Ederen - Sägewerk „Eschweiler“: Von Ederen aus rund um den Globus

Sägewerk „Eschweiler“: Von Ederen aus rund um den Globus

Von: hfs.
Letzte Aktualisierung:
12122898.jpg
Bei der Arbeit: Während Werner, der Belgier, die Stämme verlädt, protokolliert Geschäftsführer Daniel Schmitz die Wahre. Foto: Schiffer
12122901.jpg
Maßarbeit: Das Verladen der Baumstämme muss schnell und effektiv funktionieren.

Ederen. Nein, alltäglich wirkt es nicht, wenn riesige Seecontainer, aufgereiht in Linie, im Sägewerk „Holz Eschweiler“ in Ederen stehen und auf die Beladung warten. Besonders außergewöhnlich ist für einen Außenstehenden, der frühmorgens schon seinen Hund ausführt, oder einen Spaziergang rund um das idyllische Dorf macht, die chinesische Schrift, mit denen die 40-Tonnen-Container gekennzeichnet sind.

 „Für uns ist das nichts Ungewöhnliches, wenn unser chinesischer Geschäftspartner Holz ordert. Es ist Routine“, sagt Daniel Schmitz, einer der beiden Geschäftsführer des über 100 Jahre alten Betriebes, der seine Hölzer in alle Welt liefert.

Die drei Trockenkammern sind rund um die Uhr in Betrieb, Hubstapler bewegen sich wie Ameisen über das große Areal, irgendwo rattert eine Gattersäge, anderswo hat ein Arbeiter die Motorsäge angeworfen. Hunderte, meterdicke Baumstämme lagern aufeinandergetürmt, Bretterstapel, sortiert und auf Länge geschnitten, warten auf ihren Transport. An diesem sonnigen Wochentag ist der Betrieb auf Export eingestellt. Tags zuvor sind sieben Tieflader mit Riesencontainern bereits auf das Firmengelände gefahren worden.

Die Fahrer haben in ihren Kabinen übernachtet. Sie wollen morgens pünktlich zur Stelle sein, den Beginn des Verladens nicht gefährden, weil sie vielleicht auf der Autobahn im Stau stehen. „Jetzt muss ein Rädchen ins andere greifen, denn jeder Stillstand kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld“, sagt Daniel Schmitz, der bereits mit Laptop und Handy in der Hand auf den belgischen Spezialisten für das Beladen der Container wartet. „Das muss man können“, sagt Schmitz, und freut sich, als der Belgier mit seinem Kranwagen vorfährt. Und dann kommt Bewegung in die Sache: Marek, Fuhrunternehmer aus der Slowakei, startet seinen Sattelzug, fährt auf den Meter genau an die Stelle, die ihm Werner, der Kranspezialist, zugewiesen hat.

„Heute wird zuerst Roteiche verladen, die Stämme sind zwischen drei und sechs Meter lang, es ist nicht einfach, damit einen Container zu beladen, der insgesamt 11,80 Meter lang ist.“ Das soll was heißen? „Werner muss und wird jetzt jede Lücke irgendwie füllen, dies ist manchmal eine Wurstelei.“ Doch davon lässt sich der Belgier nicht beirren. Wie Streichhölzer bewegt er die tonnenschweren Stämme in seinem Kran, wuchtet diese in den Container, wobei der eine oder andere Stoß – dann wird sozusagen ein Baumstamm als Rammbock genutzt – nicht ausbleibt. Derweil beobachtet der Juniorgeschäftsführer – neben ihm hat sein Onkel Hermann-Josef Zurkaulen das Sagen – genau, welcher Stamm verladen wird.

Schon im Wald sind die Hölzer vom zuständigen Forstamt gekennzeichnet, gemessen und bewertet worden. „Aber wir kontrollieren vor Ort nochmals, schneiden je nach Bedarf und Wunschmaß noch zu“, erklärt Schmitz die Protokollierung jedes Baumstammes, der im Seecontainer verschwindet. Nicht nur, um eine Überladung zu verhindern. „Der Zoll erhält von uns die Ladepapiere und wird im Hafen von Antwerpen jeden Container unter die Lupe nehmen.“ Nicht selten ist auch ein Zollbeamter vor Ort. Der gibt die Ladung frei, die dann rund fünf Wochen auf dem Schiff unterwegs ist nach China, wo der Agent – er ordert im Namen des chinesischen Händlers vor Ort in Ederen – das Holz aus Deutschland in Empfang nimmt. „Daraus machen unsere Partner hochwertige Furnierhölzer“, berichtet Hermann-Josef Zurkaulen, als der erste Container nach gut einer halben Stunde beladen ist und der Fahrer sich sofort auf den Weg nach Antwerpen macht.

Und schon hat Stani, der Spediteur aus Polen, seinen „Truck“ gestartet. Auch er fährt, wie die fünf anderen Fahrer auch, für „Yang Ming“, der dieses Holz für die Anfertigung von Möbeln nutzt. Diesmal sind die Stämme alle um die zehn Meter lang. „Jetzt kann ich richtig loslegen“, schmunzelt Werner, der Ladespezialist, und wuchtet Stamm um Stamm in die Container, denn wie gesagt, Zeit kostet Geld, viel Geld, denn das georderte Schiff im Antwerpener Hafen wartet nicht auf das Holz aus Ederen. „Dort würden, wie auch bei uns, Standgebühren fällig“, verrät der 37-jährige Daniel Schmitz. Nach gut drei Stunden klappt er sein Laptop zu, geht ins Büro und mailt die Ladepapiere nach Antwerpen. „Rund 50 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit dem Export“, gibt der gelernte Holzkaufmann Zurkaulen einen Einblick in die Firmenphilosophie, die den asiatischen Exportmarkt schon seit Jahren beinhaltet.

China wird ebenso beliefert wie Vietnam oder Indien. Doch auch direkte europäische Nachbarn sind seit vielen Jahren Kunden. Und wie bestellt rollt ein dänischer Spediteur auf das Betriebsgelände, kurz nachdem sich alle Containerfahrzeuge auf den Weg nach Antwerpen begeben haben. „Der hat erstklassiges Schnittholz geordert, daraus macht er hochwertige Landhausdielen“, berichten die beiden Firmenchefs. Und es bleibt international an diesem Tag, nachmittags wird noch ein belgischer Möbelfabrikant sein Holz abholen lassen.

Die beiden Geschäftsführer Zurkaulen und Schmitz könnten lachen, der Laden läuft. Aber so richtig ist ihnen nicht danach zumute. Jeden Tag blicken sie auf eine riesige Halle, die seit 22 Monaten nur als Gerüst erkennbar ist. Die Erweiterung auf dem 55.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände muss warten, denn es herrscht genau so lange Baustopp. „Holz Eschweiler“ liegt mit der Dürener Baugenehmigungsbehörde im Clinch. Es geht um einen Löschteich, der dort, wo er angelegt wurde, angeblich nicht hingehört. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert