Schränkt Windkraft Entwicklungen im Jülicher Land ein?

Von: Antonius Wolters
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Die Höhe von Windrädern und der Abstand zu Wohnhäusern beschäftigt viele Bürger. Foto: Stock/Hense

Linnich/Jülich. Die Bürgerinitiative „Für Windkraft mit Augenmaß“ Boslar-Mersch legt vor der Kommunalwahl argumentativ nach. So hat die Initiative auf eigene Kosten eine schalltechnische Stellungnahme des renommierten Gutachters Prof. Dr.-Ing. Lothar Siebel aus Aachen eingeholt, der das Gutachten der IEL GmbH aus der Vorentwicklung unter die Lupe genommen hat und eigene Einschätzungen zur Lärmsituation in Boslar und Mersch vorlegt, falls in der direkten Nachbarschaft die geplanten fünf Windenergieanlagen (WEA) errichtet werden.

„Insbesondere in der Nachtzeit“ seien die Anlagen bei den im IEL-Gutachten angegebenen Schallpegeln in Anbetracht der Abstände von etwa 1000 Metern zur Wohnbebauung „als sehr kritisch anzusehen“, schreibt der Experte in seiner Stellungnahme. Zulässige Schall-Immissionspegel seien nach TA-Lärm in der kritischen Nachtzeit – bei einer erwünschten bzw. wirtschaftlich notwendigen Betriebszeit – „kaum bzw. praktisch nicht darstellbar“, heißt es weiter.

Mit anderen Worten: Wenn die Winräder auch in der Realität so laut sind, wie es die Papierform erwarten lässt, dann müssen die Anlagen nachts aus Lärmschutzgründen häufig oder sogar komplett abgeschaltet werden.

Kritik übt Prof. Siebel daran, dass im IEL-Gutachten keine Zuschläge für die bei Windrädern typischen Geräuschauffälligkeiten und Schallreflexionen berücksichtigt sind. Zudem sei gar kein Spielraum mehr für vorhandene oder künftige Immitenden berücksichtigt worden.

Ohnehin sei die schalltechnische Bewertung der IEL GmbH nur zu „erahnen“, zumal in dem Gutachten das zugrunde liegende Rechenmodell nicht dargestellt worden sei. So sei zu bedenken, dass für beide Orte „eine gewisse Entwicklung“ künftig möglich sein müsse. Die sei aber nicht mehr möglich, wenn die Windenergieanlagen nach dem Windhundprinzip sämtliche Schallkontingente belegt hätten.

Weitere Vorhaben beschränkt?

Um weitere Vorhaben wie das interkommunale Gewerbegebiet Merscher Höhe nicht durch die künftige Vorbelastung infolge WEA mit extremen Auflagen beschränken zu müssen, empfiehlt der Experte, dass eine Geräuschkontingentierung für den Bereich der Windenergieanlagen und für andere Plangebiete erfolgen sollte. Den Nachweis, dass die Immissionspegel in den betroffenen Gebieten unter der so genannten Relevanzgrenze bleibt – damit sind die Richtwerte der TA-Lärm gemeint – „wird auch für weiter entfernte Bereiche nicht zu erfüllen sein“.

„Wir sprechen hier über elf Windräder“, ergänzt Robert Claßen von der BI Boslar-Mersch, denn die Stadt Jülich plane auf benachbarten Flächen weitere sechs. Aufgrund der Planungen und auf Basis der gutachterlichen Stellungnahme bekräftigt die Bürgerinitiative „Für Windkraft mit Augenmaß“ ihre Forderung nach dem zehnfachen Abstand der Windrad-Gesamthöhe zur Wohnbebauung.

„Im Hinblick auf die Kommunalwahl hat jeder sich anhand der Parteienwerbung und Politiker-Gesprächen eine Meinung bilden können, wer die Sorgen hinsichtlich der Windparks ernst nimmt und wer nicht“, schreibt die Initiative weiter und stellt fest: „Einige Parteien würden das Thema vor der Wahl am liebsten totschweigen und sich so über den Wahltermin lavieren.“ Stattdessen werde lieber mit Worthülsen reichlich Rauch entfacht, um die eigene Position bis nach der Wahl zu vernebeln.

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