Schauspielwerkstatt: Professionelle Ohrfeigen sind Teil des Stoffs

Von: ptj
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Die schallende „Profilohrfeige“ ohne Körperkontakt bereitet den Teilnehmern der Sommerschauspielwerkstatt sichtlich Freude. Rechts im Bild ist Dozent Helge Landmesser zu sehen. Foto: Jagodzinska

Barmen. Zwei Darsteller stehen sich gegenüber und schauen sich in die Augen. Einer holt aus, ein kräftiges Klatschen ist zu hören, der Kopf des anderen fliegt herum und er reibt sich schmerzverzerrt die Wange. Die Szene, die den Akteuren sichtlich Spaß bereitet, ist Teil der Sommerschauspielwerkstatt in Haus Overbach.

Die „tolle Gruppe“ aus 14 Teilnehmern und ebenso „tollen Dozenten“ erarbeitet in „sommerlicher Entspanntheit“ die Schulfächer (einfaches) Schauspieltraining, Gesang, Sprecherziehung, Bühnenkampf und Camera Acting. Die soeben dargestellte Szene mit „Upstage-“ und „Downstage“-Ohrfeigen oder „Profilohrfeigen“ ohne Körperkontakt zählt zum Fach „Bühnenkampf“ mit Dozent Helge Landmesser. Derweil zeichnete dessen Kollege Volker Waldeck die bewegten Szenen mit seinem Camcorder auf, um sie am nächsten Tag in seinem Unterricht „Camera acting“ – also Schauspielunterricht vor der Kamera – zu verwenden.

Hier kommen besonders die Unterschiede zwischen Theater- und Filmschauspiel zum Tragen. „Als Theaterschauspieler muss man sich enorm drosseln. Die Kamera kommt ganz nahe heran und man sieht das kleinste Klimpern mit den Augen...“. So bringt Réne Blanche, Leiter der veranstaltenden Aachener Schauspielschule und des Burgtheaters Overbach, diesen fühlbaren Unterschied auf den Punkt. In den drei anderen Fächern ist deutlich eine flexible „Nutzspannung“ erkennbar.

Gemeinsame Faktoren sind Atemtechnik, Stimmbildung, Aufrichtung des Körpers und Hemmschwellen-Überwindung. Zusammengefasst betont Blanche: „Der Verstand ist der Feind der darstellenden Kunst. Es geht darum, die Schüler vom Nachdenken wegzubringen“.

Dass „Sprechübungen fast so anstrengend sind wie Bühnenkampf“, lehrt etwa Achim Mertens, Fachbereichsleiter Sprecherziehung. Zu seinem Unterricht zählt auch optimierendes Training zum „Abspannen“ der Zwerchfellatmung. Mertens räumt zudem auf mit dem Sprichwort „Erst mal tief Luft holen“ – zumindest, was das Sprechen betrifft. Denn die „Kontaktaufnahme bedeutet automatisches Einatmen, ohne darüber nachzudenken“.

„Lernen in der Schauspielkunst heißt erfahren mit allen Sinnen“, sagt die künstlerische Leiterin Andrea Royé. Zu ihren Übungen zählt etwa das „intentionale Sprechen“. Die Absicht, die der Teilnehmer verfolgt, etwa Bedauern oder Wut, darf er allein durch die Betonung von Zahlen zwischen eins und zehn ausdrücken. Für Schulleiter und Inszenierungspädagoge Réné Blanche bedeutet Schauspiel ein Zusammenspiel von Vorstellungskraft, Konzentrationsfähigkeit und Beobachtungsgabe.

Er trainiert zum Beispiel mit jeweils zwei sich auf der Bühne gegenüber sitzenden Teilnehmern, einen Liebesbrief zu formulieren, während sie sich dabei in die Augen schauen. Da jeder abwechselnd nur ein Wort ausspricht, ist jegliches Vorausplanen unmöglich. Als Eisbrecherin der Probeschauspielwoche fungiert die flotte Fachdozentin Gesang, Sandra Wolters aus Aldenhoven.

Mit Leichtigkeit geling die Vermittlung ihrer Überzeugung: „Jeder kann singen“. Als kleines Andenken der gelungenen Sommerschauspielwerkstatt, die von Krimskoye gesponsert war, erhält jeder Teilnehmer einige vor der Kamera gedrehten Szenen auf einem Stick zum Mitnehmen. Der jüngste Ferienakteur ist übrigens der neunjährige Max Baus aus Jackerath, der sich „immer schon für Schauspiel interessiert“ hat.

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