Schatzmeister sein, „das ist keine Frage des Alters”

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Mit 18 Jahren Schatzmeister: Paul Liedgens gehört für die nächsten vier Jahre zum Vorstand der „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Foto: Jagodzinska

Rödingen. Mit dem wichtigen Amt des Schatzmeisters von Gesellschaften und Vereinigungen mit politischem oder sozialem Hintergrund werden in den meisten Fällen Frauen und Männer betraut, die sich im beruflichen Leben und im Alltag in exponierter Position hervor getan haben. Anders ist es bei der „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz”.

In dieser wechselte Rechtsanwalt Michael Lingnau von diesem Amt in das des stellvertretenden Vorsitzenden. Für die kommenden vier Jahre wird Lingau von Paul Liedgens abgelöst. Mit dem erst 18-jährigen Gymnasiasten hat sich Günter Jagodzinska unterhalten.

Herr Liedgens, was hat Sie dazu bewogen, dieses für einen jungen Mann in Ihrem Alter ungewöhnliche Amt anzustreben?

Paul Liedgens: Die Ziele der Gesellschaft wurden mir bereits vor längerer Zeit von meinem Vater vermittelt. Dabei ist mir recht bald klar geworden, wie wichtig und nötig es ist, dass dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte, auch wenn man es als heute junger Mensch nicht live beeinflusst hat, nie in Vergessenheit geraten darf. Es wird vielfach zu oberflächlich dummes Zeug daher gesagt.

Die letzte Aussage hört sich ziemlich abstrakt an. Können Sie diese an einem Beispiel verdeutlichen?

Paul Liedgens: Klar, beim Fußball zum Beispiel. Als ich kürzlich beim Bundesligaspiel des 1.FC Köln gegen Hoffenheim in der Südkurve stand, da reagierten sehr viele Fans auf das wenig erfreuliche sportliche Ergebnis mit Sprüchen, die ich im Wortlaut nicht wiederholen möchte. Nur soviel: Es war rassistisches Gegröhle unterster Schublade, bei dem ich mich geschämt habe, dass so etwas möglich ist. Dies ist mit Sicherheit ein Problem, das bei anderen Vereinen ebenso vorhanden ist.

Gibt es etwas, was Sie dabei persönlich ganz besonders betroffen macht?

Paul Liedgens: Das Schlimme ist, dass den Leuten gar nicht klar ist, was sie da von sich geben. Die sollten sich bewusst machen, was das für jeden einzelnen Menschen bedeutet, den sie damit diffamieren und in seinen Gefühlen verletzen. Meine Freundin zum Beispiel ist eine Farbige. Was glauben Sie, wie die sich fühlt, wenn sie mitbekommt, wie Spieler wie Obasi oder Demba Ba nur wegen ihrer Hautfarbe angefeindet und bedroht werden. Das macht mich mehr als betroffen.

Mit Ihrem Engagement zeigen Sie ganz eindeutig Flagge gegen rechte Umtriebe. Befürchten Sie denn nicht, sich damit nun ins Rampenlicht zu begeben?

Paul Liedgens: Nein, Furcht wäre das Falscheste. Ich denke, dass jeder Mitmensch Anspruch auf Respekt vor seiner Person hat, diesen Respekt hat man aber auch selbst aufzubringen und dazu gehört auch Zivilcourage. Das ist keine Frage des Alters.

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