Schuldenprävention so früh wie möglich betreiben

Von: Daniela Martinak
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Daniela Erne (l.) und Claudia Ritter informieren die Multiplikatoren über die Schuldenprävention in Kindergärten und Schulen. Foto: Martinak

Jülich. Nora Meyer (Name von der Redaktion geändert) weint. Die 23-jährige alleinerziehende Mutter aus Jülich ist in einen Teufelskreis geraten, aus dem sie nicht mehr alleine hinauskommt. „Wie das halt so ist – man hat nie wirklich gespart, sich schon als Jugendliche immer Dinge gekauft, weil andere sie hatten. Dann bekam ich ein Kind, der Vater ließ mich sitzen, ich hatte keinen Job ...“, beginnt die Jülichern zu erklären, warum es finanziell nicht gut bei ihr aussieht.

Dabei möchte sie ihrer kleinen Tochter doch so gerne ein Vorbild sein. Kohle, Knete, Kies, Kröten ... Egal, wie Geld noch bezeichnet wird – ohne geht es nicht. Zu wenig ist Mist, zu viel stinkt. Na was denn nun?

Fakt ist: Das Einzige, was wohl ohne Geld gemacht werden kann, sind Schulden. Und davon können laut Schuldenatlas elf Prozent der Bewohner des Kreises Düren ein Liedchen singen. Aus diesem Grund wurde das „Netzwerk Finanzkompetenz NRW“ gegründet. Jetzt findet eine Aktionswoche zum Thema im Kreis Düren statt.

„Fit im Umgang mit Geld“ wurden zunächst die Jülicher gemacht. Im Peter-Beier-Haus haben sich Referenten des Netzwerkes – Mitarbeiter der Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Jülich – den Fragen und Anregungen der Multiplikatoren, darunter Erzieher, Lehrer und auch Interessierte, gestellt.

Gleich zu Beginn wurde deutlich, wie aktuell das Thema ist! Allein 1.560.000 junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 29 Jahren, die Schulden haben, sind im Jahr 2012 erfasst worden, so steht es im Schuldenatlas.

Bei Familie Müller (Name von der Redaktion geändert) sieht es geldtechnisch nicht besser aus als bei Nora: „Wir haben einen Kredit aufgenommen, um das Haus kaufen zu können. Dann verlor mein Mann seine Stelle in der Firma. Ich habe bisher zu Hause auf die Kinder aufgepasst und bin nur ab und zu jobben gegangen“, sagt die Mutter. Sie kommt mit Nora ins Gespräch. Zwei unterschiedliche Fälle und dennoch ein und dasselbe Problem! Jetzt brauchen sie Hilfe. Fallbeispiele, die alltäglicher nicht sein könnten.

Das wissen auch Daniela Erne und Claudia Ritter. Die setzen sich zumindest dafür ein, dass Kinder von Schuldnern nicht dieselben Fehler machen! Oder überhaupt, dass Kinder lernen, wie es heutzutage in der Welt, die nun mal bekanntlich von Geld regiert wird, zugeht. „Es ist wichtig, so früh wie möglich Prävention zu betreiben. Auch, wenn es um den Umgang mit Geld geht“, betont Ritter. Gerade dann sogar! Schließlich ist es für Erwachsene schon schwer den Unterschied zwischen Luxus und Bedürfnis zu erkennen. Braucht man wirklich einen neuen Fernseher? Muss es ein Vier-Sterne-Hotel sein? Liegen im Schrank nicht genug Klamotten?

Der kompetente Umgang mit Geld sei in Hinsicht auf die unübersichtlichen Märkte und die Beeinflussung von Werbung eine elementare Voraussetzung „für eine verantwortungsvolle Haushalts- und Lebensführung“. Die Veranstaltungen im Nordkreis und in der Stadt Düren sollen Einrichtungen dazu anhalten, Gespräche mit den Eltern zu führen, Tipps zu geben und das Thema im Kindergartenalltag und auch im Unterricht aufzugreifen.

Dabei ging es etwa darum, wie viel Taschengeld ein Kind bekommen sollte. Manchmal sei es ratsam ein Haushaltsbuch zu führen, um Ausgaben kontrollieren zu können. Kreditkarten und Vertragsabschlüsse sind oft gefährlich, wenn ein sicheres Einkommen nicht gewährleistet ist und auch Energiesparen trägt dazu bei, dass am Ende des Monats noch etwas übrig bleibt!

Dazu wurden entsprechend innovative Projekte vorgestellt. „Kindern kann man das gut erklären, indem man ihnen klar macht, dass sie sofort etwas davon haben, wenn sie sparen“, ist sich Erne sicher. Sätze wie „Dann kannst du dir auch mal ein Eis kaufen“, würden ziehen. Finanziert wird das Projekt übrigens vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW. Bis zum Jahr 2014 fließen Mittel vom Kreis mit ein.

„Wir sind in Kinder- und Jugendeinrichtungen gewesen, haben anhand von Rollenspielen, Filmen und Theatervorführungen kindgerecht den Kreislauf des Geldes erklärt“, sagt Ritter. Eine Bücherbox, die nicht nur Ratgeber zum Thema Finanzkompetenz enthält, sondern auch Spiele wir das „Taschengeldspiel“ wird jetzt leihweise an die Familienzentren gegeben. Viele wüssten zu wenig über die Angebote und Verbraucherbildung vor Ort.

Informationen gibt es unter anderem im Internet unter www.netzwerk-finanzkompetenz.de.

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