Jülich - Rur-Renaturierung mit Ufer-Kahlschlag

Rur-Renaturierung mit Ufer-Kahlschlag

Von: Volker Uerlings
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Die begradigte Rur mit Blick auf die Brücke am ehemaligen Haus Hesselmann. In diesem Teilstück plant der Wasserverband einen „maschinellen Umbau des Flussbetts“, um das Gewässer zu renaturieren. Allerdings sollen an beiden Ufern und dem Rurdeich hunderte Bäume weichen. Foto: Uerlings
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Nach den Stürmen in diesem und letztem Jahr liegt schon einiges Totholz in der Rur. Es soll bei einer Renaturierung noch viel mehr werden.
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Allee auf dem Rurdamm: beliebt, schön, aber teilweise bald weg? .
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Wurzelballen kippender Bäume reißen große Löcher in den Deich.

Jülich. Ein markanter Teil der Stadt dürfte im nächsten Herbst sein Gesicht erheblich verändern. Er wird in Teilen nicht wiederzuerkennen sein, wenn die nun vorgestellten Pläne zur Renaturierung eines Rur-Teilstücks im Westen Jülichs Realität werden.

Diese im Ursprung ökologische Maßnahme, die der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) am Montag im Umweltausschuss präsentierte, geht nämlich mit einem ziemlichen Kahlschlag von hohen Bäumen an den Ufern einher. Allein 140 Pappeln sollen fallen, aber nicht nur die.

Ins Visier genommen hat der Verband den Flussbereich zwischen der großen Rurbrücke am früheren Haus Hesselmann bis zur Brücke der Bundesstraße 56 – also entlang der Kirchberger Straße. Ziel ist laut Maria Landvogt, Ingenieurin des WVER, eine „ökologische Verbesserung“ der begradigten Rur im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese europäische Vorgabe ist nationales Recht und hat zwei Ziele: Bis 2015 sollen sich Flüsse in einem „guten Zustand“ befinden, zudem soll der Hochwasserschutz gewährleistet sein. Eine Verlängerung des Zeitraums ist möglich.

Der Wasserverband hat ein Fachbüro aus Aachen mit der Planung beauftragt, die im Wesentlichen so aussieht: Im nördlichen Teil (zwischen Fußgängerbrücke und Alt-Hesselmann) ist der maschinelle „Umbau“ des Flussbetts vorgesehen, teilweise wird es vertieft, teilweise das Ufer modelliert. Im Ergebnis fließt die Rur dort nicht mehr so kerzengerade wie heute und wird auch über die ein oder andere Sand-/Kiesinsel verfügen. Im südlichen Bereich (Fußgängerbrücke Richtung Bundesstraße 56) soll es leichte bauliche Veränderungen geben, aber vor allem den „Einbau“ von Totholz. Hier bedienen sich die Renaturierer am Ufer: Von den heute 220 Pappeln sollen 80 bleiben. Sprich: 140 werden gefällt und davon wiederum 50 in den Fluss und an den Ufern „eingebaut“, wie Maria Landvogt auf Nachfrage erläuterte. Sie räumte ob der zu fällenden Bäume einen „Zielkonflikt“ ein, aber aus Sicherheitsgründen mit Blick auf Spaziergänger, Radler, Grundstücke und Häuser müssten alle Pappeln, die weniger als 40 Meter Abstand zu öffentlichen Straßen haben, entfernt werden.

Die eine Sicherheitsmaßnahme könnte eine andere nach sich ziehen: Wenn die Pappeln weg sind, stehen die Kastanien, die heute eine Allee auf dem Rurufer-Radweg bilden, praktisch „nackt im Wind“. Die Kastanien, von denen viele ohnehin krank seien, bieten zum Beispiel Stürmen eine viel größere Angriffsfläche. Das sagte der Jülicher Amtsleiter Thomas Mühlheims. Förster Moritz Weiland: „Die haben so eine Höhe, die fallen direkt in Häuser.“ Außerdem befinden sie sich in einem Bereich, in dem sie heute niemals genehmigt werden dürften: auf dem Rurdamm, der vor Hochwasser schützen soll. Fallen die Kastanien um, dann hinterlassen die Wurzelballen stattliche Löcher im Deich. Von daher plant die Stadt parallel zu Renaturierungsmaßnahme des WVER die Beseitigung dieser 180 Kastanien – zunächst im genannten Bereich zwischen den Brücken.

Die Politik war „not amused“: Von „Kahlschlag“, „finde ich ganz schlimm“ bis hin zur „Abschaffung der Rurufer-Allee“ war die Rede. Der Ausschuss stimmte der Maßnahme, die 100.000 Euro Kosten verursacht (abzüglich 80 Prozent Landeszuschuss) noch nicht zu. Weitere Diskussionen folgen.

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