Linnich/Titz - Schulschließungen: Jetzt sind die Eltern gefragt

Schulschließungen: Jetzt sind die Eltern gefragt

Von: -vpu-
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Die Tage der Hauptschule Titz
Die Tage der Hauptschule Titz sind gezählt. Foto: Uerlings

Linnich/Titz. Begeisterung sieht anders aus, doch der große Unmut war ebenfalls kaum vernehmbar. Im proppevollen Linnicher Ratssaal lauschten die Schulausschüsse der kleinen Rurstadt und der Gemeinde Titz sowie reichlich Publikum gespannt einem Experten-Duo aus Bochum, das die Schulsituation beider Kommunen unter die Lupe genommen hat.

Tilmann Bieber und Peter Steiner zeichneten kein schönes Bild: Die Hauptschule Titz steht unmittelbar vor der Auflösung, Haupt- und Realschule in Linnich dürfte dieses Schicksal in absehbarer Zukunft auch beschieden sein. Sie empfahlen eine interkommunale Sekundarschule mit den Jahrgängen 5 bis 8 in beiden Orten und den Jahrgängen 9 und 10 nur in Linnich.

Der Charme dieses Vorschlags: Kurze Beine - kurze Wege. Die jüngsten Sekundarschüler könnten vier Jahre lang heimatnah zur Schule gehen. Das Problem: Hierfür müssen sich auf lange Sicht Jahr für Jahr 125 Kinder finden, um die per Verordnung erforderliche Fünfzügigkeit (5 x 25 Schüler) zu erreichen.

Das wird selbst unter Einbeziehung von Pendlern aus der Stadt Hückelhoven äußerst schwierig. Der Versuch wenigstens soll gemacht werden. Obwohl die Zeit äußerst knapp wird, da die Einrichtung einer Sekundarschule bis zum 23. Dezember beim Land beantragt werden muss, wollen Titz und Linnich bis nächsten Montag, 21. November, einen Eltern-Fragebogen entwickeln. Der wird in einer Sondersitzung beider Ausschüsse an diesem Tag diskutiert, danach haben die Eltern das Wort. Darauf verständigte sich das Linnicher Gremium einstimmig. Für Titz ließ Bürgermeister Jürgen Frantzen Zustimmung erkennen.

Würden die Nachbargemeinden eine „normale” gemeinsame Sekundarschule gründen wollen, reichten 75 Kinder pro Jahr (Dreizügigkeit). Das bedeutet aber, dass alle Schüler pendeln müssten, weil die einen Jahrgänge nur in Linnich und die anderen nur in Titz unterrichtet würden.

Wieviel Potenzial ist vorhanden? Die beiden Experten nannten das Beispiel-Schuljahr 2014/14. Dann gibt es laut Schulentwicklungsplan 85 Viertklässler in Linnich und 60 in Titz, also 145 zusammen. Um die Empfehlung realisieren zu können, müssten sich davon 125 für die Sekundarschule entscheiden und nur 20 für ein Gymnasium.

Bleibt es beim bisherigen Anmeldeverhalten allein in Linnich, dann entfielen im Beispieljahr von 85 Mädchen und Jungen insgesamt 30 Prozent (= 25) auf die Realschule und 15 Prozent (= 13) auf die Hauptschule, die damit dauerhaft nicht lebensfähig wären. Dennoch zeichnet sich Widerstand der Linnicher Bevölkerung und Schulen ab. Vor der Sitzung wurden dem Ausschussvorsitzenden Peter Leufen (CDU) 1704 Unterschriften von Sebiha Sahin und Marcus Kelm (Realschul-Schülervertretung) überreicht. Die Unterzeichner plädieren für den Erhalt von Haupt- und Realsschule. Außerdem haben sich die Schulleitungen den Fachausschuss schriftlich gebeten: „Beschließen Sie diese neue Schulform jetzt noch nicht!”

Theoretisch hat Linnich mehr Zeit als Titz, das sich kein Jahr „Warteschleife” erlauben kann. Die Linnicher Schulen spekulieren auf weitere Pendler, die die dann einzige regionale Haupt- und Realschule als „echte Alternative” besuchen wollen. Geht diese Rechnung nicht auf, dürften allerdings die Titzer Schüler auf lange Sicht verloren sein. Keine leichte Entscheidung.
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