Scheidender Bürgermeister Ulrich Schuster verabschiedet sich

Von: jan
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Schwierige Themen prägten die letzte Ratssitzung von Indens Bürgermeister Ulrich Schuster (vorne). Jetzt freu er sich mit Sohn Daniel, Frau Elisabeth und Schwiegertochter Verena auf den bald beginnenden Ruhestand. Foto: Guido Jansen

Inden. Gerne bemüht man in solchen Situationen das Bildnis vom lachenden und weinenden Auge. Auf die letzte Ratssitzung, der der scheidende Indener Bürgermeister Ulrich Schuster vorgesessen hat, trifft das Bild zu.

Nicht nur, weil der Abschied dem ersten Bürger nach über 30 Jahren in der Gemeindeverwaltung schwer fällt und er sich gleichzeitig auf den Ruhestand freut, sondern auch, weil einige der Inhalte der letzten Ratssitzung untern seiner Leitung nach Schusters Angaben „jetzt nicht so der Bringer“ waren.

Für Kopfschütteln im Rat sorgte die Mitteilung, dass die Folgen der illegalen Ölentsorgung im Gewerbegebiet Pier die Gemeinde bisher fast 500.000 Euro gekostet haben – Kosten, die die Indener Steuerzahler tragen müssen. Wie berichtet gab es mehrere Fälle, bei denen im Gewerbegebiet mehrere tausend Liter Altöl in den Regenwasserkanal geleitet wurden.

„Wir hatten nur das Glück, dass immer relativ viel Wasser im Kanal war“, sagte Schuster. Mit weniger Wasser im Kanal wäre das Öl unter der Tauchwand hindurch in die Rur gelangt und hätte laut Schuster „eine Katastrophe von unfassbaren Ausmaßen“ ausgelöst. Die Suche nach den Tätern läuft immer noch. Die Auswertung der Überwachungskamera ergab keine Ergebnisse, so dass jetzt davon ausgegangen wird, dass das Öl diesmal an anderer Stelle im Industriegebiet in den Kanal geleitet wurde. Die Gemeinde prüft jetzt weitere Gegenmaßnahmen. Was Schuster von der Sache hält, machte er deutlich, als er sagte, dass er sich genau so auf den Marktplatz stellen könnte und 500.000 Euro in kleine Stücke reißen könne. Das wäre genau so weggeworfenes Geld.

Dem Rat schrieb Schuster mit Blick auf die finanzielle Zukunft noch einen wenig erfreulichen Hinweis ins Aufgabenbuch. Der Spielraum werde geringer, mit dem es der Gemeinde gelingen kann, den im Haushaltssicherungskonzept verankerten ausgeglichenen Haushalt bis 2022 darstellen zu können. „Da muss man überlegen, ob nicht doch Steuererhöhungen notwendig sind“, sagte er.

Passend zum Thema trug Johann Josef Schmitz (SPD), der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses, den Jahresabschluss für 2014 vor. Bei Erträgen von 17.243.913 Euro und Aufwendungen von 17.773.991 Euro wird das Jahr mit einem Fehlbetrag von 530.078 Euro abgeschlossen. Aktuell läuft das Doppelhaushaltsjahr 2015/16, für das der Gemeinderat keine Steuererhöhung beschlossen hat. „Das Aufstellen des Haushalts für 2017 wird unter ganz anderen Bedingungen stattfinden“, sagte Schuster.

Kurz vor dem Ende der Sitzung, nach der Schuster zu einer kleinen Verabschiedungsfeier geladen hatte, erinnerte der Bürgermeister die Ratsmitglieder an Grundsätzliches. Er forderte den Rat zu Geschlossenheit auf. „Die Bürger interessieren sich nicht für Gezänk im Rat, sie messen die Arbeit an der Qualität der Entscheidungen.“

Zu Beginn der anschließenden Feier wünschte sich Schuster keinen „Festakt wie bei einem Staatsbegräbnis“. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Reinhard Marx bezeichnete Schuster lächelnd als „westfälischen Dickkopf, der es jetzt schon über 30 Jahre im Rheinland aushält“ und stimmte mit seinem SPD-Gegenüber Rudi Görke im Fazit überein, dass Schuster „ein sehr kooperativer Bürgermeister“ gewesen sei.

Der UDB-Fraktionsvorsitzende Herbert Schlächter griff Schusters Wunsch auf und machte sich für ein künftig faires Miteinander im Rat stark. Bei Schuster, dessen stellvertretender Bürgermeister er zehn Jahre lang war, bedankte er sich für „die gute Zeit“. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Hella Rehfisch bedankte sich bei Schuster für sein „immer offenes Ohr“ und dass er in seiner Meinung nie schwarz oder rot gewesen sei. Mit einem Lächeln auf den Lippen merkte Schuster zum Schluss an: „Danke für die netten Worte. Das hättet ihr ruhig schon mal früher tun können.“

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