Jülich - „Schönheiten” unter Schutz: Rathaus und Rochuskirche

„Schönheiten” unter Schutz: Rathaus und Rochuskirche

Von: spl
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Das Neue Rathaus: Der Denkmals
Das Neue Rathaus: Der Denkmalschutz soll nur für die äußere Hülle gelten, hofft die Stadt. Foto: Uerlings

Jülich. Beim Thema Denkmalschutz von verhärteten Fronten zwischen den Kommunalpolitikern der Herzogstadt und der Oberen Denkmalbehörde, dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), zu reden, ist kaum untertrieben.

Bereits 2011 hatte der Fachausschuss die Abstimmung zur Unterschutzstellung des Neuen Rathauses vertagt, um Antworten auf noch offene Fragen beim LVR zu erhalten.

Damals waren sich viele der Ausschussmitglieder nicht sicher, inwieweit notwendige Renovierungsarbeiten überhaupt noch umsetzbar seien, wenn das Neue Rathaus erst unter Denkmalschutz gestellt ist (wir berichteten). In einer Sitzung des Gremiums vorzutragen, lehnte der LVR aber ab.

„Ich finde das respektlos gegenüber diesem Gremium”, beschwerte sich Marco Johnen (CDU) über das Vorgehen des Denkmalbehörde und brachte damit den allgemeinen Unmut des Ausschusses zum Ausdruck.

Die schlechte Stimmung in der Sitzung am Mittwoch wurde nicht besser, als Dezernent Günter Vogel die Gründe des LVR vortrug. Es sei aus dem Gutachten hervorgegangen, warum das Neue Rathaus unter Denkmalschutz zu stellen sei, daran änderten auch die Fragen der Stadt Jülich nichts.

Bei geplanten baulichen Maßnahmen sei eben, so Vogel, bei jeder Entscheidung die obere Denkmalbehörde „mit ins Boot zu nehmen” - über Lichtschalter, Wandfarbe, Brandschutztüren und einfach jede Änderung.

„Ich würde den Ball an den LVR zurückspielen”, schlug der Dezernent schließlich vor. Da scheinbar nach dem Motto „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass” verfahren werde, sei es seiner Ansicht nach sinnvoll, nur die Außenfassade, inklusive Dach und Foyer, unter Denkmalschutz stellen zu wollen.

Der Innenbereich werde dann nicht geschützt, ganz wie bei der Entscheidung über das Alte Rathaus vor zwei Jahren. Über notwendige bauliche Veränderungen machte sich Vogel weniger Sorgen als die Politiker. „Veränderungen müssen ja auch dann geschehen, wenn sie notwendig sind.

Das gilt nach meiner Einschätzung auch für den Brandschutz.” Sollte die Stadt Jülich den Antrag des LVR gänzlich ablehnen, müsste diese Entscheidung hinreichend begründet werden. „Das würde mehr als schwierig werden”, so Dezernent Vogel.

Vogels Vorschlag besänftigte die Gemüter und wurde mit einer Gegenstimme beschlossen. Große Wahl blieb dem Ausschuss auch nicht, wird das Neue Rathaus doch in jedem Fall als Denkmal eingetragen, wenn es der LVR so will.

Die obere Denkmalbehörde schlägt eben die „untere”. Durch den Beschluss des Fachausschusses ist jedenfalls der LVR wieder am Zug. Es bleibt abzuwarten, ob die obere Denkmalbehörde in das Entgegenkommen der Stadt Jülich hinsichtlich der Unterschutzstellung von Gebäudeteilen einwilligt.

Doch das Kriegsbeil zwischen dem LVR und Ausschuss war kaum begraben, da ergab sich bereits neuer Zündstoff. Denn auf der Tagesordnung stand ebenso die Unterschutzstellung der Pfarrkirche St. Rochus nebst Turm, Pfarrhaus und Pfarrheim.

Bevor sich einige Mitglieder zu einer Diskussion hinreißen ließen, machte Matthias Hoven (Jül) seinem Ärger Luft. „Es erschließt sich mir nicht, nach welchem System hier Gebäude unter Schutz gestellt werden.” So sei denn die Schönheit des Gebäudes mehr als diskutabel, warf Hoven ein. Man müsse sich allerdings endlich davon lösen, dass das subjektive Schönheitsempfinden ein Kriterium bei der Unterschutzstellung von Gebäuden sei, betonte Dezernent Vogel.

Dazu ist zu wissen, dass die Pfarrkirche nicht von irgendwem gebaut wurde, sondern vom Kölner Baumeister Gottfried Böhm. Der deutsche Architekt erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Das konnte die Ausschussmitglieder auch nicht überzeugen.

Bei neun Gegenstimmen, drei Enthaltungen und nur vier Stimmen für den Antrag wurde der Beschluss zur Unterschutzstellung der Rochus-Kirche abgelehnt. Das wundert nicht, empfinden offenbar einige Mitglieder des Ausschusses Paragraph 2 des Denkmalschutzgesetzes NRW als „Gummiparagraph”.

Die dort angegebenen Kriterien machten es leicht, wenn man wolle, Gründe für eine Unterschutzstellung zu finden, hieß es. Da bleibt zu vermuten, dass die Friedenspfeife bei den Kommunalpolitikern und dem LVR wohl vorerst kalt bleiben wird.
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