RWE-Sümpfungen zerstören Biotop

Von: Otto Jonel
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Von Otto Jonel Boslar. „Vori
Die Sümpfungen von RWE führen dazu, dass das Wasser in dem sandigen Boden noch schneller versickert - das Biotop, das der Malefinkbach hier einst schuf, ist verschwunden. Foto: Otto Jonel

Boslar. „Voriges Jahr waren hier noch Fische drin.” Mit einer umfassenden Armbewegung gibt Kurt Gröbel dem „Hier” Dimensionen. Fast zwei Fußballfelder groß ist der Bereich, Hüft hoch mit üppigem Grün bewachsen. Nur an einer Stelle blitzen weißliche Scholle in aufgesprungenen Platten staubtrocken in der prallen Sonne.

Kaum zu glauben, dass hier mal Wasser gewessen sein soll - und Fische. Und was für welche. Kurt Gröbel deutet das Kaliber an. Mehr als Unterarm lang. „Solche Karpfen. Mindestens Fünfzehnpfünder.”

Der Hauptbrandmeister bei der Löschgruppe Boslar muss es wissen. Er und seine Kameraden haben im vergangenen Jahr die verendeten Tiere aus dem winzigen Schlammwassertümpel gezogen, von dem heute nur noch der weiße Fleck ürbig geblieben ist. Seitdem ist das einstige Biotop zwischen Tetz und Boslar ohne Wasser und ohne Leben, so wie es sich an diesem Flecken über Jahre eingestellt und entwickelt hat.

Kurt Gröbel macht der Zustand des einstigen Biotops wütend. „Stadt und Kreis sollen endlich mal was machen”, spricht er auch seinen Feuerwehrkameraden aus der Seele. Die Löchschgruppe hatte das blühenden Biotop „adoptiert” und hegte es gut zwei Jahrzehnte. „Wir haben es weitgehend sich selbst überlassen, um die Tiere nicht zu stören.” Lediglich Müll und umgefallene Bäume wurden beseitigt, Kopfweiden regelmäßig beschnitten, Zu- und Ablauf freigehalten. Die hatten die Blauröcke selbst angelegt, damit das natürliche Becken immer mit fließendem Wasser versorgt wird. Und da liegt das Kernproblem. Der Malefinkbach, der unmittelbar an dem Biotop vorbeifloss, ist ein Bett ohne Bach. Seit Jahren fließt in ihm kein Wasser mehr. „Früher waren da Quellen in den Hügel”, zeigt Gröbel Richtung Ortsrand Boslar. „Seit Rheinbraun sümpft, ist da nichts mehr.” Und mit der Stilllegung der Kläranlage bei Hompesch versiegte auch dieser Zulauf in den Malefinkbach. Grundwasserkontakt haben weder Biotop noch Bach. Und aufgrund des sandig durchlässigen Bodens versickert Wasser ohnehin schnell auf Nimmerwiedersehen - es sei denn, es wird nachgeführt.

Als dann der Malefinkbach immer weniger Wasser führte, habe man darauf vertraut, dass Stadt, RWE Power und Kreis gemeinsam eine Lösung fänden, wie der Bach wieder bespannt werden könne. „Aber da tut sich nichts”, fasst Gröbel das Ergebnis zusammen. Anfang 2010, erzählt er, habe er eine Zusammenkunft mit RWE Power vor Ort am Biotop organisiert. „Ich hatte die Zusage, dass die Senke ein wenig ausgekoffert und dann eine Tonschicht eingezogen wird.” Das hätte zumindest dafür gesorgt, dass Wasser im Biotop nicht sofort im Untergrund versickert. Die Idee ist, wie man sieht nie umgesetzt worden. Scheitert wohl wieder an der Frage, wer das bezahlen soll, vermutet Gröbel.

Das Biotop hätte Leben spendendes Wasser allemal verdient. „Wir haben schon mal einen Sonderpreis für das Biotop bekommen”, erinnert Gröbel an die Jahre 1993 und 1997, als Boslar im Rahmen des Landeswettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden” ausgezeichnet wurde. Davon haben die Fische, Fledermäuse, Molche, Kormorane und Störche nichts, die damals noch am Biotop anzutreffen waren. Seit kein Wasser mehr plätschert, sind verschwunden. Vom Biotop zum biotot...

Bei RWE Power füllt der Vorgang Malefinkbach mittlerweile Ordner über Ordner. Entgegen der Annahme aber, dass das Unternehmen als direkt Beteiligter bei allen Fragen rund um den Malefinkbach auh unmittelbar beteiligt sein müsste, ist dem nicht so. „Es gibt einen runden Tisch zum Malefinkbach. Das ist richtig”, betsätigte Unternehmenssprecher Manfred Lang auf Anfrage, um gleich darauf einzuschränken: „Wir sind an diesem Tisch nicht beteiligt.” An dem sitzen Stadt, Kreis und der Wasserverband Eifel-Rur. Doch außen vor ist RWE Power nicht. „Sollte ein sinnvolles Konzept abzuleiten sein, haben wir unsere Beteiligung signalisiert”, sagt Lang. Damit liegt die Aktionskarte beim Runden Tisch. Dessen Geistesblitze werden in knapp einen Monat den dunklen Linnicher Ratssaal erhellen. Dann wird dort Harald von Reis, sozusagend er Haus-Diplom-Geologe der Stadt und intimer Kenner der unendlichen Malefinkbach-Geschichte, zum jährlichen Rapport erwartet. Das Wasser, dass sich Gröbel wünschen würde, wird auch diesmal nicht fließen.
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