Schwanenteich bricht auf zum neuen Ufer

Von: Volker Uerlings
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Kies marsch: Am Donnerstag wurden mehrere Lkw-Ladungen groben Kieses in den Schwanenteich gekippt. Er bildet den stabilen Untergrund für größere Natursteine, die in Kürze folgen und für ein ebenso flacheres wie naturnahes Ufer sorgen sollen. Foto: Uerlings
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Feinarbeit mit dem Radlader: Mitarbeiter der Stadt helfen bei dem von Bürgern finanzierten Projekt am zentralen Weiher in Jülich. Foto: Uerlings

Jülich. Vor zwei Jahren kehrten die Schwäne nach Jülich zurück – aber sie blieben nicht lange. Warum genau die vom damaligen Hexenturm-Ordensträger Martin Marquardt gestifteten (schwarzen) Tiere Reißaus nahmen, ist unklar. Eine denkbare Erklärung wäre jedenfalls, dass ihnen der Schwanenteich mit seiner statischen Einfassung und den nicht vorhandenen Rückzugs- und Ruhebereichen nicht geheuer war. Das wird sich ändern.

Eine markante Fläche der Stadt Jülich verändert nämlich derzeit behutsam ihr Gesicht. Am zentralen Tümpel neben dem Neuen Rathaus laufen seit Donnerstag Arbeiten, die das Ziel haben, ein wenig mehr Naturnähe zu schaffen.

Zunächst wurden am Ufer Kartäuserstraße einige Lkw-Ladungen Kies (aus Kirchberg) angeliefert, abgeschüttet und grob in Ufernähe verteilt. Auf diesem Kies sollen – abhängig von der Witterung – schon heute große Natursteine (Wacke) platziert werden, um ein flaches Ufer zu schaffen. Die Initiatoren der jetzigen Maßnahmen nennen sie „Wasserbausteine“.

Nistinsel und Uferpflanzen

In weiteren Schritten ist geplant, eine vier Quadratmeter große Nistinsel mit passender Bepflanzung im Teich anzulegen. Pflanzbeete mit typischer Uferbepflanzung an einigen Stellen sowie Schwimminseln mit Wasserpflanzen stehen ebenfalls auf der Liste, die in diesem Jahr abgearbeitet wird. Sie stammt aus einem Bürgerantrag von Martin Marquardt. Das Material ist komplett durch Spenden finanziert. Das Tiefbauamt der Stadt und der Jülicher Bauhof leisten Hilfe.

Der frühere stellvertretende Bürgermeister bleibt also bei seinem Schwanen-Projekt hartnäckig am Ball. Auch am Donnerstag bei den ersten Arbeiten war er vor Ort und beobachtete interessiert, was da passiert. Sein Antrag hat die Zustimmung der Jülicher Politik gefunden. An seiner Seite befand sich Thomas Krage als Vertreter eines auch in Jülich ansässigen Unternehmernetzwerkes namens BNI Zitadelle, das diese Maßnahme unterstützt.

Klarer Fall: Wenn alles fertig und dann naturnäher ist, wird Marquardt erneut Schwäne einsetzen und dann hoffen müssen, dass es im zweiten Anlauf funktioniert. Die „unerwartet hohe und begeisterte“ Anteilnahme der Jülicher Bevölkerung bei der Premiere hat ihn jedenfalls in seiner Hartnäckigkeit bestärkt.

Die jetzigen Maßnahmen bedeuten für den Schwanenteich in Ansätzen eine Rückkehr zu den Ursprüngen. Denn das Gewässer ist ein Biotop natürlicher Herkunft, das vor Jahrhunderten schon existierte, gespeist von Ellbach und Mühlenteich „in einem sumpfigen Gebiet“, wie 1912 von Herausgeber Adolf Fischer in den „Rurblumen“, einer Heimatbeilage des Jülicher Kreisblatts, berichtet wurde. Erst um 1903 sollen Schwäne von der Hamburger Alster beschafft und auf dem Jülicher Teich angesiedelt worden sein.

Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich seine Bedeutung. Nach dem Kauf 1512 gehörte er dem Jülicher Herrscherhaus als „Fischgrund“ vor der Haustür, danach der Bevölkerung, die hier Wäsche schwemmte und Pferde tränkte. Damals befand sich der Weiher noch vor den Toren der Stadt. Mit und mit rückte er in deren Zentrum und veränderte sein Aussehen. So wurde ihm auch beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg eine städtebauliche Funktion zugeschrieben: Er sollte vom großzügigen Villenviertel zwischen Bahnhof- und Kartäuserstraße zur „alten Stadt“ überleiten und hatte eine repräsentative Aufgabe.

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