Schimmel-Streit in Mersch-Pattern schwelt immer noch

Von: Guido Jansen
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Der Baucontainer ist mittlerweile ein vertrauert Anblick für Matthias Strick: Seit Anfang Mai wird sein vom Schimmel befallenes Haus innen saniert. Foto: Guido Jansen
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Entkernt: Das Haus von Matthias Strick sieht aktuell von innen aus wie ein alter Rohbau. Foto: Guido Jansen

Jülich. Matthias Strick (75) hat sich erholt. „Ich fühle mich besser“, sagt der Mann, dessen Wohnsitz immer noch in Mersch-Pattern ist, obwohl er dort seit über einem Jahr nicht mehr lebt. Meistens sitzt er dieser Tage in einem Auto, das vor der Haustüre abgestellt ist.

Seit einem Jahr, so sagt er, kann er sein Haus nicht mehr betreten, weil er hoch allergisch auf den Schimmelbefall in den eigenen vier Wänden reagiert. Wie oft er seitdem im Krankenhaus gewesen ist, weil er trotzdem sein Haus betreten hat und sein Körper heftig reagiert hat, könne er nicht mehr zählen.

Für Strick steht nach wie vor fest, dass ein Wasserrohrbruch im vergangenen Jahr direkt an seinem Haus der Grund für alles ist. Das Beweissicherungsverfahren des Amtsgerichts, das klären soll, ob der Wasserrohrbruch der Grund und damit die Stadtwerke Jülich der Verursacher sind, läuft immer noch. Der Ausgang ist offen.

Vor knapp drei Monaten wurde es wieder in Gang gesetzt, nachdem das Landgericht Aachen verfügt hatte, dass das Amtsgericht es durchführen soll. Ursprünglich hatte die Jülicher Stelle es verwehrt. Allein das hat Zeit gekostet. „Ein solches Verfahren kann lange dauern“, sagte Stricks Anwalt Wolfgang Dehlen. Strick selbst berichtet von einem nächsten Begutachtungstermin morgen.

Trotzdem ist viel passiert in den vergangenen Wochen und Monaten. Stricks Versicherung, die Provinzial, hat 36.000 Euro aufgrund der Hausratsversicherung ausgezahlt. Außerdem hat sie Geld bereitgestellt, damit Strick und seine Betreuerin, die früher mit im Haus gelebt hat, in einem Hotel schlafen können. Wegen der Gebäudeversicherung finanziert die Versicherung derzeit auch die Arbeiten im Haus.

Sechs Schuttcontainer voller Hölzer – Wand- und Deckenverkleidung – haben Arbeiter herausgerissen, das alte Haus innen quasi bis auf die Grundmauern herunter geschält. „Am Mittag haben sich die Arbeiter aber verabschiedet“, berichtete Strick am Dienstag. Wie es weiter geht, weiß er nicht. „Mein Haus sieht aus wie eine riesige Baustelle.“ Eine Nachfrage bei der Provinzial ergab, dass die Versicherung die Arbeiten vorantreiben wolle, bis zum Abschluss. „Das wäre ein Traum für mich“, sagte Strick. „Ich habe keine Lust, noch einen Winter im Auto zu leben. Das schaffe ich nicht.“

So recht trauen will der 75-Jährige der Aussage aber nicht. Mittlerweile glaubt Matthias Strick nämlich nichts mehr auf Anhieb. Der schwelende langwierige Rechtsstreit, der Winter im Auto und der rasant verschlechterte körperliche Zustand haben ihn grundsätzlich misstrauisch werden lassen. „Ich bin mittlerweile fast blind. Und gehen kann ich auch nicht mehr.“ Vor dem Wasserschaden, bei dem sein Haus unterspült worden sei, sei das anders gewesen. Mittlerweile ist er komplett auf seine Pflegerin angewiesen.

Weitere Schritte

Strick wartet auf den Ausgang des Beweissicherungsverfahrens, genau wie die Versicherung. Sollte sich ein Verursacher finden, dann wird dieser haftbar gemacht. „Ich hoffe, dass das bald ein Ende findet“, sagt Strick. Sollte er irgendwann in sein Haus zurückkehren können, weil es schimmelfrei ist, dann will der 75-Jährige auch weitere Schritte machen. Vielleicht bessert sich der Zustand weiter, so dass er wieder alleine aufstehen und gehen kann. Und vielleicht können die Ärzte auch etwas an seinem Augenlicht tun. Aber zunächst geht es um sein Haus.

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