Sales-Gemeinschaft kämpft um ihre Kirche

Von: Dorothée Schenk
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Die Diskussion geht weiter: An der Gemeindeversammlung in der Sales-Kirche mit Regionaldekan von Danwitz nahmen am Freitag etwa 70 Gläubige teil. Foto: Schenk

Jülich. Die Angst von „Disco, Kino, Trallala” oder vor dem Damoklesschwert „Verkauf” ihrer Franz-von-Sales-Kirche prägte die Stimmung bei der Gemeindeversammlung am Freitag.

Die rund 70 Pfarrmitglieder kamen, um sich mit Regionaldekan Hans-Otto von Danwitz über die Zukunft des achteckigen Gotteshauses auseinanderzusetzen. Im Zuge der Fusion zur Pfarre Heilig Geist, die im Januar 2013 vollzogen wird, könnte sich der Arbeitskreis vorstellen, die jüngste der Jülicher Innenstadtkirchen zu einem „spirituellen Zentrum für Jugendliche” zu machen. Die Kirchenbänke könnten Stühlen weichen und damit eine flexiblere Nutzung ermöglichen. Junge Gläubige sollten Gelegenheit bekommen, den Raum auch ihren Bedürfnissen nach zu gestalten, etwa in der Beleuchtung. Undenkbar für die meisten Anwesenden, die keinen Hehl daraus machten, dass alles bleiben soll, wie es ist.

„Wir waren immer eine Reisegesellschaft. Wir haben einander vom Kind bis zum Greis mitgenommen. Jetzt bin ich selbst ein Greis und will nicht von hier vertrieben werden”, formulierte es eine betagte Kirchgängerin, die aus den gut besetzten Reihen sofort Szenen-Applaus bekam. Ein Indiz für die kämpferische Stimmung. Die Sales-Gemeinschaft trat an, um für ihr Gotteshaus zu streiten, das sie unter anderem mit Vokabeln wie lebendig, familiär, gemütlich, gemeinschaftlich, integrativ - im Sinne der vielen ausländischen Mitbürger und Andersgläubigen im Nordviertel -, beschrieb.

Die Realitäten führte eine Mutter dreier Kinder vor Augen: Das Kirchliche Immobilien Managements (KIM) besagt, dass das Bistum für ein Drittel aller kircheneigenen Gebäude keine Finanzmittel mehr hat beziehungsweise nicht mehr zur Verfügung stellt. Das heißt: Pfarrhäuser, Pfarrheime und auch Kirchen der 71 GdG im Bistum stehen für Umnutzung, Vermietung und Verkauf auf dem Prüfstand. Priestermangel und Rückgang der Gläubigen seien ebenso Fakten. „Wenn wir uns nicht öffnen, dann ist hier in zehn bis 15 Jahren Schluss”, befürchtet sie und wünscht sich für ihre Kinder weiter eine geistliche Heimat.

Die jungen Gemeindemitglieder unterstrichen, dass es keineswegs darum gehen kann, der „Gemeinde ihre Kirche zu entreißen”, wie es Jung-Küster Kilian Klinkenberg formulierte. Es sollte ein Kompromiss gefunden werden, in dem Junge und Alte „den Weg gemeinsam gehen können.” Beide könnten voneinander im Glauben lernen, von einer Übergangszeit war die Rede. Die Frage, wie die seelsorgerische Begleitung aussehen werde, ohne die ein neues Konzept wie eine Jugendkirche nicht gelingen könne, blieb offen.

Vor dem abschließenden gemeinsamen Gebet bekannte sich Regionaldekan von Danwitz noch einmal ausdrücklich zum Erhalt der Kirche. „Mein Herz schlägt für Sales”, sagte er und mahnte aber gleichzeitig: „Die Kirche ist sicherer, je mehr Einrichtungen sie hat.”
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