Jülich - Schimmel: Jülicher Archivalien in Gefahr

Schimmel: Jülicher Archivalien in Gefahr

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Platzmangel und schwierige Arbeitsbedingungen: Archivar Dr. Horst Dinststühler an seinem Arbeitsplatz. Auch hier türmen sich die Archivalien. Foto: Mengel-Driefert
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Das Jülicher Archiv beherbergt eine umfassende Zeitungssammlung: Die älteste Ausgabe des Kreis Jülicher Korrespondenzblatts ist von 1823.

Jülich. Schimmel ist der Feind des Archivars. Denn: Schimmel zerstört Dokumente, nimmt keine Rücksicht auf das Alter oder den Wert der Dokumente. Das gilt leider auch für das Jülicher Stadtarchiv. Dr. Horst Dinstühler musste Schimmelbefall an den Kartons des Nachkriegsbestandes feststellen, die sich in Kellerräumen des Alten Rathauses befinden.

Massiven Schimmelbefall gibt es auch an alten Gesetzestexten aus dem 19. Jahrhundert. Sie werden in der alten Musikschule aufbewahrt. Augenscheinlich wird an dieser Stelle das seit Jahren währende Problem: Das Jülicher Archiv ist nicht zentral und nicht optimal untergebracht, sondern in verschiedenen Räumen, insgesamt sieben, auf dem Stadtgebiet verteilt. Und was in der Konsequenz erheblicher ist: Der Bestand der Jülicher Archivalien ist in Gefahr.

Zwar sei schon eine Firma beauftragt, die den Schimmel beseitigen soll, informiert Horst Dinstühler, doch sagt er deutlich: „Wenn die Archivalien dauerhaft in klimatisch ungeeigneten Räumen untergebracht sind, entstehen weitere Kosten, um die Dokumente wiederherzustellen.“ Die jährlich veranschlagte Summe von 7000 Euro für Restaurationen reiche nicht annähernd dafür aus.

Dass beschädigte Dokumente restauriert werden, steht für Dinstühler außer Frage. Er bezieht sich dabei auf das Archivgesetz, das besagt, Archivalien sind sachgemäß zu verwahren, zu sichern und zu erhalten. Um es deutlicher auszudrücken: „Die Kommunen haben die Aufgabe, Archivalien sachgemäß zu lagern und zu verwalten“, sagt Dinstühler.

Raumtemperatur entscheidend

Ist in Archivräumen die relative Luftfeuchte längere Zeit zu hoch, beginnen die ersten Schimmelpilzsporen zu wachsen. Von entscheidender Bedeutung für den Erhalt der Dokumente ist ebenso die Raumtemperatur. Papier braucht 14 bis 18 Grad Celsius sowie eine relative Luftfeuchte von 40 bis 50 Prozent. Pergament und Fotos benötigen niedrigere Temperaturen und eine etwas höhere Luftfeuchte. Schwankungen müssen ausbleiben. Die Temperatur darf nicht mehr als ein Grad und die Feuchte nicht mehr als drei Prozentpunkte abweichen, damit keine Schäden eintreten.

Eine Klimaanlage gebe es im Kulturhaus, in dem sich ebenfalls Archivalien befinden, allerdings sei sie nach Aussage Dinstühlers von ihren Kapazitäten zu klein und funktioniere nicht einwandfrei. Das führe zu Temperaturschwankungen und der Zerstörung von Papier, vor allem bei alten Zeitungsseiten. Das ist besonders brisant, da dass Archiv in Jülich eine umfassende Zeitungssammlung beherbergt. Die älteste Ausgabe ist von 1823.

Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahre 1366. Aus dem 16. Jahrhundert ist ein großes Aktenkonvolut archiviert. Stadtrechnungen legen tägliche Einnahmen und Ausgaben in detaillierter Form dar. „Das ist eine Seltenheit“, sagt Dinstühler. Ein weiteres Schätzchen sind fotografische Aufnahmen der Jülicher Altstadt von 1938. Prof. René von Schöfer von der Technischen Hochschule Aachen erhielt damals den Auftrag, Stadtaufnahmen zur Modernisierung der Altstadt zu erstellen. Er dokumentierte jedes Haus fotografisch. Heute seien es die einzigen Bilder, die das Jülicher Zentrum vor seiner Kriegszerstörung zeigen. Darüber hinaus lagern im Archiv Urkunden des Standesamtes. Sie sind die mit Abstand meist nachgefragtesten Medien.

Wer das Archiv im Kulturhaus aufsucht, bekommt einen Einblick von der räumlichen Enge und den Arbeitsbedingungen Dinstühlers. Aus Platznot türmen sich Archivalien auf und um seinem Schreibtisch. Eigentlich schien mit einem internen Verwaltungsbeschluss in 2013 Besserung in Sicht. Die Räume der ehemaligen Realschule wurden für geeignet befunden und mit Vertretern der Volkshochschule, deren Umzug ebenfalls in Planung war, aufgeteilt, erklärt Dinstühler.

Die Volkshochschule ist mittlerweile in der Realschule untergebracht, allerdings mitunter in den einzigen Räumen, die für eine zentrale Unterbringung des Archivs in Frage kommen sollten.

Statik ist von Bedeutung

Dabei spielten nicht nur die klimatischen Bedingungen eine Rolle, sondern sei auch die Statik von Bedeutung. Nicht alle Räumlichkeiten hätten die entsprechende Tragfähigkeit.

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