Barmen - Schauspielwerkstatt: „Streit am Gartenzaun“ mit viel Gefühl

Schauspielwerkstatt: „Streit am Gartenzaun“ mit viel Gefühl

Von: ptj
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„Camera acting“ vor dem Gartenzaun: Die russische Schauspielerin Maria Grigoryeva (l.) mimt im Dialog mit Teilnehmerkollegin Karima Pohl die Nachbarin, die Abstand gewinnen will, bevor die Bitte ausgesprochen ist. Es filmt Dozent Volker Waldeck, das Mikro hält Christina Papenfuß.

Barmen. Wo liegt der Hauptunterschied zwischen Film- und Theaterschauspiel? Beim Film „darf man ein bisschen natürlicher spielen“ als auf der Theaterbühne, wo das überdeutliche Schauspiel „für den Zuschauer in der ersten Reihe genauso gut sichtbar sein muss wie für den in der letzten“. Details können im Film sogar einzeln inszeniert werden.

Das vermittelte Dozent Volker Waldeck den acht Teilnehmern der Oktober-Schauspielwerkstatt der Aachener Schauspielschule in Haus Overbach im Fach „Camera Acting“, also Schauspielunterricht vor der Kamera. Réné Blanche, Leiter der Aachener Schauspielschule und des Burgtheaters Overbach, hatte im Vorfeld zwei zunächst belanglos erscheinende Übungsdialoge geschrieben, mit der Überschrift „Am Gartenzaun“ und „Im Aufzug“, letzterer mit einer Prise trockenem Humor versehen. Die Dialoge sind ohne Interpunktionszeichen gehalten, „damit sie nicht zu textlastig sind, sondern Gefühl finden“, wie Blanche es formulierte.

Dialog „Am Gartenzaun

Dass man mit einem Text „verschiedenste Dinge sagen kann“, bewiesen im Anschluss die acht Ferienaktiven, in Zweiergruppen aufgeteilt. Das Nachbarschaftsgespräch „Am Gartenzaun“ interpretierte das erste Duo eher spannungsgeladen. Die Unterhaltung über Wetter und Rosenbeet dient als Vorspiel für eine Bitte, die eine Nachbarin an die andere richten will. Diese will sich aber aus der Verantwortung ziehen, Abstand gewinnen und reagiert auf die Frage: „Darf ich Sie um einen Gefallen bitten?“ mit eingefrorener Miene. Bei der Interpretation durch das zweite Paar spürte der Zuschauer die Nähe der Protagonistinnen zueinander.

Nachdem die Werkstattteilnehmer aus drei bis vier verschiedenen Blickwinkeln nach und nach in ihre jeweiligen Rollen hineingefunden hatten, galt es im praktischen Teil, „Kontinuität reinzubringen und auf den Punkt zu spielen“, wie Waldeck es ausdrückte. Highlight der fünftägigen Schauspielwerkstatt mit gemeinsamem Mittagessen waren einige vor der Kamera gedrehte Szenen, die jeder Mitstreiter auf einem Stick mit nach Hause nehmen durfte.

Im Vergleich zur Sommerschauspielwerkstatt, die am selben Ort stattgefunden hatte, kamen die Teilnehmer im Oktober in den Genuss eines weiteren Schulfachs. Neben (einfachem) Schauspieltraining, Gesang, Sprecherziehung, Bühnenkampf und Camera Acting wurde Tanz mit dem ADTV-Tanzlehrer Alexander Mock, genannt „Smocky“, aus dem Tanztreff Jülich angeboten – sehr zur Freude der Beteiligten.

Zwei der acht Teilnehmer im Alter von zehn bis 35 Jahren waren eigens zur Schauspielwerkstatt aus Hamburg angereist und wohnten im Franz-von-Sales-Hof. Eine der Ferienakteure, Maria Grigoryeva, wurde durch den befreundeten Russisch-deutschen Verein „Wurzeln“ vermittelt. Sie ist bereits Schauspielerin am russischen Theater in Köln und suchte nach einer deutschen Rolle. Für sie, die bisher in russischer Sprache auf die Bühne trat, waren die vier Stunden Sprecherziehung in der Schauspielwerkstatt sehr wichtig. Grigoryeva wird nun am 6. Dezember in der Aufführung „Schneekönigin“ die Trollfrau spielen.

Bühnenerfahrung in diversen Statistenrollen hatte auch bereits der elfjährige Lino Maaßen. Erwähnenswert ist zudem die Geschichte der eineiigen Zwillingsschwestern. Anne Papenfuß aus Titz beschloss bei der Sommerschauspielwerkstatt im August, Schauspielerin werden zu wollen und ist heute laut Blanche „eine der talentiertesten Schülerinnen, die wir in Aachen haben“. Bei der Oktober-Schauspielwerkstatt nahm Zwillingsschwester Christina Papenfuß teil und traf denselben Entschluss, den René Blanche als „fast schon magisch“ bezeichnete.

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