„Schulleiter der Herzen“ hört überraschend auf

Von: Volker Uerlings
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„Charly“ Kreiner, Schulleiter des Gymnasiums Zitadelle, ist passionierter Violinist. Beruflich spielt er auf eigenen Wunsch bald nicht mehr die erste Geige; er tritt am Schuljahresende in den Ruhestand. Foto: Uerlings

Jülich. Im Februar 2009 hatten Schüler- und Lehrerschaft des Gymnasiums Zitadelle Jülich ein Trauma bewältigt. Damals ging mit der Einführung von Karl-Heinz Kreiner eine eineinhalbjährige Zeit ohne „offiziellen Direx“ zu Ende, weil der „Schulleiter der Herzen“ mit Brief und Siegel seine Arbeit aufnehmen konnte, die er zuvor 19 Monate kommissarisch ausgeübt hatte.

Im Juli 2013 geht die Ära Kreiner an der größten Jülicher Schule überraschend schon zu Ende. Der Oberstudiendirektor, der im Januar sein 60. Lebensjahr vollendet, hat seine Zurruhesetzung zum 1. August beantragt – aus gesundheitlichen Gründen. Seine Stelle ist bereits von der Bezirksregierung Köln ausgeschrieben worden.

Ende November hatte „Charly“ Kreiner zunächst im kleinen Kreis über seine Absicht informiert: also Bezirksregierung, Schulleitungsteam, Lehrerrat. Am 2. Dezember erklärte sich Kreiner auch gegenüber dem gesamten Kollegium: „Aus Verantwortung meiner Familie, der Schule und mir selbst gegenüber habe ich bei der Bezirksregierung Köln meine Zurruhesetzung zum 1. August 2013 beantragt. Ich bitte Sie um Ihr Verständnis für meine Entscheidung.“

Ins Detail gehen mag Karl-Heinz Kreiner nicht im Gespräch mit der Redaktion. Klar sei für ihn gewesen, dass er der Schule, für die er 18 Jahre in einer Leitungsfunktion gearbeitet hat, bis zum Ende eines sicher schwierigen Jahres zur Verfügung steht. Der Doppel-Abitur-Jahrgang steht an, im zweiten Halbjahr versuchen sich 240 Schülerinnen und Schüler an der Reifeprüfung. Am Ende wird es eine so große Entlassfeier mit über 1000 Personen geben, dass sie nicht mehr innerhalb der Zitadelle stattfinden kann.

Das wäre sozusagen auch quantitativ der Höhepunkt im beruflichen Wirken des bekennenden Rheinländers, der in Neuss geboren wurde und in Pulheim vor den Toren Kölns zu Hause ist. Er hatte in den letzten Jahren einiges zu managen: die PCB-Sanierung des Institutes, die Sanierung des Ostflügel-Dachs und vor allem die PCB-Sanierung des Südflügels der Schule, der die Auslagerung von 18 Klassen zur Folge hatte. „Das war eine schwierige logistische Aufgabe“, sagt er selbst, da der Unterricht für die Betroffenen sowohl in Containern als auch in der alten Schirmerschule erfolgen musste.

Seit 2007 war (und ist) Charly Kreiner – Fächerkombination Mathematik und Philosophie – auch ein Personalmanager: „In dieser Zeit wurde 35 neue Lehrer eingestellt – und wir haben 25 Referendare zum zweiten Staatsexamen begleitet.“ Für Unterricht blieben zuletzt zwei Stunden Mathe wöchentlich in der Oberstufe Zeit.

Heute besuchen 1134 Kinder und Jugendliche das städtische Gymnasium, das Kollegium zählt fast 100 Köpfe (83 Lehrer und 15 Referendare). Die Einrichtung ist gut aufgestellt und verfügt – wie alle städtischen Schulen – über ein Mittagstisch-Angebot.

Im Februar 2009 bekamen die Gremien der Schule nach einem langwierigen Verfahren mit reichlich Hickhack den Kandidaten ihres Vertrauens. Ob das zum 1. August 2013 wieder so ist, bleibt abzuwarten. Die Bewerbungsfrist endet am 23. Januar des nächsten Jahres.

Eine kurzfristige Bewerbung bereits in Jülich lehrender Kandidaten ist zwar möglich, aber dazu müssen ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Bewerben darf sich, wer erfolgreich an einem so genannten Schulleiter-Eignungs-Feststellungsverfahren teilgenommen hat; wer bereits zum Schulleiter ernannt wurde und sich versetzen lassen will (siehe nebenstehenden Kasten).

Karl-Heinz Kreiner nimmt seinen Hut im nächsten Sommer nach dann 36 Jahren als Lehrer, davon 27 Jahren in verantwortlicher Stellung. Deutlich mehr Zeit hat der Pädagoge dann für seine große Leidenschaft: das Violinenspiel. Dass er dann beruflich nicht mehr die erste Geige spielt, wird er verschmerzen. Die Wehmut, seine geliebte Schule zu verlassen, ist allerdings spürbar.

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