Sahara oder Jülich: Sonne ist überall Sonne

Von: ptj
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Professor Bernhard Hoffschmidt erklärt die Funktion des konventionellen Dampfkraftwerkes mit solarer Brennkammer. Foto: Jagodzinska
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Auch bei der Erkundung des Solarturms ist der Sicherheitshelm Pflicht für die Besucher. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Wir werden ganz massiv kopiert. Deshalb kommt man hier so schwer rein.“ So erklärte Professor Bernhard Hoffschmidt, Co-Direktor des Instituts für Solarforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Leiter des weltweit einzigartigen Solarthermischen Versuchskraftwerks in Jülich, der gemischten Besuchergruppe von 20 Zeitungslesern den erschwerten Zutritt zum Solarturm.

Anlass war die erste Etappe der „Sommer-Tour“ der Jülicher Zeitung und Jülicher Nachrichten. Bevor das Highlight im doppelten Sinne bei über 30 Grad Celsius mit Sicherheitshelmen auf den Köpfen erkundet wurde, erklärte Hoffschmidt zunächst die Funktion des konventionellen Dampfkraftwerkes mit solarer Brennkammer. 2153 bewegliche Heliostate (Spiegel) auf einer Fläche von 18.000 Quadratmetern lenken die Sonnenstrahlen auf die Spitze des 60 Meter hohen Turms, wo sie von einem 22 Quadratmeter großen Receiver mit porösen keramischen Elementen aufgenommen und in Wärme umgewandelt werden. Ein Gebläse saugt die Luft an, die sich beim Durchströmen des porösen Materials auf etwa 700 Grad erwärmt. Die heiße Luft erzeugt Wasserdampf, der eine Turbine antreibt, die wiederum über einen Generator Strom erzeugt.

„Turmkraftwerke können Strahlung besser konzentrieren. Höhere Temperaturen – höherer Wirkungsgrad. Die Kilowattstunde wird günstig“, setzte der Professor nach. Der DLR-„Sonnenofen“ in Köln entwickelte diese innovative Komponente, ließ sie sich patentieren und macht „deutlich mehr Versuche als die gleiche Anlage in Spanien“. Interessant war Hoffschmidts Anmerkung: „Wenn die Sonne scheint, scheint sie genauso stark wie in der Sahara. Der Nachteil ist: Wir haben weniger Zeiten, wo wir sie betreiben können.“

Der DLR-Standort in Jülich hat inzwischen 18 Mitarbeiter, zwei genügen für den Betrieb. Das Ziel sei aber „ohne einen“. 2014 ist mit gebündelten Kapazitäten der Bau eines Institutsgebäudes direkt neben dem Turmgelände geplant, mit ins Boot kommen das Forschungszentrum und das Solarinstitut der Fachhochschule. Hierbei unterstützt die Innovationsregion Rheinisches Revier.

Die eigentliche Turmführung startete in schweißtreibender Höhe beim aus vier unabhängigen Einheiten bestehenden Receiver, der die Strahlung absorbiert. Die heiße Luft wird in einem überdimensional dicken blauen Rohr gesammelt. „Brenner können auch hybrid mit Erdgas fahren. Wir würden hier gerne noch parallel zu diesem Receiver eine Gas-Turbine einbauen. Mit wenig Zusatzaufwand könnte man dann eine solche Anlage in südlichen Regionen (statt 2000 bis 4000 Stunden) auch 8000 Stunden pro Jahr betreiben“, schwärmte Hoffschmidt.

Während der gesamten Führung wurde Hoffschmidt mit Fragen bombardiert – Vergleichsfragen zur Photovoltaik, zu den Stadtwerken als Vorbesitzer des Solarturms, zur Stromautobahn oder Reinigung der Spiegel: „Einmal im Jahr durch eine Fensterputzfirma, in der Wüste muss das einmal in der Woche gemacht werden“, erklärte Hoffschmidt. Ein großes Lob spendete der Professor den deutschen Studenten, die die Forschungsaufgaben kreativ und zielorientiert angingen, im Gegensatz zu Gaststudenten, die man viel häufiger an die Hand nehmen müsse. Die Gäste spendeten Hoffschmidt kräftigen Applaus. „Das hat er sehr gut gemacht“, brachte es Theologin Dr. Margret Peek-Horn auf den Punkt.

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