Schleidener Stollen wird verfüllt

Von: gep
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Abgesackter Garten über dem Schleidener Luftschutzstollen. Foto: gep
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Jakob Leipertz: In dieser heute dicht gewachsenen Böschung befand sich ein Eingang zum Luftschutzstollen Freialdenhoven. Foto: gep

Aldenhoven. In der nächsten Woche beginnt die Verfüllung des alten Luftschutzstollens in Schleiden. Der Schutzbau aus dem Zweiten Weltkrieg ist teilweise eingebrochen und hat bereits zu Schäden an bebauten Grundstücken geführt.

Wie Bürgermeister Lothar Tertel erläutert, „wird von hinten gearbeitet“, um die Schäden an den Gärten hinter den sechs Häusern an der Siersdorfer Straße so gering wie möglich zu halten. Eingesetzt würden Bohrgerät mit einem großen Ausleger sowie eine Betonpumpe. Der 65 bis 80 Meter lange und bergmännisch errichtete Stollen, dessen Hauptteil in zehn Mietern Tiefe liegt, ist zwei Meter breit und zwei Meter hoch. Somit müssen etwa 300 Kubikmeter verpresst werden. Landrat Wolfgang Spelthahn, der das Verfahren an sich gezogen hatte, hat versichert, dass die Arbeiten bis Ende des Monats erledigt sein sollen.

Die Kosten werden auf 60.000 bis 80.000 Euro geschätzt, einschließlich der Gutachterkosten belaufen sie sich auf 100.000 Euro. Tertel unterstrich mit Blick auf das bisherige Verfahren: „Aldenhoven hat sich richtig verhalten.“ Dies habe der Gemeindeversicherungsverband (GVV), Köln, bestätigt. Die Gemeinde habe „sofort gehandelt“. Als erkannt worden sei, dass nach dem Großschaden vom Juni 2013 die erforderliche Gefahrenabwehr eine „andere Qualität“ angenommen habe, habe die Gemeinde andere Behörden kontaktiert, die aber „klipp und klar eine Zuständigkeit verneint“ hätten.

Schließlich habe sich der Kreis, der von 1990 bis 2009 die Baugenehmigungen an der Siersdorfer Straße erteilt habe, für zuständig erklärt. „Es existiert kein Bebauungsplan“ für das Areal, sagte Tertel. Es gebe nur eine Innenbereichssatzung. Als die Gemeinde eine Stellungnahme zu den damaligen Baugenehmigungen habe abgeben müssen, habe „kein Hinweis auf den Stollen“ vorgelegen.

Es gebe eine Akte von 1962, die den Eingangsstempel des Amtes Aldenhoven trage. Das darin enthaltene Schreiben des EBV enthalte die Lagepläne von neun Luftschutzstollen: Sie befanden oder befinden sich in Siersdorf an der Pützgracht und an der Bettendorfer Straße, einer in Freialdenhoven, einer in Dürboslar, über dem heute eine Halle für landwirtschaftliche Maschinen steht, einer am Ortsrand von Niedermerz, zwei in Schleiden, davon der zweite unter einer Wiese, einer in Aldenhoven, der nicht mehr existiert, und einer in Langweiler, das längst dem Tagebau hat weichen müssen. Der Landrat hat eine kreisweite Bestandsaufnahme angekündigt, um konkrete Risiken aller alten Schutzbauten zu erfassen.

Auf den Kopf gestellt

Der erste Schaden an der Siersdorfer Straße war im August 2012 aufgetreten. Daraufhin, so Tertel, sei das Archiv im Rathaus „auf den Kopf gestellt“ worden. Im Oktober sei die Akte entdeckt worden. Zu den Stollen selbst gebe es aber „keine Bauakte“. Kreis und GVV prüften nun unter dem Vorsatz „Wann wusste exakt wer vom Vorhandensein des Stollens?“. Dazu würden die Kaufverträge der Eigentümer, auch der Vorbesitzer einschließlich des insolventen Bauträgers, die Baugenehmigungen mit den beteiligten Behörden und Hinweise von Zeitzeugen unter die Lupe genommen. Tertel: „Nicht alle Beteiligten waren gutgläubig“. Und weiter: „Wir wussten von den Zeitzeugen nichts.“ Es „wundert mich“, dass diese die Gemeinde oder die Bauherren nicht informiert hätten.

Der Anwalt der Anwohner an der Siersdorfer Straße, Markus Mingers, zeigt sich unterdessen ungehalten über den „Stillstand“ beim weiteren Verfahren. „Wir erwarten so langsam ein Signal.“ Noch immer gebe es „keine verbindliche Aussage“ darüber, wer die Folgekosten übernehme. Dazu gehöre der finanzielle Aufwand für die Reparatur der Schäden an Häusern und Gärten sowie die Anwaltshonorare. Die Kosten für die Verfüllung übernimmt der Kreis unter Vorbehalt.

Ungeklärt ist, ob hier eine „Amtshaftung“ der Gemeinde oder des Kreises vorliegt oder vielleicht der Bund nach dem Kriegsfolgengesetz in der Pflicht steht. Vieles spreche für eine Amtshaftung der Gemeinde, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Stollen in Freialdenhoven

In Freialdenhoven ist die Lage des Luftschutzstollens mittlerweile geklärt – dank Ortsbürgermeister Jakob Leipertz, der dort selbst als Achtjähriger 20 bis 30 Mal mit Mutter und Geschwistern Schutz gesucht hat. Der Stollen liegt in der Böschung zwischen Dorfstraße und Sandgracht, er soll nach und nach eingestürzt sein. Noch in den 50er Jahren waren die beiden Eingänge sichtbar. Leipertz („Das ist doch schon 68 Jahre her“) und andere alte Freialdenhovener erinnern sich, dass der Stollen wie der in Schleiden von „Bergleuten“ vorgetrieben worden ist. Er war 1,50 Meter breit, zwei Meter hoch und vielleicht 100 Meter lang sowie mit Stempeln abgestützt. Die Bewohner, die dort bei Luftalarm und später auch bei Artillerieangriffen Schutz suchten, saßen auf Holzbänken, für Tische war der Stollen zu schmal. Platz war für etwa 100 Personen.

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