Schiefergas in der Tiefe des Jülicher Landes?

Von: gep
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Ein Bohrturm in Niedersachsen:
Ein Bohrturm in Niedersachsen: Hier hat das für das Fracking-Verfharen benötigte benzolhaltige Lagerstättenwasser den Boden kontaminiert. Foto: imago/M.Bahlo

Aldenhoven. Die Gemeinde Aldenhoven will sich über die Risiken des Fracking-Verfahrens zur Erdgas-Gewinnung informieren, bevor die ersten Probebohrungen stattfinden. Peter Kühn (Freie Wählergemeinschaft) und Reinhard Paffen (CDU) haben das Thema Fracking im Gemeinderat zur Sprache gebracht.

Der Energieversorger Wintershall aus Kassel, BASF-Tochter und Gazprom-Partner, hat ihren Claim bereits abgesteckt. Seit August 2010 hat das Unternehmen die bergrechtliche Bewilligung zur geologischen Erkundung im Erlaubnisfeld „Rheinland”, zu dem auch das Jülicher Land gehört.

Es gehe um „geologische Vorerkundungen zur Bewertung des Ressourcenpotenzials möglicher Schiefergas-Lagerstätten in den Gebieten. Tiefbohrungen oder Frac-Operationen sind nicht geplant”, betont Wintershall. Auch bei der Bezirksregierung Arnsberg als Bergaufsicht heißt es, dass Gewinnungsberechtigungen in NRW „weder beantragt noch erteilt” worden sind.

Laut Wintershall sind zunächst nur Kern-Bohrungen bis zu einer Tiefe von 200 bis 300 Metern geplant, um Gesteinsproben zu entnehmen. Das Schiefergas lagert in sogenannten unkonventionellen Lagerstätten. Das Methan ist an gering durchlässige Trägergesteine wie Steinkohle, dichte Sand- oder Kalksteine oder Tonstein gebunden, dem Muttergestein.

Bei der Fracking-Methode wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in diese tiefen Schichten gepresst, um das Gestein durch hohen Druck so aufzubrechen, dass das Schiefergas durch feine, nur Millimeter hohe Risse fließen kann. Hydraulic Fracturing schafft also die Fließwege für das Gas bis zur Bohrung aus einzementierten Stahlrohren.

Beim Fracking werden, so Kritiker, auch wassergefährdende Stoffe eingesetzt. Die Additive machten etwa zwei Prozent des Flüssigkeitsgemisches aus Wasser und Sand aus, laut Wintershall sind es „weniger als ein Prozent, häufig unter 0,5 Prozent”. Ziel sei es, so das Kasseler Unternehmen, nur Inhaltsstoffe zu verwenden, die höchstens der Wassergefährdungsklasse 1 entsprechen; hier finden sich etwa die Scheibenwisch-Flüssigkeit Glykol, Salzsäure oder das Reinigungsmittel Aceton.

Nach weiteren Angaben von Wintershall bildet zudem in der Regel ein mehrere hundert Meter mächtiges Deckgebirge eine „sichere Barriere” zu den Trinkwasser-führenden Schichten, die meist in einer Tiefe von zehn bis 100 Metern Tiefe liegen. Der Siersdorfer Paffen, einst Ingenieur beim Eschweiler Bergwerksverein, schätzt, dass es eher im Westen des Aachener Steinkohlenreviers ausbeutbare Vorkommen geben könnte.

Dass Gas im Untergrund des Aachener Reviers lagert, ist unzweifelhaft. Auf der längst stillgelegten Siersdorfer Zeche Emil Mayrisch wurde etwa das Kesselhaus mit Grubengas betrieben - statt es „kalt” abzufackeln. Hauptbestandteil des Flözgases ist das bei Bergleuten wegen seiner Explosivität gefürchtete Methan. Heute gilt es eher als „Klimakiller”. Methan wird auch in Biogasanlagen bei der Vergärung von Gülle und Mais erzeugt und zur Erzeugung von Strom (und Wärme) genutzt.

Von 2002 bis 2005 war in Alsdorf eine Grubengas-Nutzungsanlage in Betrieb. Die Anlage saugte das Grubengas rund 230 Meter tief aus dem Schacht Eduard von Anna II an und führte es Motoren zur Stromerzeugung zu. Der Strom wurde in das Netz der EWV eingespeist. Wegen aufsteigenden Grubenwassers war schließlich eine Absaugung nicht mehr möglich.

Auf Emil Mayrisch wurde Steinkohle aus einer Tiefe von bis zu 880 Metern gefördert. Schiefergas-Vorkommen könnten in einer Tiefe von etwa 2000 Meter vorhanden sein. Das Deckgebirge aus Kies, Ton und Braunkohle ist, so Paffen, 400 bis 500 Meter mächtig. Darunter im Karbon, dem Steinkohlengebirge, befinden sich die Flöze. Allerdings ist die harte Tonschicht nicht durchgängig dicht.

Fracking ist längst auch ein landes- und bundespolitisches Thema. So scheiterte die NRW-Landesregierung in diesem Monat im Bundesrat mit dem Vorschlag, eine Umweltvertäglichkeitsprüfung für die unkonventionelle Gasförderung festzuscheiben. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne): „Fracking birgt erhebliche Gefahren für Umwelt und Menschen.”

Derzeit ist zudem im Auftrag der Landesregierung eine Risikostudie in Arbeit, die potenzielle Gefährdungen insbesondere des Grundwassers” ermitteln soll.
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