialdemokrat hatte hier den beabsichtigten Antrag hinterfragt: Ein solches Vorgehen sei „beinahe könnte man meinen undemokratisch“, weil die „demokratische Entscheidungsfindung städtischer Gremien“ mit einem Antrag direkt bei der Denkmalbehörde praktisch ausgehebelt werde. Inzwischen macht das Gerücht die Runde, dass ein Antrag, den Schwanenteich unter Denkmalschutz zu stellen, bereits im Mai von einem Privatmann bei der Bezirksregierung eingereicht worden sein soll. Das schreibt Heinz Spelthahn in einem Leserbrief (Seite 20 heutige Ausgabe). Der Jülicher Bürgermeister Axel Fuchs bestätigte, dass ein privater Antrag bei der Stadt aktenkundig sei. Er nahm den Weg von der Bezirksregierung über den Landschaftsverband ins Rathaus.

Weiher, Pferdetränke, Waschplatz

Das beschäftigt natürlich auch Gastronomie-Initiator Max Lenzenhuber. Er sagte auf Nachfrage: „Denkmalschutz schließt eine Bebauung nicht aus, behindert sie aber, weil sie mit deutlich höheren Auflagen verbunden ist.“ Teich und Umgebung seien „von je her Veränderungen unterworfen“ gewesen: vom Fischweiher der Herzöge über eine spätere Pferdetränke und einem Waschplatz für die Bürger bis zur heutigen Funktion. Die Steinumrandung erhielt der Teich im 20. Jahrhundert. Lenzenhuber: „Das einzig Stetige am Schwanenteich war sein Wandel.“

Eine spannende Gemengelage, mit der sich Politik und Verwaltung auseinandersetzen. Etwas überspitzt könnte es auf die Frage „Denkmal oder Dunstabzugshaube?“ hinaus laufen. Das geschieht – siehe oben – am Donnerstag zunächst nichtöffentlich, was – mit den Worten eines Leserbriefautoren – „mehr als verwunderlich“ erscheint.

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