Schönen: "Vielen Spielern fehlt es trotz Talents an Ehrgeiz"

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Seit über 40 Jahren spielt der 52-jährige Werner Schönen Fußball. Zurzeit ist er als Trainer beim FC 06 Rurdorf aktiv. Foto: hfs.

Jülich. Der ehemalige Fußball-Bundestrainer Sepp Herberger formulierte einmal treffend: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Ähnlich verhält es sich mit der nun zu Ende gegangenen Fußballsaison 2016/2017. Die ist Geschichte, es beginnt die neue Serie, die bereits seit Wochen die Trainer in vielen Vereinen auf Trab hält.

So zum Beispiel den 52-jährigen Werner Schönen, der für den FC 06 Rurdorf in seine zweite Saison nach der Neuaufstellung geht. Und der – wie auch andere Übungsleiter – mit der heutigen Mentalität vieler Spieler seine Schwierigkeiten hat. „Auf 80 Prozent aller Zusagen kann man sich nicht mehr verlassen“, lautet eine seiner Thesen in einem Interview mit unserem Mitarbeiter Helmut Schiffer.

 

Sind Sie froh, dass die Saison vorbei ist, die ja für den FC Rurdorf nach dem Aufstieg gut verlaufen ist.

Schönen: Natürlich bin ich froh. Nach einer mehr als durchwachsenen Hinrunde sind wir im Abschluss drittbeste Rückrunden-Mannschaft geworden. Aber ich muss betonen, dass dies in erster Linie darauf zurück zu führen ist, dass wir mit Robert Gase, Klaus Voike und Yannic Schönen zur Winterpause Spieler holen konnten, die uns enorm nach vorne gebracht haben.

Apropos Spielerverpflichtung: Sicherlich war es schwierig, eine neue Mannschaft, wie es nun einmal geschehen ist, in der A-Liga zu etablieren. Geht es nun leichter, sich zu verstärken und den Kader zu vergrößern?

Schönen: Dass es so schwierig sein würde, eine neue Mannschaft zu formen, hatte ich mir nicht vorgestellt. Aber jetzt ist die Aufgabe nicht leichter. Im Gegenteil: Bisher habe ich rund 35 Spieler angesprochen, im Endeffekt habe ich zwei Zusagen bekommen. Ob die dann allerdings noch beim Stichtag 1. Juli gelten, muss ich beziehungsweise der Verein abwarten.

Die Schwierigkeit besteht einfach darin, dass es fast unmöglich ist, die Akteure, an denen man interessiert ist, zu erreichen. Die haben zwar alle ein Handy, telefonieren aber nicht, tauschen sich nur mittels WhatsApp aus. Ich bin aber einer, der gerne das persönliche Gespräch führt. Aber das führt auch nicht immer zum Erfolg. Freitags bekommt man die definitive Zusage, die Absage erfolgt dann einen Tag später über WhatsApp. Einfach schrecklich, denn dann hätte ich auch den Mut, dies mündlich mitzuteilen.

Dass Gerangel um die Neuverpflichtung geeigneter Spieler ist groß. Braucht man Überredungskunst, muss man mit dem Geldbeutel winken oder zählt auch der menschliche Aspekt noch zu den Gesichtspunkten?

Schönen: Ich fange mit dem letzten Gesichtspunkt an. Ich spreche grundsätzlich nur mit Spielern, von denen ich denke, dass sie menschlich und charakterlich zu uns passen. Das zum einen, zum anderen ist es so, dass B-Ligaspieler, von denen man meint, dass sie das Zeug hätten, auch in der A-Liga zu spielen, sicherlich von sechs bis sieben anderen Vereinen angesprochen werden. So vermittelt man denen das Gefühl, dass sie wirklich Talent hätten, und sie die Frage nach dem Vereinswechsel direkt mit der Gegenfrage „Was bezahlt ihr?“ beantworten.

Aber generell sind es immer wieder die gleichen Spieler, die die Vereine untereinander austricksen wollen. Die sind bekannt. Solche Wechselvögel spreche ich aber generell nicht an. Zum dritten ist es so, dass die Tatsache, über einen Kunstrasenplatz zu verfügen, auch mit entscheidend ist. Dann hat man ja auch im Winter hervorragende Trainingsbedingungen, muss sich nicht auf matschigen Plätzen quälen. Ein eindeutiger Vorteil, wenn man über ein solches Geläuf verfügt. Aber um es auf den Punkt zu bringen: Auf 80 Prozent aller Zusagen kann man sich nicht mehr verlassen.

Geldverdienen in der A-Liga. Ist das denn überhaupt möglich?

Schönen: Die Zeiten, die sind vorbei. Wenn, dann bekommt man eine kleine Auflaufprämie oder eine kleine Siegprämie. Aber wenn ich das dann hochrechne, kannst du als Spieler vielleicht auf einige hundert Euro kommen, im ganzen Jahr. Aber das sind auch Ausnahmen, jedenfalls in der A-Liga.

Wie ist es eigentlich um die Qualität der Spieler in der A-Liga bestellt?

Schönen: Leider muss man feststellen, dass es vielen, trotz Talent, an Ehrgeiz fehlt, sich auch zu quälen. Es gibt sehr gute Akteure, denen man anmerkt, dass sie gewillt sind, höher spielen zu wollen. Aber sehr viele sagen sich, ob ich nun in der A- oder B-Liga auflaufe, spielt überhaupt keine Rolle, was ich ganz anders sehe. Aber die wollen mit möglichst geringem Aufwand ihrem Hobby nachgehen. Die Klasse spielt da keine Rolle.

Wenn Sie von wenig Aufwand reden, dann ist doch sicherlich die so genannte „dritte“ Halbzeit, wie es früher im Fußball üblich war, nicht mehr drin?

Schönen: Stimmt, was ich ehrlich bedauere. Heute wird geduscht, ein Wasser getrunken, dann sind die meisten weg. Man hat überhaupt keine Zeit mehr, noch das eine oder andere Wort über das Spiel zu wechseln. Mittlerweile ist es doch schon so, dass die verletzten Spieler noch nicht einmal am Rand stehen, wenn die Mannschaft spielt. Sie sind ja verletzt, dann interessiert das Spiel der Kameraden nicht.

Macht es denn überhaupt noch Spaß, den Trainerjob auszuüben?

Schönen: Ich habe meinem jetzigen Verein gesagt, dass ich noch ein Jahr den Trainerjob ausüben möchte. So wie bisher auch engagiert zur Verfügung stehe. Danach ist aber Schluss. Denn es frustriert immer mehr, auf Spielersuche zu gehen, Absagen zu bekommen, die Pokerei mitzumachen. Ich habe mich dafür entschieden, ab der übernächsten Saison nur noch im Jugendbereich zu arbeiten. Denn Fußball ist nun einmal seit vielen Jahrzehnten mein Leben.

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