Schimmelbefall: Rentner lebt seit neun Monaten im Auto

Von: Guido Jansen
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Leben auf der Straße: Seit neun Monaten findet Matthias Strick Zuflucht in einem Auto. Der Wagen ist mal hier auf Jülicher Stadtgebiet geparkt, mal da. Am Steuer sitzt seine Krankenpflegerin. Foto: Guido Jansen
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Lebensgefahr: Matthias Strick sagt, dass die Ärzte ihm verboten haben, sein Haus zu betreten, weil er hoch allergisch auf den Schimmelbefall reagiert. Foto: Guido Jansen

Jülich. Der Ring an seinen Fingern zeigt, dass Matthias Strick nicht immer so gelebt hat wie heute. „Den habe ich selbst gemacht“, sagt der 75 Jahre alte Mann aus Jülich und blickt auf das Schmuckstück aus Zeiten, in denen er ein besseres, weil normales Leben geführt hat. Seit April lebt Strick auf der Straße, im wörtlichen Sinne.

Er schläft in einem Kombi, steht mal hier am Straßenrand, mal da. Sein Haus im Jülicher Stadtteil Pattern kann der Rentner nicht mehr betreten, sagt er. „Die Ärzte sagen, dass für mich Lebensgefahr besteht.“

Im April gab es einen Wasserrohrbruch in einer Leitung der Stadtwerke. Das Wasser sickerte in den Keller des Hauses ein, in dem damals noch Strick, seine Frau und seine Pflegerin wohnten. Das Unternehmen hat das Wasser abgepumpt, eine Trockenanlage aufgestellt und baute ab, als die Experten den Schaden als beseitigt erachteten. „Das hat aber nicht gereicht“, sagt Strick.

Das Haus sei immer noch feucht, mittlerweile hätte sich der Schimmel überall breit gemacht. Und weil Strick auf den Schimmel allergisch reagiert, kann er nicht mehr in seinem Haus leben, sagt er. Seit neun Monaten ist das Auto deswegen sein Dach über dem Kopf. 16 Mal sei er im Krankenhaus gewesen, meistens dann, wenn er trotzdem in seinem Haus war. Seit dem Wasserschaden sei es mit seiner Gesundheit rapide bergab gegangen. Für Strick ist klar, dass der Wasserrohrbruch und die aus seiner Sicht unvollständige Nachsorge der Grund dafür sind. „Ich bin am Ende“, sagt er. Körperlich und finanziell.

Monate sind vergangen

„Wenn wir verantwortlich sind, dann werden wir zu unserer Verantwortung stehen“, sagt Sigrid Baum, die Sprecherin der Stadtwerke Jülich. Die Antwort auf die Frage nach der Ursache zieht sich hin. Stricks Anwalt Wolfgang Dehlen hat Anfang Oktober ein selbstständiges Beweisverfahren beantragt. Das Amtsgericht Jülich hat abgelehnt, jetzt läuft das Beschwerdeverfahren beim Landgericht Aachen.

Drei Monate sind vergangen, ohne dass die Antwort auf die entscheidende Frage gefunden werden konnte, nämlich ob der Wasserrohrbruch die Ursache für den Schimmelbefall ist, oder ob es einen anderen Grund dafür gibt, dass das in die Jahre gekommene Gemäuer für Strick nicht mehr bewohnbar ist. Erst wenn ein Gericht zustimmt, kann ein unabhängiger Gutachter Matthias Stricks Haus untersuchen.

Bis dahin dürfte das Auto Stricks Zuhause sein. Seine Frau befindet sich derzeit, so berichtet Strick, nach schwerer Herz-Krankheit in Kur, die Pflegerin begleitet den 75-Jährigen, fährt das Auto. Hilfe habe er kaum bekommen. Der Sohn wohne weit weg in Bayern. Und bei allen Ämtern und Behörden werde er vertröstet oder hin und her verwiesen. „Da fühlt sich keiner zuständig“, sagt Strick. „Wir haben ihm eine Wohnung zur Miete angeboten, die hat er nicht gewollt“, sagt Martin Schulz, der Beigeordnete der Stadt Jülich.

Die Wohnung habe eine Treppe gehabt, und Treppen herunter gehen könne er nicht mehr, entgegnet Strick darauf. Auch den Umzug in ein Altenheim lehnt er ab. „Wozu habe ich denn ein eigenes Haus?“, sagt er. Dauerhaft in einem Hotel oder Pension leben kommt offenbar der Kosten halber nicht in Frage. Wenn das Landgericht das Beweisverfahren zulässt und der Gutachter zu dem Schluss kommt, dass der Wasserschaden nicht der Grund ist, dann bleibt Strick auf den Kosten sitzen. Günstig ist aber auch das Leben im Auto nicht. In kalten Tagen muss der Motor im Stand viel laufen, damit es nicht zu kalt wird.

„Alle Parteien sind an einer schnellen Lösung interessiert“, sagt Baum für die Stadtwerke. In einer Jülicher Gruppe eines sozialen Internet-Netzwerks wurde das Unternehmen jetzt wieder auf den Fall aufmerksam und hat kurz vor dem Jahreswechsel Kontakt mit Dehlen aufgenommen. Für Freitag ist ein Ortstermin mit allen Beteiligten geplant.

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