Runter von der „neuronalen Schmierspur”

Von: ptj
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Auf dem Weg zur „Glückseligkeit”: Die „harmoniesüchtige” Philosophin Ute Lauterbach stellt in der Schlosskapelle eines ihrer sieben Bücher vor. Foto: Jagodzinska

Jülich. Wie oft ein Durchschnittseuropäer am Tag wohl jammert? 15 bis 30 Mal stimmt, korrigiert Ute Lauterbauch die niedrige Schätzung einer Zuhörerin. In der Schlosskapelle führt die aus Jülich stammende Philosophin in ihr neues, salopp geschriebenen Buches ein: „Jammern mit Happy End”.

„Ich war der Illusion erlegen, dass ich nicht so viel jammere”, sagt Lauterbach. „Aber ich konnte einen guten Schnitt hinlegen.”

Lauterbach unterscheidet sie zwischen einer „Jammereinlage” und der „Jammerplatte als neuronaler Selbstläufer: eingejammert, festgejammert, weitergejammert, dann kommt man hinten als Jammerlappen raus”. In ihrem Buch hat sich die „Harmoniesüchtige, die nichts erzählt, was sie nicht härtestens an sich ausprobiert hat”, Jammerklassiker vorgenommen wie „Keiner liebt dich” oder „Du bist zu fett”.

Zuerst liest sie das letzte Kapitel „Jetzt bist du tot” vor, als die Hauptperson, das vertraute „Du”, mit der Wurmkönigin zusammen trifft, verbunden mit der Frage: „Was ist mit dem Wurm, der hier überall drin ist?” Nun ist es Zeit, diesem Wurm auf die Schliche zu kommen.

Lauterbach redet langsam und deutlich, mit ausgeprägter Mimik und Gestik. Wiederholt fordert sie ihr Publikum auf, ihre Thesen zu prüfen. „Wir wollen das Eine und das Andere wollen wir automatisch nicht.” Lauterbachs Antijammerphilosophie lautet: „Sich von Gegensatzpaaren befreien, in der realen, klaren Mitte Platz nehmen zwischen den Glückskillern Anhaftung und Abwehr.” Jammern ist „antizielführende Energieverschwendung” oder „sich festhaken im Unerwünschten, immer mit dem Aspekt: Ich mache es schlimmer als es ist”.

Kein Jammern ist hingegen, Leid authentisch auszusprechen oder lösungsorientierte Gespräche zu suchen. „Durch die Jammerei fahren wir uns biochemisch runter”, das ist nicht nur „unerotisch”, sondern auch ungesund. Warum lassen wir es nicht? „Weil unsere neuronale Schmierspur schon so gut geschmiert ist.”

Abhängigkeiten wie Jammerei oder Streitsucht vergleicht Lauterbach mit der von Heroin. Im Umgang mit Jammerlappen nicht gegensteuern, sondern übertrieben mitziehen, ihn scheinbar bestärken, um einen Wechsel der Perspektive, Entlastung und Aufatmen zu erzielen, lautete ihr Rat. Langwierig sei der „Abenteuerprozess des Selbstumbaus”, nachdem wir unser Jammern wahrgenommen und uns ernsthaft entschieden haben, damit aufzuhören. Die Hauptstrategien seien „Aushungern von außen” oder „Abschaffen von innen”, die „psycho-energetischen Integration”. Skurille Beispiele mit nach großen Persönlichkeiten benannten Gummibärchen, die im ersten Modell als Belohnung für jammerfreie Tage auf der Fensterbank gesammelt werden, sorgen für Heiterkeit im Publikum.

Bei der zweiten Methode wird die Frage gestellt: Welcher wunde Punkt liegt hinter meinem Jammern? Rege ich mich zum Beispiel über die Unpünktlichkeit eines anderen so auf, weil mein Zeitmanagement nicht stimmt, ich zu hohe Anforderungen an mich selber stelle? Dann sollte ich innehalten, Grenzen akzeptieren und neue Werte finden, dann hätte das Jammern tatsächlich ein Happy End.
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