Jülich - Schirmers Werk ist Jülichs erster Exportschlager

Schirmers Werk ist Jülichs erster Exportschlager

Von: Volker Uerlings
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„Der Sonntagnachmittag” im Hintergrund: Projektmanager Christoph Fischer imd Kuratorin Susanne Richter vor einem zentralen Werk der großen Schirmer-Schau, die morgen eröffnet wird.

Jülich. Das Pulvermagazin der Zitadelle hat Johann Wilhelm Schirmer noch gekannt. Keine zwei Steinwürfe entfernt stand sein Geburtshaus in der damals sehr überschaubaren Jülicher Innenstadt, wo er am 7. September 1807 zur Welt kam.

Gut 200 Jahre danach zeigt das Museum Zitadelle Jülich als Teil eines überregional beachteten Verbundprojektes in jenem Pulvermagazin eine besondere Seite des schon zu Lebzeiten prominenten Landschaftsmalers. Die Ausstellung „Bilder auf Reisen - Schirmer und Amerika” wird morgen um 16.30 Uhr eröffnet und hat das Zeug zum Publikumsmagneten.

Der Künstler selbst war nie in Amerika, seine Werke sehr wohl. Die Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen des Hochkreativen, der ab 1824 in Düsseldorf an der Kunstakademie studierte und lehrte, waren Gegenstand des transatlantischen Handels. Kurzum: Es gab einen profitablen Markt für die Landschaftsbilder des Jülichers und seiner Schüler.

Dr. Christoph Fischer, Projektmanager des Museums Jülich: „Wir möchten zeigen, wie die Ideen und die Malweisen Schirmers tatsächlich zum Exportschlager geworden sind.” Die Schau in Jülich widmet sich so dem Apotheker William Karrmann, deutschstämmiger US-Einwanderer, der viele Bilder Schirmers kaufte. Er erwarb auch Skizzen und Zeichnungen, die für den Künstler gar nicht den Charakter eigenständiger Werke hatten.

Dampfschifffahrt als MotorÉ

Der florierende Handel war nicht ohne technische Errungenschaften möglich. Erst die Dampfschifffahrt samt Linienverkehr erlaubte den Transfer über den großen Teich in akzeptabler Zeit. Und mehr noch: Kamen Schirmers Kunstwerke in New York an, konnten sie über den Ohio per Schiff oder per Eisenbahn quer durch das riesige Land transportiert werden - zum Beispiel zu Karrmann nach Cincinnati.

Schirmers Kunst war nicht einfach „romantische Landschaftsmalerei”, sondern Ergebnis perfekten Handwerks und etlicher Kniffe. Die meisten Szenen, die er abbildete, waren und sind so nie zu finden. Er komponierte aus verschiedenen realen Bestandteilen eine Ideallandschaft. „Selbst wenn man das heute am PC versucht, sehen Bildmontagen immer gestückelt aus. Bei Schirmer nicht. Das wirkt so, als wäre es eine reale Landschaft. Da gehen ihm die Betrachter bis heute auf den Leim”, erklärt Dr. Christoph Fischer die Fertigkeiten, die der Jülicher fast 300 Schülern vermittelte. „Dazu muss man sein Handwerk schon sehr gut verstehen.”

Der gute Ruf, der Schirmer vorauseilte, spiegelt sich nicht nur im Verkauf vom „Rheinland in die Welt” wider. Dieser damals „angesagte” Stil lockte auch amerikanische Künstler nach Deutschland, die von Schirmer lernen wollten.

Im Pulvermagazin der Zitadelle finden sich knapp 50 Ausstellungsstücke - von großformatigen Ölgemälden, die recht düster wirken, über frische, mittelgroße Aquarelle bis hin zu kleinen Schwarz-Weiß- und Farbzeichnungen. Briefe und andere Dokumente runden eine sehenswerte Ausstellung ab, die bis zum 31. Oktober jeden Tag besichtigt werden kann (siehe Info rechts). Die meisten Kunstwerke befanden sich im Besitz der Stadt Jülich, einige wurden neu angeschafft und sind jetzt in Deutschland zum ersten Mal zu sehen. Die Verbundveranstaltung ist so etwas wie ein ganz großer Wurf für das kleine Museum Zitadelle.

Leiter Marcell Perse und sein Team haben es verstanden, mehrere rheinische Einrichtungen ins Boot zu holen und damit auf breiter Front Schirmers Schaffen in diesem Jahr zu würdigen. Das Clemens-Sels-Museum Neuss, das museum kunst palast Düsseldorf, das LVR-Landesmuseum Bonn, das Siebengebirgsmuseum Königswinter und die Städtische Galerie Villa Zanders Königswinter zeigen einzelne Aspekte der Kunst des Malers. Der stirbt im Alter von 56 Jahren als Professor und Gründungsdirektor der Karlsruher Kunstschule - und als eine der größten Persönlichkeiten, die Jülich hervorgebracht hat.

Ausstellung bis 31. Oktober geöffnet

Die Schau „Bilder auf Reisen - Schirmer und Amerika” dauert bis zum 31. Oktober. Das Foto rechts zeigt ein Selbstporträt von 1855. Die Ausstellung ist an jedem Wochentag geöffnet: montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr; samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr.

Eintritt: 4 Euro (3 Euro ermäßigt); Kinder bis 10 Jahren frei; Familienkarte 6 Euro. Am 16. Mai und am 12. September ist der Eintritt frei.

Kuratorenführungen finden an jedem dritten Sonntag im Monat ab 11 Uhr statt.
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