Schlosskonzert: Zwillinge in perfekter Harmonie am Piano

Von: Hilde Viehöfer-Emde
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Valentin (l) und Richard Humburger beim vierhändigen Klavierspiel in der Schlosskapelle. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Die Verpflichtung des Leipziger Klavierduos Humburger war ein Glücksgriff der Veranstalter der Reihe der Jülicher Schlosskonzerte. Die eineiigen Zwillinge Richard und Valentin Humburger musizierten in vollkommener Harmonie Klavierwerke für vier Hände unterschiedlichster Epochen.

Deutlich unterschieden sie zwischen Originalwerken und Bearbeitungen. So versuchten sie bei der expressiven Fantasie und Fuge g -moll, die Johann Sebastian Bach für Orgel komponierte, nicht „historisch richtig “ zu interpretieren, sondern aus der Perspektive des Bearbeiters Max Reger zu spielen.

Damit kamen neben den kompositorischen Schwerpunkten des Werkes von Bachs auch die spätromantischen Vorstellungen Regers zum Tragen. Reger gelangen dabei neuartige pianistische Formulierungen, die den beiden virtuosen Pianisten des Abends reiche Klangwirkungen ermöglichten.

Zwei Originalwerke von Franz Schubert zeugten von dessen großen Interesse für die vierhändige Klaviermusik. Das Rondo in D-Dur lebte von der völligen Gleichbehandlung der beiden Spieler und der reizenden Melodie, die immer wieder neidlos dem anderen zugespielt wird, sich kreuzt und verbindet. Erst nach Schuberts Tod wurden Kompositionen seines letzten Lebensjahres veröffentlicht.

Die Fantasie f-Moll entstand Anfang des Jahres 1828. Ausdrucksvoll, tragisch gestimmt, von düsterer Stimmung geprägt, zeugt sie von dem Bewusstsein Schuberts über die Schwere seiner Krankheit und seiner Todesahnung. Die harten Akzente der Motivwiederholung arbeiteten die Pianisten ebenso deutlich heraus wie die langen kantablen Perioden. Sie musizierten dieses emotional aufgebaute Werk einfühlsam und musikalisch äußerst sensibel.

Felix Mendelssohn-Bartholdy war ein gewandter Improvisator. Ihm lag die Variationen Form besonders nahe. So klangen etwa auch sein Andante und Variationen B-Dur volksliedhaft schlicht und heiter, aber durchaus angenehm in der Leichtigkeit der melodiösen Komposition und Interpretation.

Auch Johannes Brahms liebte das Musizieren mit vier Händen und setzte die meisten seiner Kammermusikwerke für das vierhändige Spiel. Eine Huldigung an Wien und Johann Strauß sind seine Walzer op.39. In dieser kleinen Komposition ließen die beiden Musiker die Genialität Brahms in seinen intuitiven Erfindungen und musikalischen Ideen spüren. Die Leichtigkeit und Harmonie ihres Spiels verstärkten diesen Eindruck.

Fulminanter Abschluss des Konzertes war die Tannhäuser Ouvertüre von Richard Wagner in einer Bearbeitung von Hans von Bülow. Die charakteristischen Elemente der Oper mit ihren einprägsamen Arien wurden kraftvoll und ausdrucksstark herausgearbeitet.

Großen Applaus erntete das Klavierduo Humburger. Die sympathischen Musiker begeisterten durch technisch perfektes Spiel, hohe Musikalität, harmonisches Zusammenspiel und Interpretationsstärke.

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