Jülich - Schimmel-Streit: Rentner kurz nach Wiedereinzug gestorben

Schimmel-Streit: Rentner kurz nach Wiedereinzug gestorben

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Baustelle: Im Frühjahr 2015 wurde das Haus von Matthias Strick saniert. Einziehen konnte er zunächst nicht, weil der Schimmel seiner Aussage nach nicht beseitigt war. Foto: Jansen

Jülich. Matthias Strick hat seinen Hut genommen. Endgültig. Der Rentner aus Jülich ist am Donnerstag vergangener Woche gestorben. Das berichtete seine langjährige Pflegerin Andrea Ross. Strick wurde 77 Jahre alt. In den vergangenen zwei Jahren schrieb er im Jülicher Land Schlagzeilen aufgrund des Streits um sein Haus im Stadtteil Pattern.

Die Frage, ob ein Wasserschaden aus dem Jahr 2014 die Ursache für das lange danach noch anhaltende Schimmelproblem ist, bleibt weiter unklar. Für Strick war das immer unstrittig, bewiesen ist das bisher keinesfalls. Wegen des Schimmels konnte Strick sein Haus lange nicht betreten. Tat er es doch, musste er ins Krankenhaus. Das hat er immer wieder erklärt.

Er lebte deswegen trotz Gehbehinderung und eines allgemein schlechten Gesundheitszustandes die meiste Zeit im Auto, auch im tiefsten Winter. Anfang 2016 nahm er sich ein Appartment in Tetz. Bis auf die letzten beiden Wochen seines Lebens. In denen kehrte er zurück in sein Haus. „Er wollte mit der Sache abschließen und nicht mehr länger abwarten“, sagte Andrea Ross, seine langjährige Pflegerin.

Ob die Rückkehr ein später Sieg war, oder vom Wunsch geprägt, die vermutlich letzten Tage, Wochen oder Monate zu Hause zu verbringen, oder beides, das liegt im Auge des Betrachters. „Er war aber zufrieden, dass er seinen Willen bekommen hat“, schilderte Ross. „Gerechtigkeit – das war ihm wichtig.“

Seine Versicherung war für die Beseitigung des Wasserschadens aufgekommen und hatte ihm auch eine Entschädigung gezahlt. Das war 2015. Bis weit ins vergangene Jahr monierte Strick jedoch, dass der Schimmel ihm das Leben in seinem Haus unmöglich gemacht habe. Zuletzt, in den letzten zwei Wochen seines Lebens, traten die Probleme nicht mehr auf, wie Ross berichtete.

Der Ausgangspunkt war eine defekte Wasserleitung unter seinem Haus, die einen Wasserschaden verursacht hatte. Das ist unstrittig. Alles, was danach kam, war Streit. Strick stritt sich mit dem Verursacher, mit Anwälten, Gerichten, Gutachtern.

Ob und welche gesundheitlichen Probleme mit dem Wasserschaden und dem laut Strick daraus entstandenen Schimmelproblem zu tun haben und welche deswegen schlimmer geworden sind, das wird sich nicht mehr klären lassen. „Am Ende war er nur noch Haut und Knochen“, sagte Ross.

Jetzt, in den ersten Tagen des neuen Jahres, kurz nach seinem Tod, liegt ein Gutachten vor über den Schimmelbefall in Stricks Haus. Das sagte sein Anwalt Wolfgang Dehlen.

Über den Inhalt des Gutachtens machte Dehlen keine Angaben. Er erklärte, dass das Beweissicherungsverfahren vor dem Amtsgericht Jülich, in dessen Rahmen das Gutachten erstellt wurde, weiterhin laufe. „Ob das Verfahren weitergeführt wird, ist jetzt Sache der Erben“, schilderte Dehlen.

Andrea Ross hat ihre eigene Sichtweise auf den Umgang mit Stricks Haus. „Man hat einfach stillgehalten in der Hoffnung, dass sich die Angelegenheit erledigt“, spielte sie auf die absehbar geringe Lebenserwartung Stricks an. Dehlen relativierte diese Aussage. Der Tod einer Partei bedeute vor dem Gesetz nicht das Ende des Verfahrens. „Falls es einen Anspruch auf weitere Entschädigung gibt, dann geht der auf die Erben über.“

Frieden hatte Strick in seinen letzten Tagen offenbar ein Stück weit in seinem Haus gefunden. „Er war so stolz darauf, wieder daheim zu sein“, berichtete Stricks Bekannte Ilonka Liska, die ihn am 2. Weihnachtstag besucht hatte.

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