Rurblümchen in voller Pracht

Von: hfs.
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„Polka, Polka Polka oder Halleluja“. Wenn Frontmann Pitter Brings (r.) die Hits anstimmt, ist auch Sitzungspräsident Frank Kutsch in seinem Element. Foto: hfs
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Bekannt für seine spitze Zunge: Heimatdichter Tom Oellers. Foto: hfs

Jülich. Ein Jubiläum kann man eigentlich nicht jedes Jahr feiern. Auch nicht die Jecken von der KG Rurblümchen, die in der Vorsession 88 Jahre alt wurden. Was soll‘s, dann feiert man 8 x 11 + 1, und nach dem Motto „Laache, senge und danze, mit de Blömches kannste‘t“ startete die große Kostümsitzung in der Stadthalle, rappelvoll besetzt, besser gesagt „stehend“.

„An die Gewehre, Kommando 1, Kommando 2, Kommando 3, die Hände zum Himmel und Peng rufen.“ Nach Spitzenleistungen werden mit einer Rakete diejenigen Künstler bedacht, die nicht nur den Geschmack des Präsidenten – der fordert zur Rakete auf – sondern des Publikums treffen. Weil sparsam dosiert, können die sich so Geehrten auch sicher sein, den Geschmack der Jecken getroffen zu haben. Freundlicher Applaus wurde Brings nicht zuteil, auch kein stürmischer Applaus wurde den fünf Musikern aus Köln im Schottenrock und -höschen entgegengebracht, nein, es waren Standing Ovation und Bravo-Rufe, die Frontmann Pitter ganz sprachlos machten. „Mensch, Kenger“, meinte der nur, denn nach fünf Zugaben war immer noch nicht Schluss. Wenn man mit „Polka, Polka, Polka, Halleluja“ oder zum Beispiel „Superjeilezick“ immer wieder kölsche Hits produziert, muss man sich nicht wundern, wenn das Narrenvolk nach solchen lechzt. So geschehen im Jülicher Narrentempel, der schon zu Beginn der Sitzung so das eigentliche I-Tüpfelchen erlebte, dem aber noch viele Höhepunkte folgen sollten.

„Toll, so eine Vorgruppe zu haben“, scherzte Heimatdichter Tom Oellers, den viele bedauerten, als er direkt nach Brings um Aufmerksamkeit bat. Doch schnell hatte Tom, der wiederum das ganze Jahr dem Volk, der Politik und den Honoratioren aufs Maul geschaut hatte, die nötige Aufmerksamkeit. Denn seine Anekdötchen stachen, manch einer der Angesprochenen war froh, hinter Gesichts-Schminke sein wahres Äußeres verstecken zu können. „Dä Lingnau hätt sich selfs afjewatsch un glööv et selver kohm, für mich leidet dä ungerem Knipprath-Stadion-Syndrom“, reimte Oellers auf den selbst ernannten Bürgermeisterkandidaten. „Denn eens bruche mir in Jülich wirklich nich, eene dä glövv, dat Knippraths Karl heimlich mit em sprich.“ Doch auch Bürgermeister Heinrich Stommel bekam sein Fett weg. „Weed er et noch eemol mache. Et jitt Lüüt, die jonn davonn uss, dat wor et met emm hier, eh weed Trainer von Schalke 04, do hött Heinrich richtisch drop Luss, denn hää kennt sich bestens met enem huuhe Krankenstand uss.“

Ob SPD, FDP und CDU, ob Atom im Hambacher Forst, ob Schwanenteich, „Schlittschuhloffe om Weihnachtsmaat“ oder GROKO (große Koalition) oder Legionellen, vor Oellers mahnendem Wort und Zeigefinger war kein „Großkopferter“ oder diejenigen, die sich dafür halten, sicher. Seine Heimatrede saß, auch er wurde mit Kommando 1, 2 und 3 vom Sitzungspräsidenten Frank Kutsch verabschiedet. Beim Festkommers im Vorjahr noch mit höflichem Applaus bedacht, zeigte Knacki Deuser sein wirkliches Können als Stand-up-Comedian. Sozusagen aus dem Nichts setzte er Pointe für Pointe, nahm sich selbst, das dem Kölner angedichtete Lebensgefühl und den Kölner als solchen aufs Korn. Wenn kölsches Liedgut auf tänzerische Art und Weise umgesetzt wird, sind die Kammerkätzchen und Kammerdiener prädestiniert für Paartanz und Akrobatik. Dass Rock‘n‘roll-Medley, das die Jungs und Mädchen der „Alten Kölner Karnevalsgesellschaft Schnüsse Tring“ mit den fliegenden Kammerdiener boten, kann einfach nicht getoppt werden. Die Bravo-Rufe übertönten die vielen Musik-Tuschs der Sitzungskapelle von Ted Borgh, die alle Auftritt der Tanzgruppen live begleitete.

Kasalla und Piraten

Wenn Kölsch-Rock vom Feinsten gespielt wird, kann Kasalla, auf rheinisch „Krawall“, nicht fern sein. Und wenn Gitarrist Flo Peil in die Saiten greift und Sänger Bastian Campmann die „Piraten“ anstimmt, erstürmt auch schon einmal Piraten-Fahnen schwenkend die Café Cholera Karnevalsgesellschaft (CCKG) aus Jülich die Bühne, welche auch die Mennek-rather im Sturm erobert hatte.

Immer aktuell ist das Repertoire der Bühnenveteranen Blom Blömcher. Die vier Musiker haben nicht nur rheinischen Humor sondern auch eine gehörige Portion Schalk im Nacken. Die Narren wussten es zu schätzen, erwarteten mit Spannung den Auftritt des Rurblümchen-Männerballetts, die im Cowboydress über die Bühnenbretter wirbelten. Bevor jeder der sechs Musiker von Kuhl un de Gäng seine instrumentale Klasse zu Gehör bringen konnte, zeigten Klaus und Willi, warum er/sie ein besonderer Bauchredner ist/sind.

Stehend

Apropos Blümchen. Ihr Elferrat zeichnet sich dadurch aus, dass nicht sitzend, sondern stehend repräsentiert wird. Auch dies soll einmal erwähnt werden, eine Stilnote, die bestens bei den Narren ankommt. Angekommen ist auch der Aufmarsch der 80-köpfigen Nippeser Bürgerwehr, die mit ihren Apfelsinen-Funken, benannt nach deren orangenfarbenen Federbüschen, das Jülicher Kinder-Dreigestirn mitnahmen, um denen auch ein herzlichen Applaus zuteil werden zu lassen.

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